Katyn-Massaker: Polen nimmt erstmals offiziell an Gedenkfeier teil

Zum ersten Mal gedenken Polen und Russland gemeinsam der 22.000 polnischen Opfern der stalinistischen Terrors. Dem Ereignis wird historische Bedeutung zugemessen.

KatynMassaker Polen nimmt erstmals
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KatynMassaker Polen nimmt erstmals
(c) EPA (TOMASZ GZELL)

Siebzig Jahre nach dem Massaker von Katyn nimmt Polen erstmals offiziell an der Gedenkfeier für die 22.000 polnischen Opfer vom Frühjahr 1940 in Russland teil. Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin wird mit seinem polnischen Kollegen Donald Tusk am Mittwoch der Polen gedenken, die von der sowjetischen Geheimpolizei ermordet wurden. Dass beide Staatsschefs offiziell an der Feier teilnehmen, wird als historisches Ereignis angesehen, berichtet die Tagesschau. Angehörige der Opfer hoffen jetzt auf Klarheit über das Schicksal ihrer Verwandten. Eine Liste mit Tausenden unbekannten Opfernamen blieb in Russland unter Verschluss.

Bisher reisten Regierungsvertreter aus Warschau nur auf private Initiative an den Ort des Massakers im Westen Russlands, an dem die deutsche Wehrmacht 1943 Massengräber mit tausenden hingerichteten Offizieren entdeckte. Tusk und Putin wollen auch der sowjetischen Opfer des Stalin-Terrors gedenken, die ebenfalls im Wald von Katyn nahe der westrussischen Stadt Smolensk begraben sind.

Die politische Verantwortung für den Massenmord hatte der damalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow in den 90er-Jahren eingestanden. Zu der Zeit eingeleitete Strafverfahren wurden unter Präsident Putin 2004 aber wieder eingestellt. Insofern kommt Putins Einladung an Tusk recht überraschend. Experten rätseln über seine Beweggründe. Es wird vermutet, dass Russland mit einer Annäherung an Polen auch seine Beziehungen zur EU verbessern will.

(Ag.)

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