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Berufseinstieg für Juristen: Kein Grund zu klagen

05.06.2009 | 17:05 |  von Nikolaus Koller (DiePresse.com)

Absolventen stehen viele Türen offen: Die Arbeitgeber zeigen sich krisenresistent. Wirtschaftliches Denken und Fremdsprachen sind Must-haves.

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Die Meldung ging diese Woche durch alle Medien des Landes: Die Zahl der Arbeitslosen ist Ende Mai im Jahresvergleich um 30 Prozent angestiegen. Rund 240.000 Österreicher sind aktuell auf Jobsuche. Während andere Gruppen sich um ihren Job zittern, müssen sich die rund 1700 Neoabsolventen, die jährlich ein juristischen Studium hierzulande abschließen, keine Sorgen um ihren Berufseinstieg machen, so der Tenor einer Reihe von HR-Experten aus der Branche. „Die Krise wirkt sich auf einige Bereiche, in denen Juristen tätig sind, schon aus“, erklärt Susanne Hochwarter, Gründerin von lawyers & more. Das Unternehmen ist auf Vermittlung von Positionen im juristischen Bereich spezialisiert.

Konkret nennt die Personalberaterin beispielsweise die Bereiche Immobilien oder Mergers & Acquisitions, wo es aufgrund der Krise zu Rückgängen in der juristischen Beratung gekommen ist. „Das wird allerdings durch Zuwächse in anderen Teilen mehr als ausgeglichen.“ Diese Analyse bestätigen auch Georg Schlotter, Head of Human Resources der international agierenden Wirtschaftssozietät Wolf Theiss sowie Roland Reisch, geschäftsführender Gesellschafter bei TPA Horwath. „Rechtsberatende Berufe sind zu einem großen Teil krisenresistent“, erklärt Reisch. Der Wirtschaftstreuhänder suche noch immer Verstärkung. Allein für das Wiener Büro des mit 24 Standorten im CEE-Raum vertre tenen Unternehmens beziffert er den Bedarf an Neueintritten mit zwischen fünf und zehn Personen für dieses Jahr. „Wir spüren nur wenig von der Krise“, betont auch Schlotter.

So bietet seine Kanzlei beispielsweise offene Positionen im Öffentlichen und Arbeitsrecht. „Wir suchen auch jetzt nach den besten Talenten“, stellt Kurt Wratzfeld klar. Der Partner der Wirtschaftssozie - tät Fellner Wratzfeld & Partner nennt unter anderem die Gebiete Gesellschaftsrecht, Banking and Finance und den öffentlichen Sektor. Etwas weniger Stellen, aber dennoch ei ne große Zahl an Einsteigern, plant Boston Consulting Group (BCG) aufzunehmen.

Im letzten Jahr wurden 230 Mitarbeiter in Deutschland und Österreich eingestellt. Für heuer rechnet der Wiener BCG-Recruiting-Partner Markus Wanko mit 160 Stellen, wovon etwa zehn Prozent Juristen sein werden. Doch nicht nur bei klassisch juristischen Berufen wie Steuerberater oder Anwalt ist von Aufnahmestopp keine Rede. Auch Banken und der öffentliche Dienst, die beide ob der Krise oft in den Negativschlagzeilen, was Jobs angeht, waren, suchen nach Talenten. „Gute Juristen brauche ich immer“, bestätigt Gerhard Dafert, Leiter der Personalabteilung des Landes Niederösterreich.

Der HR-Experte plant, in diesem Jahr bis zu 20 Absolventen einzustellen. Diese kommen „nach einer kurzen Aufwärmpha - se im Amt der Landesregierung“ meist zu den Bezirkshauptmannschaften, wo sie in den unterschiedlichsten Gebieten wie Strafrecht oder im Wirtschafts- und Umweltbereich eingesetzt werden.

Ähnlich auch die Situation bei der Bawag P.S.K. Bislang habe die Bank in diesem Jahr fünf juristische Positionen besetzt, so HR-Business Partner Isolde Seer. Juristen finden ein breites Betätigungsfeld. Das rei - che von der Rechtsabteilung über fast alle Geschäftsbereiche wie Corporate Business bis zu Spezialisierungen beispielsweise für Wertpapiere. Das Anforderungsprofil an die jungen Alumni habe sich ob der Krise kaum verändert, so der einhellige Tenor der Runde. Neben einer fundierten Ausbildung verlangen die meisten Personalverantwortlichen internationale Erfahrungen sowie exzellente Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch. Einzig im öffentlichen Dienst sind Auslandsaufenthalte kein Must-have. Dafür, so betont Dafert, haben Kandidaten, die sich durch gesellschaftliches Engagement hervorgetan haben, bei ihm die besseren Karten.

Praktika und soziale Kompetenz

Alle HR-Verantwortlichen heben die Bedeutung einschlägiger Praktika hervor. „Besonders in allgemein wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es wichtig, dass die Bewerber bereits Erfahrungen aus Unternehmen mitbringen“, er - klärt Schlotter. „Auch Konzipienten müssen nun noch mehr als sonst die Bedürfnisse des Mandanten antizipieren können“, ergänzt Wratzfeld. Ein „Gespür für Zahlen“ erwarten Reisch und Wanko.

Seer betont auch die Bedeutung sozialer Kompetenz. „Die Mitarbeiter müssen sowohl auf die Kundenbedürfnisse wie auch auf die unterschiedlichen Kulturen im Haus eingehen können.“ An Soft Skills nennen die HR-Experten außerdem gutes Auftreten, starke Kommunikationsfähigkeiten, Teamfähigkeit sowie Flexibilität, welche erwartet werden. „Für diese Profile gibt es noch immer zu wenig Kandidaten“, erklärt Hochwarter, die den Studenten empfiehlt, sich die geforderten Fähigkeiten so gut es geht während des Studiums anzueignen. „Dabei stehen den Juristen nach oben hin alle Türen offen.“

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