„Frauen werden in der Technik gebraucht“, ist Dorly Holzer-Harringer überzeugt. „Das Rollenklischee, dass nur Männer in der Technik erfolgreich sein können, ist längst verstaubt“, meint die Präsidentin von WiTec Österreich, der „European Association for Women in Science Engineering and Technology“. Die Organisation widmet sich der Bewusstseinsbildung in Unternehmen, der Vermittlung von Praktikums- und Projektstellen, aber auch der Standortsicherung durch das Arbeitskräfteangebot von hoch qualifizierten Technikerinnen.
„Junge Frauen sollten sich mehr zutrauen und sich nicht abschrecken lassen“, sagt Holzer-Harringer. Schließlich würden sich Frauen Erfolg versprechende Zukunftschancen eröffnen. Auch sie selbst, erzählt Holzer-Harringer, musste sich am Anfang ihrer Karriere den Respekt der Männer erst verdienen. Schwergefallen sei es ihr trotzdem nicht, sagt sie: „Schließlich liebe ich Herausforderungen.“
Doch das gilt nicht für alle Frauen, die sich für ein technisches Studium interessieren. Rollenvorbilder können dazu beitragen, ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Ohne die entsprechende Ermutigung von außen scheitert allzu oft das Vorhaben, seine beruflichen Zukunftsvorstellungen auch konsequent umzusetzen.
In der Stabsabteilung Gleichstellungspolitik der Johannes Kepler Universität in Linz hört man Begriffe wie „Hilfe“ oder „Förderung“ allerdings nicht so gerne: „Damit vermittelt man einen Defizitansatz und gibt den Frauen das Gefühl, nicht gut genug zu sein“, meint die Leiterin der Stabsabteilung, Irmgard Wörtl.
Von Studien und Maßnahmen
Zur Zeit arbeitet Wörtl daran, die Erkenntnisse aus dem „TEquality“-Projekt in konkrete Maßnahmen an der Uni umzusetzen. In dieser Studie wurden die Studienbedingungen an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in den Studienrichtungen Informatik und Mechatronik analysiert und Ansatzpunkte entwickelt, wie man Studentinnen gezielt unterstützen kann. Die Ergebnisse zeigen: Frauen tragen die Beweislast ihrer Kompetenz, sie werden sehr kritisch beobachtet. Umso mehr noch, als sie erst recht ins Blickfeld rücken, weil sie in der Minderzahl sind. „Nach wie vor wirken gesellschaftliche Rollenzuschreibungen, die als solche nicht wahrgenommen werden. Das führt dazu, dass junge Frauen unsicher werden, ob sie das richtige Studium gewählt haben. Es sei denn, sie kommen von einer HTL“, erzählt Wörtl.
Für jene, die technisch interessiert sind, aber nicht von einer technisch orientierten Mittelstufe kommen, gibt es an der Johannes Kepler Universität sogenannte „Vorkurse“. Sie dienen vorrangig dazu, den Mittelschulstoff in bestimmten Fächern aufzufrischen. Doch im offenen Klima der Lehrveranstaltung können angehende Studentinnen auch viele Fragen klären, die sie beschäftigen.
Der CEO von IVM Technical Consultants, Walter L. Hanus, hofft schon länger auf mehr Technikerinnen auf dem Arbeitsmarkt: „Wir kommen ohne Frauen nicht mehr aus“, sagt er. Die Vorteile, die Frauen in technische Berufe mitbringen, liegen für ihn klar auf der Hand. Teams mit Männern und Frauen wären viel höflicher im Umgang miteinander. Homogene Männergruppen würden sich ganz anders benehmen. „Frauen wirken ausgleichend und motivierend. Ihre Emotionalität tut den Teams gut“, so Hanus. Noch verläuft Hanus' Suche nach weiblichen Mitarbeitern weitgehend erfolglos. Seiner Meinung nach seien erzieherische Vorurteile daran schuld, die viele Bildungseinrichtungen immer noch vermitteln.
Ungleich verteilt
Die FH Campus Wien nimmt die Unterstützung von Frauen in der Technik ebenso sehr ernst: „Das technische Umfeld ist sehr homogen und hat nicht gelernt, sich auf Zielgruppen einzustellen“, erklärt Ulrike Alker, Leiterin der Abteilung Gender and Diversity Management. Die Folge: „Entweder die Frauen machen sich gänzlich unsichtbar. Oder sie treten erst recht selbstsicher auf, weil sie zu ihrer Entscheidung für eine technische Studienrichtung bewusst stehen.“ In Studienrichtungen wie Biotechnologie und Bioengineering seien die Frauen anteilsmäßig gut vertreten, sagt Alker, „bei Studien wie Angewandte Elektronik oder Informationstechnologie und Telekommunikation fallen Frauen beinahe komplett aus“. Das zeigen auch die Zahlen deutlich: Angewandte Elektronik studieren derzeit drei Frauen von insgesamt 78 Studierenden, für IT haben sich sieben von 72 entschieden.
Nicht alleine lassen
Um die Studentinnen bei der Stange zu halten, gibt es an der FH ein Buddysystem, das Frauen schon in der Bewerbungsphase unterstützt. „Viele wechseln die Studienrichtung, weil sie sich alleingelassen fühlen. Das konnten wir bislang gut abfangen“, berichtet Alker. Niemand könne sich mehr leisten, auf 52Prozent der gesamten verfügbaren Brainpower zu verzichten. Unter dem Projekttitel „Die Technik ist weiblich“ bietet die FH auch spezielle Seminare für Technikstudentinnen an. Dazu gehören unter anderem Bewerbungscoachings und Trainings für Gehaltsverhandlungen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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