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Eventmanager: Dramaturg und Regisseur in einer Person

06.11.2009 | 16:09 |  von Christian Lenoble (Die Presse)

Erlebnisse merkt man sich länger als Werbetexte. Kein Wunder, dass die professionelle Inszenierung und Vermarktung von Veranstaltungen an Bedeutung gewinnt.

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Veranstaltungen gibt es jeden Tag unzählige. Ereignisse nur wenige. Datum, Uhrzeit, Ort, eine illustre Gästeliste und ein Programm – das allein genügt schon lange nicht mehr, um Aufmerksamkeit zu erregen. Damit die Gäste nicht nur Termine absitzen, sondern Events erleben, haben hinter den Bühnen und Vorhängen Profis die Fäden in der Hand. Die Eventmanager müssen wissen, was Sponsoren wollen, wie Pressearbeit funktioniert und letztendlich wie man Events organisiert, inszeniert und vermarktet. Wer dazu noch Grundkenntnisse in Rechts- und Steuerangelegenheiten hat, hat gute Chancen, sich in einem noch relativ jungen Berufsfeld zu etablieren.

Die Dichte an Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten zum Eventmanager ist fast so hoch wie der Veranstaltungskalender des Jahres voll. Von Drei-Tages-Seminaren bis zu MBA-Studiengängen bieten verschiedenste Institutionen fachliche Inhalte für unterschiedlichste Ansprüche. „Wer handlungspraktisch einen kleineren Event organisiert, der mag einen der zahlreichen Weiterbildungskurse besuchen, die vielfach mit einem Zertifikat abschließen. Professionelle Eventansprüche werden damit freilich nicht erfüllt“, meint Raphael Breidenbach, fachwissenschaftlicher Leiter des MBA „Sport- und Eventmanagement“ an der Donau-Universität Krems.

 

Event-Generalisten sind gefragt

Wer selbstständig Events vom Konzept bis zur Durchführung betreuen möchte, sollte nach Meinung Breidenbachs eine intensivere Ausbildung anstreben als simple Crashkurse. „Es empfiehlt sich der Besuch einer staatlich anerkannten Hochschule, die einen international beachteten, akademischen Abschluss verleiht“, rät Breidenbach. Bei Akademien und ähnlichen Institutionen, die selbst keine akademischen Titel vergeben dürfen, dies aber über sogenannte „Partnerhochschulen“ realisieren, sei kritische Begutachtung angebracht. „Hier sollte das Curriculum genau geprüft und die Dozentenliste angefordert werden. Und es ist unbedingt zu klären, ob garantiert werden kann, dass die angegebenen Dozenten auch tatsächlich lehren und wirklich im Handlungsfeld ausgewiesen sind“, so Breidenbach.

Wer sich „überspezialisiert“, könnte sich mögliche berufliche Optionen schon während der Ausbildung verbauen. „Ein ausschließlich auf den Eventbereich fokussiertes Studium engt die beruflichen Möglichkeiten erheblich ein und erhöht die Abhängigkeit von konjunkturellen Dellen, die den Eventbereich stets treffen“, erklärt Breidenbach. Mehr Spielraum auf dem Karriereweg biete eine gesunde Mischung aus General Management und Betriebswirtschaftslehre, die man mit verschiedenen Spezialisierungs- und Vertiefungsrichtungen ergänzen könnte.

 

Die Praxis in der Praxis lernen

Dass die Güte der Ausbildung stark von der Qualität der Lehrenden abhängt, betont auch Helmut Kammerzelt, Leiter des dreisemestrigen Hochschullehrgangs für Eventmanagement an der Fachhochschule St. Pölten: „Da sollte man bei der Auswahl sehr genau hinschauen. Es gibt Lehrende, die nur Checklisten weitergeben oder Zielgruppenanalysen und Kommunikationskonzepte als selbstverständlich ansehen.“ Zudem sei es gerade im Eventmanagementbereich von größter Bedeutung, die fundierte Theorie mit der Praxis zu verbinden.

Auch die Personalberaterin Elisabeth Weghuber, Geschäftsführerin von Secretary and Professional Search, unterstreicht die Bedeutung der Praxisnähe: „Was passiert, wenn es zu einer Panne kommt während des Events, sei es in der Technik oder im Ablauf?“ Die Ausbildung sollte den Eventmanager auf alle Eventualitäten vorbereiten. Ebenso seien Generalisten gefragt, die Konzepte ausklügeln und auf Pannen richtig reagieren können.

Wie während der Ausbildung die Theorie zur erlebten Praxis werden kann, erläutert Hans-Willy Brockes, Geschäftsführer der Academy der Europäischen Sponsoring-Börse (ESB-Academy): „Es ist gut, wenn die Referenten ehemalige Praktiker sind. Noch besser, wenn die Vortragenden nach wie vor im Beruf stehen.“ Die optimale Lehreinheit, glaubt Brockes, findet vor Ort während eines Events statt. Beim berufsbegleitenden Lehrgang der ESB-Academy, der 15 Monate dauert, müssen die Teilnehmer für einen realen Kunden ein Konzept erarbeiten und anschließend präsentieren. „Die Planung und Durchführung eines eigenen Events im Rahmen einer Teamarbeit ist von großer Bedeutung“, weiß auch Sabine Wurzinger vom Wifi-Netzwerk, das in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg einen Lehrgang zum Eventmanager anbietet. Zu den Inhalten zählt das Fachwissen in den wichtigsten Bereichen der Eventtechnik genauso wie Grundkenntnisse der Dramaturgie und Inszenierung. Auch in Wien bietet das Wifi verschiedenste Seminare und Kurse an, in denen auch der Umgang mit externen Dienstleistern geübt wird. Schließlich ist man als Organisator in hohem Maße auch von der Qualität der Zulieferer abhängig.

 

Ein Berufsfeld mit Zukunft

Die Experten sind sich einig, dass die professionellen Ausbildungen in Österreich den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Auch die Berufsaussichten schätzen sie positiv ein. „Angemessen qualifizierte Fach- und Führungskräfte haben gute Zukunftschancen in der wachsenden Eventbranche“, ist Breidenbach überzeugt – „insbesondere dann, wenn Eventmanager auch in anderen Bereichen einsetzbar sind“.

Wer zusätzlich Kooperations- und Konfliktlösungskompetenzen in das Berufsfeld mitbringt, hat besonders gute Aussichten. Für andere jedoch stehen die Vorzeichen auf dem Markt schlecht: „Theatralische Selbstinszenierer, Mitläufer und Gelegenheitsanbieter werden schnell erkannt“, meint Breidenbach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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