KZ Dachau: Vor 80 Jahren entstand die ''Mörderschule''

„Am Mittwoch wird in der Nähe von Dachau das erste Konzentrationslager eröffnet. Es hat ein Fassungsvermögen von 5000 Menschen. Hier werden die gesamten kommunistischen und - soweit notwendig - Reichsbanner- und marxistischen Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden zusammengezogen(..) Wir haben diese Maßnahme ohne jede Rücksicht auf kleinliche Bedenken getroffen in der Überzeugung, damit zur Beruhigung der nationalen Bevölkerung und in ihrem Sinne zu handeln." Deutschlandweit zitierten Zeitungen am 21. März 1933 aus einer „Pressebesprechung“ mit dem Münchner Polizeipräsidenten und SS-Chef Heinrich Himmler. Einen Tag später wurde das KZ Dachau nahe München eröffnet. Es sollte zum am längsten bestehenden Konzentrationslager und Modell für alle anderen Lager des NS-Regimes werden.

(Bild: Himmler, links, und Rudolf Heß 1936 in Dachau)Bundesarchiv, Bild 152-08-35 / CC-BY-SA

„Die SS-Männer, die einige Jahre später den millionenfachen Mord mit Giftgas durchführten, lernten zuerst im Konzentrationslager Dachau, andersdenkende Menschen als minderwertig zu betrachten und sie kaltblütig zu ermorden. Die Umsetzung der nationalsozialistischen Theorien in blutige Realität nahm im Konzentrationslager Dachau ihren Anfang“, schreiben der Historiker Wolfgang Benz und die frühere Leiterin der Dachauer Gedenkstätte Barbara Distel.(c) REUTERS (� Michaela Rehle / Reuters)

Dachau war das erste „offizielle“ Lager der SS. Während die meisten anderen frühen KZ bis Kriegsanfang wieder geschlossen wurden, blieb Himmlers "Modell-Projekt" bis 1945 bestehen. Bauart und Verwaltung wurden in anderen Konzentrationslagern des Reiches kopiert. Ein Teil des Dachauer Geländes diente als Ausbildungslager für die SS-Wachmannschaften. Dachau sei eine „Mörderschule“ gewesen, urteilen Historiker heute.

(Bild: Dachau-Gefangene in einer Waffenbarik)(c) AP

Nach der Errichtung sperrten die Nazis zunächst politische Gegner in Dachau ein, für die sich nach den Massenverhaftungen von 1933 in den Gefängnissen kein Platz mehr fand. Später schickten sie dann auch deutsche und österreichische Juden, Homosexuelle, Roma und Sinti und andere Verfolgte in das Lager. Während des Krieges folgten Gefangene aus allen Teile Europas. In den zwölf Jahren seines Bestehens wurden mehr als 200.000 Menschen in Dachau eingesperrt.Bundesarchiv, Bild 152-21-05 / CC-BY-SA

Wie viele Menschen in dem KZ ums Leben kamen, ist nicht exakt geklärt. Die Lagerunterlagen verzeichnen 32.000, der Historiker Stanislav Zamecnik errechnete 41.566 Todesfälle. Sie wurden von Wachpersonal exekutiert oder gingen an Hunger, Erschöpfung und Seuchen zugrunde.(c) REUTERS (� Michaela Rehle / Reuters)

Mehr als 3000 kranke Gefangene wurden 1941/42 in das Schloss Hartheim bei Linz transportiert und vergast. Eine unbekannte Zahl an russischen Kriegsgefangenen wurde erschossen, es sollen jedenfalls mehrere tausend gewesen sein.(c) REUTERS (� Michaela Rehle / Reuters)

Ärzte missbrauchten die Gefangenen für medizinische Experimente. Claus Schilling infizierte 1100 Menschen mit Malaria, Hunderte starben daran. Sigmund Rascher testete für die Marine, wie lange Menschen in kaltem Wasser überleben können.(c) REUTERS (� Michaela Rehle / Reuters)

„Arbeitsfähige“ Gefangene zwangen die Nationalsozialisten zu Sklavenarbeit im Straßenbau, in Kiesgruben und der Rüstungsindustrie.(c) AP

Im April 1945 rückte die US-Armee näher, die SS entschloss sich zur Evakuierung. Ein Teil der Gefangenen wurde auf einen Todesmarsch Richtung Süden geschickt. 7000 von ihnen starben.(c) EPA

Am 29. April, einen Tag vor Adolf Hitlers Selbstmord, erreichten Soldaten der 42. US-Infanteriedivision Dachau. Ihnen bot sich ein Bild des Grauens. Vor den Toren des Lagers fanden sie einen Zug voller Leichen. Auch im KZ fanden sie Leichenberge vor. 32.000 Menschen warteten in den Baracken auf die Befreiung, viele von ihnen dem Tode nahe. Mehr als 2000 von ihnen starben in den kommenden Tagen und Wochen noch an den Folgen der Gefangenschaft. In Dachau- Außenlagern in München und Umgebung wurden noch einmal rund 32.000 Menschen befreit.US Army

„Es war ein Schock für uns, diese Leidenden zu sehen“, erinnerte sich der ehemalige US-Soldat Alan Lukens bei einer Feier zum Gedenken an die Befreiung im Jahr 2010.US Federal Government

Heute ist Dachau mit jährlich 800.000 Besuchern die meistfrequentierte KZ-Gedenkstätte Deutschlands.(c) AP