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Spezialisierung gewünscht: In die Tiefe oder die Breite?

30.10.2009 | 16:16 |  von Nikolaus Koller (Die Presse)

Wirtschaftstreuhänder: Rechtzeitige Karriereplanung gefragt. Matthias Schulmeister ist zuversichtlich: "Heimische Player haben für den Aufschwung vorgesorgt."

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In den letzten Jahren habe sich im Arbeitsumfeld der Wirtschaftstreuhänder viel verändert, sagt Matthias Schulmeister, geschäftsführender Gesellschafter der auf Finanz- und Rechnungswesen spezialisierten Personalberatung Schulmeister Management Consulting. Früher habe jeder Wirtschaftstreuhänder – als solcher werden die Berufe des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers zusammengefasst – alle Tätigkeiten erledigt. „Früher waren Prüfung und Beratung meist in einer Hand. Das umfasste eine Reihe von Tätigkeiten und ging von der Steuererklärung bis hin zur Beratung“, so Schulmeister. „Das hat sich aber nun verändert.

Aufgrund der immer komplexeren Materie spezialisieren sich die Mitarbeiter immer früher.“ Diese Entwicklung treffe vor allem auf die sehr großen und mittleren Kanzleien zu. Speziell die Wirtschaftsprüfung von großen Gesellschaften sei aufgrund der gestiegenen Auflagen immer aufwendiger geworden. „Kleinere Kanzleien können das nur schwer alleine bewerkstelligen. Oft suchen sie daher Kooperationspartner“, so Schulmeister.

Breitere Ausbildung Anders sehe die Situation in Kleinkanzleien aus. „Während die Berufseinsteiger sich in großen Einheiten sehr bald zu spezialisieren beginnen, ist die Ausbildung in kleinen Gesellschaften breiter.“ Diese Wirtschaftstreuhänder haben meist auch kleinere Unternehmen als Kunden, welche sich eine komplette Beratung aus einer Hand wünschen, erklärt der Experte. Für den Berufsanwärter haben beide Varianten Vorteile: „Entweder kann man somit ein Fachexperte in einem kleinen, klar umrissenen Gebiet werden, oder man legt seine Ausbildung sehr breit an und lernt während der Berufspraxis alle Teilbereiche kennen.“ Zusätzlich zu dieser Aufteilung gebe es noch einige kleine Gesellschaften, welche sich auf ein Spezialgebiet fokussiert haben und nur dieses anbieten. Als Auftraggeber treten dabei größere Unternehmen auf, welche einzelne Gebiete auslagern. Konkret nennt Schulmeister die Bereiche internationales Steuerrecht oder Ausgliederungen als Beispiele für Spezialisierungen. Aufgrund der Aufteilung des Marktes sollten sich Studierende immer früher über potenzielle Arbeitgeber informieren, empfiehlt Schulmeister: „Die Kanzleien bieten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtung verschiedene Karrieremodelle und Tätigkeiten an. Da empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen.“ Unterschiedliche Karrierewege Auch aus Gründen der Lebensplanung sollten sich Studierende früh über potenzielle Arbeitgeber informieren. Denn: „Die Karrierewege in großen und kleinen Einheiten gestalten sich oft unterschiedlich.“ So werden Wirtschaftsprüfer in großen Kanzleien oft von deren Kunden abgeworben, um beispielsweise deren Beteiligungsmanagement zu verstärken. Steuerberater hingegen bleiben meist in ihren Berufen und entwickeln sich innerhalb der Branche weiter. Der Wechsel zwischen den einzelnen Berufsfeldern gestalte sich zunehmend schwieriger. „Daher sollten Studenten möglichst auch eine Karriereberatung in Anspruch nehmen, welches Arbeitsumfeld am besten zu ihnen passt.“ „Talente halten“ Mitarbeiter großer Kanzleien, welche zu Kunden wechseln wollten, hatten bis vor Kurzem noch schlechte Aussichten. „Die Nachfrage nach Spezialisten hat durch die Krise gelitten“, sagt Schulmeister: „Erst vor Kurzem hat das Jobangebot wieder angezogen.“ Generell würden viele Kanzleien ihre Mitarbeiter aber auch in der Krise halten. „Im internationalen Vergleich wurden in heimischen Kanzleien kaum Mitarbeiter in der Krise abgebaut“, sagt der Experte. In Tschechien, wo Schulmeister Management Consulting vor Kurzem eine Repräsentanz in Prag eröffnet hat, seien in der wirtschaftlichen Flaute sehr viele Mitarbeiter freigesetzt worden. „Die heimischen Player haben hingegen für den Aufschwung vorgesorgt und die Talente behalten.“

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