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Harald Friedrich: Über die Kunst des Bankings

20.02.2009 | 21:01 |  Von Nikolaus Koller (Die Presse)

Langfristige Perspektive statt kurzfristiger Renditen: Der erst 36-jährige neue Vorstand bei Sal. Oppenheim investierte schon als Teenager in Aktien.

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In den späten 1980er Jahren lag die Wiener Börse noch in einem Dornröschenschlaf. Es gab noch so gut wie keine ausländischen Handelsteilnehmer. „Insiderparty“ war eine der wenig charmanten Bezeichnungen für den Wiener Finanzplatz. Auch das Handelsvolumen war noch gering: Nur ein Fünftel der aktuell fünf Milliarden Euro – vor dem Absturz der Märkte waren es bereits 14 gewesen – pro Monat wurden umgesetzt. Mit „ein paar Tausend Schilling“ war auch Harald Friedrich unter den Investoren. Der damalige AHS-Schüler war bereits während der Oberstufe mit einigen Schulkameraden an der Börse aktiv.

„Mit unserem ersten eigenen Geld haben wir bescheiden in Aktien investiert“, so der heute 36-jährige Friedrich, der im Jänner in den Vorstand der Privatbank Sal. Oppenheim avancierte, über seine ersten Erfahrungen im Anlagebereich. In Zeiten, in denen die meisten Menschen die „Wall Street“ nur als Filmtitel mit Michael Douglas als finsterem Börsianer „Gordon Gekko“ kannten, machte der Teenager seine ersten Gehversuche am Finanzparkett: „Ich habe da natürlich auch am eigenen Leib erfahren, was es heißt, Geld zu verlieren.“

Von frühen Erfahrungen profitiert

Von dieser Zeit profitiert der Private Banker heute, wenn er die Investments für die betuchte Klientel der Privatbank verantwortet: „Durch diese Erfahrungen kann ich mich ganz anders in den Kunden hineinversetzen.“ Die Welt der Anleihen, Optionen und Indizes hat den gebürtigen Wiener seit seiner Schulzeit nicht mehr losgelassen: Nach der Matura ging er auf die Wirtschaftsuniversität Wien, wo er sich auf Finanzmärkte spezialisierte. Nach Studienende heuerte der Banker bei ABN Amro an. Langfristig aufgebautes Vertrauen und nicht die kurzfristige Rendite führten im Anlagebereich zum Erfolg. „Private Banking ist Beziehungsarbeit.“

So zog es ihn nicht wie viele Finanzmathematiker zu den Excel-Sheets, um optimale Financial-Engineering-Modelle zu berechnen, sondern in die Kundenberatung. „Das Private Banking reizte mich mehr, da ich dabei mit Menschen zu tun habe“, sagt Friedrich. Seine Qualitäten im Kundenkontakt hebt Richard Vornberg, sein damaliger Country Manager der ABN Amro und aktuell Generaldirektor der VTB Bank Austria AG hervor. Er habe den jungen Berufseinsteiger als sehr geschickten Berater kennengelernt, der vor allem durch sein Markt-Know-how glänzte. Friedrichs soziale Fähigkeiten hebt auch Marcel Landesmann, als Generaldirektor der Bank Vontobel Österreich AG ein Mitbewerber von Sal. Oppenheim hervor: „Er strahlt hohe fachliche Kompetenz und gleichzeitig auch Ruhe aus. Das wirkt sehr positiv auf die Menschen, mit denen er zusammenarbeitet.“

Der Sprung ins kalte Wasser

Kurz nachdem Friedrich allerdings bei der internationalen Bank begonnen hatte, verließ das Kernteam das Finanzinstitut. Der Mittzwanziger stellte plötzlich – gemeinsam mit seiner Assistentin – das komplette Private-Banking-Team. „Es gab in dieser Situation zwei Möglichkeiten“, sagt Friedrich: „Entweder man wirft auch das Handtuch oder man springt ins kalte Wasser.“ Er entschied sich für Letzteres, was ihm zwar Spätschichten bis in die Nacht hinein, dafür aber auch einen großen Gestaltungsspielraum einbrachte. „Vor mir lag ein freies Feld, das es zu beackern galt. Ich musste die Kunden halten, neue akquirieren, das Team neu aufbauen.“ Obwohl ihm das eindrucksvoll gelang, ließ ABN Amro ihren Wiener Standort im Jahr 2000 komplett auf.

Aufbauarbeit bei Sal. Oppenheim

Zur gleichen Zeit begann der ehemalige Creditanstalt-Banker Bernhard Ramsauer eine Wiener Niederlassung für Sal. Oppenheim aufzubauen und suchte nach geeigneten Mitstreitern. „Harald Friedrich war bei unserem Team von Anfang an dabei“, erinnert sich Ramsauer heute: „Er war damals zwar erst 28, aber für sein Alter schon sehr weit.“ Der „junge Wilde“ legte in den Jahren bei der Privatbank eine steile Karriere hin: 2006 avancierte er zum Leiter der Private-Banking-Abteilung und zeichnete außerdem für die Ostexpansion des Hauses verantwortlich. Seit Anfang des Jahres ist der 36-Jährige in den Vorstand aufgerückt.
„Junge Wilde“ schätzt Friedrich privat: Gemeinsam mit seiner Frau sammelt er Kunst – „Österreicher aus meiner Generation“. Das oberste Kriterium ist für den Hobbysportler dabei allerdings nicht die zukünftige Rendite des Gemäldes. Und dann spricht aus ihm auch in Kunstbelangen der Private Banker: „Oberstes Entscheidungskriterium ist die persönliche Beziehung.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2009)

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