Während fast jeder zweite Rechtsanwaltsanwärter weiblich ist, hinkt die Zahl der Anwältinnen mit knapp über 16 Prozent (siehe unten stehende Grafik) noch stark hinterher. „Man kann alles erreichen, es ist allerdings nicht leicht“, sagt Katharina Müller. Sie ist Partnerin bei Willheim Müller Rechtsanwälte – einer Kanzlei mit insgesamt zehn Juristen – und zweifache Mutter: „Herausfordernd ist vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“
Ursula Roberts hat ebenfalls zwei Kinder, die sie überwiegend selbst betreut, und arbeitet bei CMS Reich-Rohrwig Hainz im Arbeits- und Sozialrechtsteam 30 Stunden pro Woche. Zu Beginn ihrer Teilzeittätigkeit vor zehn Jahren war sie nur zehn Stunden wöchentlich in der Kanzlei tätig. „In einer solchen Situation muss man natürlich auch finanzielle Abstriche machen, der Vorteil ist jedoch, als Mutter weiterhin in einem qualifizierten Beruf arbeiten zu können.“ In der Ferienzeit seien es meist weniger Arbeitsstunden, in stärkeren Phasen dafür wieder mehr. „Die Teilzeittätigkeit in diesem Beruf ist nur aufgrund großer Flexibilität von beiden Seiten möglich.“
Die Doppelbelastung sei sehr anstrengend, als Partnerin könne man sich allerdings die Zeit selbstständiger einteilen, erklärt Müller. Ähnliches bestätigt auch Rechtsanwältin Sabine Diener. Die „Einzelkämpferin“ ist auf Baurecht, eine typische Männerdomäne, spezialisiert: „Die Zeiteinteilung fällt mir leichter, weil ich als Selbstständige flexibler agieren kann.“ Gegenwind von Männern – „aber auch von weiblichen Kolleginnen“, wie sie betont – habe sie bereits einige Male in ihrer Karriere erlebt. „Mit Kompetenz begegnet man Vorurteilen am besten.“
„Ausdauer und Sitzfleisch“
„Als Anwältin muss man hart kämpfen“, sagt auch Kordula Fleiß-Goll, Partnerin bei der internationalen Wirtschaftsrechtsboutique Hauser Partners Rechtsanwälte. Sie ist Mutter eines 20 Monate alten Kindes. Den Großteil der Betreuung übernimmt ihr Mann. Frauen würden vor allem „Sitzfleisch, Ausdauer sowie soziale Kompetenz“ benötigen, um sich durchzusetzen. „Geschenkt wird einem – wie auch in anderen Branchen – nichts.“
Sylvia Freygner, die als Anwältin, Mediatorin und Unternehmensberaterin vor allem in den Bereichen Franchising und Expansion in den arabischen und russischen Raum tätig ist, empfiehlt weiblichen Einsteigern, verstärkt auf Netzwerke zu setzen: „Männer bedienen sich ganz selbstverständlich ihrer Kontakte – Frauen haben hier noch Nachholbedarf.“
Trotz aller Herausforderungen schätzen alle fünf Juristinnen ihren Job sehr: „Der Beruf ist hart, aber ich mache ihn von Herzen gerne“, so Freygner. nik
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2009)

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