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Trainingslager für Chefs von morgen

22.06.2009 | 17:20 | Katharina Götzl (DiePresse.com)

Zeitverschwendung oder Karriereturbo? Was ein Trainee wirklich macht, was Betriebe bieten und ob damit ein Blitzaufstieg vorprogrammiert ist.

Exzellenter Studienabschluss, liebend gerne Auslandspraktika, Fremdsprachen, freilich schon erste Berufserfahrung und hohe soziale Kompetenz – so ist der ideale Traineekandidat ausgerüstet. Im Gegenzug bietet ein Traineeprogramm Berufseinsteigern die unschlagbare Kombination aus Praxis, persönlicher Betreuung und einem schnell wachsenden Netzwerk.

„Absolventen starten mit Schwimmflügeln, statt ins kalte Wasser geworfen zu werden“, befindet Marion Weber, Partnerin beim Personalberater Kienbaum.
Für sie ist ein Traineeprogramm eine Mischung aus Verlängerung der Ausbildung und Berufseinstieg,
bringt die durchschnittlich ein- bis zweijährige Rotation durchs Unternehmen doch klare Vorteile gegenüber dem Direkteinstieg mit sich: „Ein Trainee bekommt schnell Einblick in unterschiedlichste Abteilungen, ist sehr sichtbar im Unternehmen und kriegt außerdem Top-Management-Aufmerksamkeit.“

Da geht man als Siemens-Trainee schon mal mit Brigitte Ederer auf einen Kaffee, bestätigt Leon Kleindiek. Der 31-Jährige wanderte in dem Konzern zwischen Dezember 2004 und 2006 durch vier Stationen á sechs Monate. Jeder Trainee hat hier ein Vorstandsmitglied als Paten und kommuniziert so gleich mit ganz oben. Von seinem jetzigen Job – kaufmännischer Leiter in der Softwareentwicklung bei Siemens IT Solutions – wusste er vorher gar nicht „dass es ihn gibt“. Seine nunmehrigen Kollegen lernte er schon als Trainee kennen. Womit die Netzwerk- und Spähvorteile, die Trainees genießen, bestmöglich genutzt wurden.

„Der Networking-Aspekt ist von unschätzbarer Bedeutung“, sagt Weber, „und ein Traineeprogramm ist vor allem für all jene Absolventen ideal, die sich noch nicht für einen Unternehmensbereich entschieden haben“. Stabsstelle? Finance? Marketing? HR? Sales? Trainees können und sollen in die unterschiedlichsten Abteilungen hineinschnuppern. „Klar kostet dies das Unternehmen Geld, Zeit und Energie“, so Weber, „aber Trainees bringen definitiv Mehrwert. Besonders, wenn sie gleich von Beginn an auf eigene Unternehmensprojekte angesetzt werden“.

Von wegen Kaffeekochen

Tests, Evaluierungen, wachsende Verantwortung: Trainees sind weder Lehrlinge noch Praktikanten.
„Keine Spur von Kaffeekochen“, berichtet Stefan Lienhart, der gerade von der RZB übernommen wurde. „Der Einstieg als Trainee war sehr intensiv. Wir wurden regelmäßig geprüft und von Koordinatoren betreut.“ Als Obmann des Vereins TraineeNet sorgt Lienhart weiter für die Vernetzung der heimischen Trainees (siehe Infobox).

„All meine Vertriebsskills habe ich während meines Traineeprogrammes gelernt“, sagt Jochen Borenich, heute Leiter Corporate Customers bei T-Systems
Austria. Der WU-Absolvent startete seine Karriere 1999 als Sales-Trainee beim Vorgängerunternehmen
Debis Systemhaus EDVg. „Gerade im Vertriebsjob hat man wirklich mit allen Unternehmensabteilungen
zu tun. Mit der Produktion, mit Legal, mit HR, mit Controlling, mit der Geschäftsführung. Da hilft ein
Traineeprogramm schon sehr.“

Auch der heute 28-jährige Michael Pavelka wählte ein Traineeprogramm, als er sich nach Publizistik- und Tschechischstudium sowie absolvierter Werbeakademie für den Einstieg in den Verkauf entschied. „In den vier Monaten Einschulung habe ich Seminare besucht, aber genauso Melonen geschnitten und Wurst eingeräumt. Die 16 Monate als Trainee bei Billa waren hart, aber sie haben sich ausgezahlt.“ Heute ist Pavelka der jüngste Verkaufsleiter beim Lebensmittelkonzern und verantwortlich für 150 Billa-Filialen und 2000 Mitarbeiter. „Das Traineeprogramm hat mir den Weg dahin geebnet. Es hat mein Verständnis für den einzelnen Mitarbeiter geschult und mir den nötigen Background verschafft.“

Egal ob in einem Handelsbetrieb, einem Industrie- oder Medienkonzern oder bei einer Bank: Trainees lernen und leisten in der Regel wechselweise „on“ und „off the job“. Praktische Arbeit in einem Team ist gefolgt von Fach- oder Persönlichkeitsseminaren. Die Länge der Module variiert stark. Fast immer spielt auch ein Auslandseinsatz eine Rolle.

Internationale Chancen

„Wir haben 16 Projekte, die wir mit September besetzt haben wollen. Von IT bis Marketing“, verrät Bettina Miller, Senior HR-Consultant bei Red Bull. Die Auserwählten verschlägt es während des  18-monatigen Programmes in Länder wie Schweden, Korea, USA und Japan. Parallel bekommen sie einen Master finanziert. Bei solch kostspieligen Benefits stellen die Unternehmen freilich auch hohe Ansprüche an die Nutznießer. Die Assessment-Centers in Konzernen laufen derzeit auf Hochtouren. Kandidaten punkten mit „Markenaffinität“, "Dynamik“, „Persönlichkeit“.

Noch bis Ende Juni haben Bewerber bei Tele2 die Chance auf ein Traineedasein ab September. Das Kommunikationsunternehmen vergibt einen einzigen internationalen Projektplatz, so Geschäftsleiter Jörg
Wollmann: „Die 18 Monate sind unterteilt in vier gesonderte Projekte. Nach dem Start in Österreich
kann der Trainee unser Auslandsangebot ausnutzen.“

Tatsächlich ortet Marion Weber immer internationalere Traineeprogramme: „Viele Firmen versuchen, Kandidaten aus aller Herren Länder aufzunehmen, damit sie auch interkulturell profitieren können.“ Der generalistische Zugang ist indes passé. Moderne Programme sind maßgeschneidert und individuell auf den Kandidaten abgestimmt. „Ein prima Jump-Start“, sagt Weber. "Nur Absolventen, die genau wissen, was sie wollen, könnten durch ein Traineeprogramm unnötig Zeit verlieren.“


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