150 Jahre US-Bürgerkrieg: USA immer noch gespalten

Trotz der geänderten politischen Vorzeichen nach Ende der Rassentrennung haben sich die gesellschaftlichen Gräben zwischen dem Norden und Süden nicht geschlossen. Das Bürgerkriegstrauma wirkt noch immer.

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150 Jahre US-Bürgerkrieg: USA immer noch gespalten – (c) AP

Am 2. August 1956 starb der letzte Veteran des Amerikanischen Bürgerkriegs. Albert Woolson aus Duluth (Minnesota) hatte das Kriegsende um 91 Jahre überlebt. Nicht lange genug, um eine tatsächliche Versöhnung von Nord- und Südstaaten zu sehen. Das Trauma des Bruderkriegs mit 600.000 Toten wirkt bis heute nach, immer noch sind die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen den beiden Landesteilen tief, auch wenn sich die politischen Vorzeichen geändert haben.

--> Verlauf des blutigen US-Bürgerkriegs

4. Juli als Trauertag

In Vicksburg (Mississippi) brauchte es für die Bewohner die Siegeserfahrung des Zweiten Weltkriegs, um sich wieder zu den Vereinigten Staaten bekennen zu können. Am 4. Juli 1945 wurde dort nach acht Jahrzehnten wieder der amerikanische Unabhängigkeitstag gefeiert. Seit 1863 war der 4. Juli ein Trauertag gewesen, an dem die Bewohner Vicksburgs der Kapitulation ihrer Stadt vor den Unionstruppen gedachten.

Als Albert Woolson am 10. Oktober 1864 im Alter von siebzehn Jahren als Trommler in die Unionsarmee eintrat, hatte diese praktisch schon gesiegt. Einen Monat zuvor war mit Atlanta der wichtigste Verkehrsknotenpunkt der Südstaaten gefallen. Die Kapitulation der Konföderation erfolgte am 9. April 1865 nach der Einnahme der Südstaaten-Hauptstadt Richmond. Sechs Tage später fiel US-Präsident Abraham Lincoln den Kugeln eines fanatischen Südstaatlers zum Opfer, womit die Hoffnungen auf eine Versöhnung der beiden verfeindeten Landesteile zerstoben.

"Ära der Rekonstruktion"

Einzig Lincoln hätte die Autorität gehabt, milde Friedensbedingungen im von radikalen Republikanern dominierten US-Kongress durchzusetzen. So aber wurden die Südstaaten unter Militärverwaltung gestellt und mussten während der "Ära der Rekonstruktion" bis 1877 mitansehen, wie die Vereinigten Staaten nach den Wünschen des Nordens umgestaltet wurden. Die Wirtschaft des kriegszerstörten Süden wurde umgekrempelt, tiefgreifende Änderungen an den überkommenen gesellschaftlichen Strukturen blieben aber aus.

Ehemalige Sklaven als Kriegsverlierer

Die Leidtragenden waren die durch den Krieg "befreiten" schwarzen Sklaven, für die man sich im Norden nicht wirklich einsetzte. Mit drei Verfassungszusätzen erhielten sie zwar im Jahr 1866 die Bürgerrechte und das Wahlrecht, doch blieben sie bestenfalls Menschen zweiter Klasse. An die Stelle der Sklaverei trat die Rassentrennung, von mehreren Südstaaten ab 1876 in den sogenannten "Jim-Crow-Gesetzen" festgeschrieben.

Das Ende dieser Prolongation der Sklaverei wurde erst wenige Monate vor Veteran Woolsons Tod eingeläutet. Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks in einem Autobus in Montgomery (Alabama) ihren Sitzplatz einem weißen Fahrgast zu überlassen. Die Proteste gegen ihre Festnahme waren der Startschuss für die Bürgerrechtsbewegung, die zur Abschaffung der Rassentrennung durch das "Civil Rights Act" (1964) unter Präsident Lyndon B. Johnson führte.

Rechter Süden

Das Gesetz veränderte auch die politische Landschaft der USA nachhaltig. Im Jahrhundert nach dem Bürgerkrieg waren die Südstaaten ein Bollwerk der Demokraten gewesen, die Republikaner standen als Partei des ehemaligen Kriegsgegners auf verlorenem Posten. Die Bürgerrechtsbewegung änderte dies nachhaltig, der demokratische "Solid South" (Geschlossener Süden) wurde rot. Doch änderten sich nur die politischen Vorzeichen, nicht die gesellschaftlichen Realitäten.

So wurde der erste schwarze US-Präsident Barack Obama im Jahr 2008 als Kandidat der ehemaligen Sklavenhalter-Partei Demokraten gewählt. Die Südstaaten stimmten aber fast geschlossen für seinen landesweit abgeschlagenen republikanischen Gegenkandidaten John McCain. Mittlerweile als "Bible Belt" tituliert, ist der Süden zum Kernland der nach rechts gerückten ehemaligen Nordstaaten-Partei geworden. Trennte Nord und Süd früher die Sklavenfrage, sind es heute weltanschauliche Themen wie Abtreibung und Homosexualität, aber auch die Haltung zu Ausländern und der Todesstrafe.

(APA)

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