11.02.2012 23:28 | Meine Presse Merkliste0

A wie Audimaxisten: Die planlose Revolte

 (Die Presse)

Die Audimaxisten traten mit ihrer 61-tägigen Besetzung eine Debatte über den Bildungsnotstand los.

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Eine kleine Demonstration gegen den Bildungsabbau hätte es werden sollen – mehr nicht. Doch dann kam alles anders, an jenem 22.Oktober: Zu Mittag stürmte eine Gruppe Studenten das Audi-max der Uni Wien. Am gleichen Abend wurde das Gebäude mit zweitausend Gleichgesinnten kurzerhand für besetzt erklärt. Genauso abrupt, wie sie begonnen hatte, endete die Besetzung am 21.Dezember – als die Polizei in den Morgenstunden die verbliebenen 15 Aktivisten und einen Tross von Obdachlosen aus dem Hörsaal abführte.

Dazwischen lagen 61Tage des Protests. Ein lauter, diffuser Protest, der selbst die Protagonisten in seinen Auswüchsen überrascht haben dürfte. Mehr als 20.000Studenten demonstrierten auf dem Höhepunkt in Wien, zwischenzeitlich waren Säle in sieben Hochschulen besetzt. Mit ihren markigen Sprüchen nach „Bildung für alle“ und ihrem in seiner Struktur kaum zu überblickenden Aufstand prägten die Besetzer den innenpolitischen Herbst des Jahres 2009. Der von den Medien hochgespielte Begriff des „Audimaxismus“ schaffte gar die Kür zum Wort des Jahres – als Ausdruck des Wunsches der Studenten nach maximaler Verbesserung ihrer Studienbedingungen und endlich bei der Politik Gehör (audi = lat. höre) zu finden, wie es in der Jurybegründung heißt. Über die Forderungen der Besetzer ließ sich trefflich streiten, eines haben sie zweifelsfrei geschafft: Eine Debatte über das Bildungssystem und die Verfehlungen der Politik zu entfachen, wie sie in dieser Größenordnung lange nicht auf der Tagesordnung stand. Die Anliegen waren vielschichtig und inhomogen wie die Revolte selbst. Umsetzbare Forderungen gab es kaum. Vom Ende der Zugangsbeschränkungen war die Rede, vom Stopp der Bologna-Reform und von utopischen Bildungsidealen.

 

Was bleibt von den Protesten?

Die Politik reagierte nur langsam. Der anfängliche Versuch, den Protest einfach auszusitzen, scheiterte. Am 30.Oktober schüttete Wissenschaftsminister Johannes Hahn schließlich 34 Millionen aus seiner Notfallsreserve aus. Als Abschiedsgeschenk, quasi: mitten in der Debatte wurde bekannt, dass Hahn im Jänner als Kommissar für Regionalpolitik nach Brüssel wechseln würde. Eine Entscheidung, die ihm Häme einbrachte. Er flüchte vor den Studenten, hieß es.

Im November veränderte der Protest sein Gesicht. Die meisten hatten die Besetzung aufgegeben und gingen in Ausweichhörsälen ihrem Studium nach. Hardliner übernahmen das Ruder. Die Bewegung war gespalten und dezimiert. Dialoggruppen tagten, an vielen Unis fand man zu Kompromissen. An der Uni Wien, die zum Domizil für Obdachlose wurde, ließen sich die letzten Standhaften von der Polizei abführen.

Was von der Revolte bleibt? Abgesehen von einem verschwindend kleinen Budgetplus für die Unis, einem breit angelegten Hochschuldialog und Kosten in Millionenhöhe wohl vor allem die Erkenntnis, dass die Studenten konfliktbereiter sind, als ihnen so oft nachgesagt wird. (Christoph Schwarz) ?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.12.2009)

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1 Kommentare
Gast: gast
31.12.2009 15:57
0 0

leider...

...ist die hälfte in diesem artikel falsch.
planlos waren die proteste sicher nicht. es gab halt niemanden, der den ton angab (und entsprechend alles plante), was viele leute vielleicht verunsicherte. dass beim planen der proteste in den plena alle bildungsinteressierten menschen teilnehmen konnten, überraschte wahscheinlich viele. mit so viel basisdemokratie hatte niemand gerechnet.
eine kleinigkeit am rande: die besetzung des audimax endete nicht (von selbst), sondern wurde (durch die polizei) beendet.
"umsetzbare forderungen gab es kaum" - ebenfalls falsch. mehr geld (2% des bip) für die unis, das ja vorhanden ist wie die rettungsaktionen von diversen privaten banken zeigt, ist überdies keine linkslinke forderung, sondern bereits gesetz: http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIII/E/E_00099/pmh.shtml
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utopische bildungsideale? was ist bei der forderung nach der nichtwiedereinführung von zugangsbeschränkungen und studiengebühren utopisch? - sämtliche mitglieder der jetzigen bundesregierung haben zu einer zeit studiert, in der es weder zugangsbeschränkungen noch studiengebühren gab. was ist an dieser forderung also utopisch?
minister hahn hat den unis keine 34 millionen "geschenkt". vielmehr war es geld, das den unis sowiezu zugestanden wäre.
"hahn flüchte vor den studenten" hab ich noch nie gehört.
welche hardliner übernahmen welches ruder? wie hat sich das in den protesten geäußert? - gar nicht! weil die besetzung nicht "von hardlinern übernommen wurden".
das verschwindend kleine budgetplus betrug 34 millionen euro. wie werden dann die kosten der besetzung im audimax (1,41 millionen euro) bezeichnet?

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