Lincoln als Auslöser der Sezession

Die Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten der Vereinigten Staaten galt als Anlass für die Abspaltung des Südens. Die Südstaaten konstituierten sich als "Konföderierte Staaten von Amerika".

Lincoln als Auslöser der Sezession
Schließen
Lincoln als Auslöser der Sezession
Lincoln als Auslöser der Sezession – (c) AP (W. A. Thomson)

Der Amerikanische Bürgerkrieg ist eng mit dem Namen von Abraham Lincoln verbunden. Keine sechs Wochen nach seiner Amtseinführung im März 1861 begann der blutige Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten, und man könnte Lincoln auch als sein prominentestes Opfer bezeichnen. Nur sechs Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Südstaaten am 9. April 1865 fiel er in Washington dem Schussattentat eines fanatischen Südstaatlers zum Opfer. Insgesamt ließen 600.000 Menschen im Bürgerkrieg ihr Leben.

Lincoln wurde am 9. November 1860 zum 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Seine Wahl gilt als Auslöser der Sezession, sahen die Südstaaten das Machtgleichgewicht in der Union endgültig zu ihren Ungunsten gekippt. Erstmals war nämlich ein US-Präsident ohne Unterstützung des Südens gewählt worden. Gleichwohl gewann Lincoln die Wahl nur wegen der Spaltung der Demokratischen Partei. Lincoln erhielt 39,8 Prozent der Stimmen, Stephen A. Douglas von den Nord-Demokraten 29,5 Prozent und John C. Breckinridge von den Süd-Demokraten 18,1 Prozent. Im Wahlmännerkollegium verfügte der Republikaner über eine deutliche Mehrheit, doch stellte kein Südstaat Wahlmänner für ihn.

Für die Südstaaten galt der Sieg Lincolns als letzter Schritt zur Übermacht des Nordens. Die Republikaner hatten den Süden zuvor daran gehindert, das Ungleichgewicht durch die Aufnahme neuer "Sklavenstaaten" in die Union auszugleichen.

Streitpunkt Sklaverei

Allerdings gingen die Republikaner nach Lincolns Wahlsieg nicht auf Konfrontationskurs mit dem Süden. Mit Lincolns Billigung schlugen sie eine Verfassungsnovelle vor, die die Beibehaltung der Sklaverei im Süden sichern sollte. Die Republikaner wollten aber das Gerichtserkenntnis im Fall Dred Scott von 1857 eliminieren, das die Sklaverei in den neuen Territorien der USA zuließ.

Viele Südstaatler befürchteten auch wirtschaftliche Umwälzungen durch die neue republikanische Regierung, die für hohe Zölle und freie Ländereien für Siedler im Westen eintrat, was den Plantagen-Wirtschaftsinteressen des Südens zuwiderlief.

Noch am Tag der Wahl Lincolns trat South Carolina aus der Union aus, in den folgenden sechs Wochen schlossen sich Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas der Sezession an. Nach Ausbruch des Krieges im April 1861 gingen Virginia, Arkansas, Tennessee, und North Carolina zu den "Konföderierten" über, während die sklavenhaltenden Randstaaten Delaware, Maryland, Kentucky und Missouri bei der Union verblieben.

"Konföderierte Staaten von Amerika"

Die abgefallenen Südstaaten konstituierten sich zu den "Konföderierten Staaten von Amerika", wählten am 8. Februar 1861 auf einem Kongress in Montgomery (Georgia) Jefferson Davis zum Präsidenten und Alexander H. Stephens zum Vizepräsidenten. Am 1. März 1861 gaben sie sich eine neue, am Muster der bisherigen US-Verfassung orientierten, aber den Forderungen der Bewegung für die Rechte der Einzelstaaten entsprechende Bundesverfassung. In ihr wurde die Sklaverei als legale Institution verteidigt. Regierungssitz wurde im Juni 1861 Richmond (die heutige Hauptstadt von Virginia), die neue Flagge der Konföderierten war rot mit einem blauen Andreaskreuz, in dem die weißen Sterne der Einzelstaaten aufschienen.

Zwischen Lincolns Wahl und seinem Amtsantritt erreichte die Spannung zwischen Nord und Süd Siedehitze. Lincolns Amtsvorgänger als Präsident, James Buchanan, kämpfte verzweifelt um Erhalt der Union und des Friedens. Allerorts wurde Lincolns Inaugurationsrede mit Aufschlüssen über seine Politik in der Sezessionskrise erwartet. Es fehlte nicht an Ratschlägen von allen Seiten, wie der Krise zu begegnen sei. Einige wollten den Süden friedlich abfallen lassen, andere forderten sofortiges militärisches Vorgehen gegen die Sezessionisten, wieder andere erhofften eine friedliche Versöhnung aufgrund von Konzessionen Lincolns in der Frage der Ausweitung der Sklaverei in neuen Territorien.

--> Krieg trotz versöhnlicher Lincoln-Rede

(Von Harald Krachler/APA)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen

Mehr zum Thema:

Kommentar zu Artikel:

Lincoln als Auslöser der Sezession

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen