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Hübsche Fassade: Karriere-Lifting

12.06.2009 | 17:45 |  VON MONIKA KRIWAN (Die Presse)

Wie viel Schönheit braucht die Karriere? Inwiefern ist Attraktivität ein Türöffner am Arbeitsmarkt? Welche Rolle spielt sie im Joballtag? Experten über äußerliche Einsichten.

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Schöne Menschen finden schneller einen Job. Das glauben – so eine Studie der New Yorker Universität Syracuse – 93 Prozent von insgesamt 1300 Personalchefs der größten Unternehmen in den USA und Großbritannien. Die Schönheitsindustrie boomt nicht nur, sie lässt jenseits des Atlantiks auch mit fragwürdigen CSR-Aktionen aufhorchen. Neuester Mediencoup einer Schönheitsklinik in der Nähe von Washington: die Gratisvergabe von Botox-Injektionen an Arbeitslose, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Aussehen wichtiger als Kontakte

Glaubt man einer Langzeitstudie der Hamburger Wissenschaftlerin Sonja Bischoff von der Universität für Wirtschaft und Politik nimmt der Einfluss von Äußerlichkeit auf die Karriere auch in unseren Breitengraden zu. Waren es 1986 nur fünf Prozent der Führungskräfte, die eine hübsche Fassade als karriereförderlich einstuften, so maßen fast zwei Jahrzehnte später 28 Prozent dem (Karriere-)Faktor Schönheit große Bedeutung zu. Persönliche Kontakte oder Netzwerke sahen da vergleichsweise blass aus. Männliche Chefs lassen sich laut Studie übrigens leichter von Schönheit blenden als weibliche Führungskräfte. Auch die Praxen der Schönheitsmediziner sind längst nicht nur Frauen vorenthalten. Eva Wegrostek, heimische Koryphäe in ästhetischer Medizin, kennt die Motive von Managern, die hier etwas (Nach-)hilfe bedürfen: „Oft sind es Topführungskräfte, die kurz vor einer Auszeichnung stehen und sich für den großen Auftritt verjüngen lassen wollen.“ Für den wachsenden Anteil von karriereaffinen Patienten bietet die Ärztin übrigens Abendordinationszeiten bis 21 Uhr an. Erich Freinberger, General Manager La Prairie Group, ist überzeugt, dass schöne Menschen in der Kosmetikbranche einen Startvorteil haben – wobei er lieber von Attraktivität oder einem gepflegten Äußeren spricht: „Wir verkaufen Schönheit, eine ungepflegte Erscheinung wäre hier unglaubwürdig.“ Ungeputzte Schuhe und Co. sind für den Geschäftsführer von Topluxusbrands gar ein Zeichen von mangelnder Managementkompetenz: „Es zeigt ja, dass sich diese Person nicht einmal selbst managen kann.“

Karriereturbo schöne Intelligenz

Dass man den Karrieremotor Schönheit nicht abgekoppelt von Intelligenz sehen sollte, räumt auch Helga Rantasa, geschäftsführende Gesellschafterin des Executive- Search-Unternehmens Dr. Rantasa Consulting, ein: „Nur schön zu sein reicht nicht, aber eine Kombination beider Faktoren führt unweigerlich zu großen Karrieren.“ Der Einfluss von Äußerlichkeiten auf den Erfolg ist für sie jedenfalls unbestritten: „Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass schöne Menschen erfolgreicher sind und auch mehr verdienen. Jemand, der sich selbst als attraktiv empfindet, hat eine weitaus positivere Ausstrahlung. Daher bin ich auch überzeugt, dass für Menschen, die unter einem Makel wie unter einer schiefen Nase leiden, ein kosmetischer Eingriff karriereförderlich sein kann.“

Ausstrahlung dank innerer Werte

Anders Norbert Wendelin, Personaldirektor der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und der Raiffeisen- Holding und für mehr als 1000 Mitarbeiter zuständig: „Ich finde es unverantwortlich, wenn man jungen Leuten einredet, dass sie schön sein müssen, um Karriere zu machen. Rein äußerliche Schönheit hat nichts mit Karriere zu tun.“ Eine gepflegte Erscheinung sei zwar Voraussetzung – aber „es hat nichts mit Symmetrie, Nasen oder Ohren zu tun.“ Wichtig sei vielmehr positive Ausstrahlung gepaart mit Persönlichkeit und inneren Werten: „Niemand wird mit hängenden Mundwinkeln geboren und ich bezweifle, dass man sie wegoperieren kann.“

Trend zu Diversity

Gängige Schönheitsideale sind auch im Recruiting von Hewlett- Packard kein Thema. Evelin Mayr, Personaldirektorin und Mitglied der Geschäftsleitung von Hewlett- Packard: „Als Anbieter von Technologielösungen brauchen wir die besten Köpfe mit den besten Ideen, wir wählen die Mitarbeiter nach ihren Kompetenzen aus, nicht nach ihrem Aussehen.“ Als amerikanischer Konzern sei man überdies bemüht, dem Diversity-Gedanken zu entsprechen: „Wir suchen keine Abziehbilder, sondern Menschen mit Ecken und Kanten. Es geht um authentische Persönlichkeiten, die zum Unternehmen passen.“ Schönheit spiele dabei keine Rolle, zumal „der Lack schnell ab ist und am Ende des Tages nur die Leistung zählt.“ Davon ist auch Freinberger überzeugt: „Attraktivität erleichtert den Einstieg, im Joballtag geht es nur darum, die Arbeit möglichst gut zu erledigen.“

Neidfaktor in Teamarbeit

Kann ein zu makelloses Äußeres auch negative Effekte haben, Stichwort Neidfaktor in der Teamarbeit? „Eifersucht kann sogar ein Thema imKundenkontakt sein, das haben wir bei sehr hübschen Außendienstmitarbeiterinnen erlebt.“ Wegrostek ergänzt, dass gerade junge Frauen aufgrund ihres Aussehens mitunter mit Vorurteilen zu kämpfen haben und erinnert sich an die eigene Spitalskarriere: „Als fesche Frau muss man oft dreimal so viel leisten, um ernst genommen zu werden.“

Werteboom in Krisenzeiten

Verlieren Äußerlichkeiten in Krisenzeiten, in denen Werte wieder neu entdeckt werden, an Bedeutung? „Die Unternehmenskultur tritt jetzt sicher in den Vordergrund. Unsere Werte wie Solidarität und Nachhaltigkeit spielen auch in der Führungsarbeit verstärkt eine Rolle. Eine Gesellschaft, die sich ausschließlich mit Oberflächlichem befasst, wird mit Oberfläche bestraft“, ist Wendelin überzeugt. Freinberger relativiert: „Der Wettbewerb wird in allen Bereichen härter. Jetzt müssen einfach alle Faktoren passen, das gilt auch für das Aussehen.“ Für Rantasa geht es um die Gesamtpersönlichkeit, aber „Schönheit ist und bleibt auch in schwierigen Zeiten ein Thema“. Es müsse ja nicht immer die Schönheitsmedizin sein, auch ein Coaching könne hilfreich sein. Dass man bei Letzterem Stylingtipps mitgeliefert bekommt, darf vermutet werden.

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1 Kommentare
Gast: dfg
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