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Der Rezession ein Schnäppchen schlagen

14.03.2009 | 17:00 |  VON MONIKA KRIWAN (Die Presse)

Antizyklisch. Mit zuversichtlichen Führungskräften und dem Fokus auf exzellente Mitarbeiter kommt man am besten durch die Krise. Nach dem Motto: Jetzt investieren, später profitieren.

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Capgemini tut es, „Die Presse“ tut es, Wolfgang Rosam und Sophie Karmasin tun es – nämlich „unternehmerisch antizyklisch agieren“. Mit diesem Titel setzte der letzte KarriereTalk vergangene Woche im Haus der Musik einen ermutigenden Kontrapunkt zum grassierenden Angstphänomen. Denn auch hierzulande hat sich die Krise längst in den Köpfen der Konsumenten breitgemacht – wie eine Studie der Karmasin Motivforschung zeigt: 80 Prozent sind von den derzeitigen Entwicklungen beeindruckt, 64 Prozent sind finanziell selbst betroffen und 54 Prozent artikulieren Angst und Zukunftssorgen – etwa wenn es um den Erhalt des Arbeitsplatzes geht. Interessantes Detail am Rande: Googelt man nach antizyklisch agierenden Unternehmen, ist neuerdings eine Branche prominent vertreten: die Psychotherapie. Vor allem in Finanzhochburgen wie New York befindet sich die „Psychiatry as counter-cyclical industry“ in einer Hochblüte.

„Die Krise findet im Kopf statt“, konstatiert auch Wolfgang Rosam, Geschäftsführer von Change Communications und aktuell als Mitbegründer Österreichs jüngster und größter Kommunikationsagentur (Lead – Leading Advisors Group) selbst glaubwürdiger „Antizyklist“. Sophie Karmasin, als Marktforscherin ebenfalls Teil dieses Netzwerkes, kennt die betroffenen Branchen: „Starke Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten zeigen sich vor allem bei Reisen, Gastronomie, Unterhaltung und Freizeit. Erfolgreicher ist man mit Produkten, die für Nachhaltigkeit beziehungsweise den kleinen Genuss stehen.“ Werteorientierung erlebe eine Renaissance, gefragt seien Verantwortung, Solidarität, langfristige Zukunftsgestaltung oder etwa der private Rückzug. „Erfolgreich werden die Unternehmen sein, die diese Trends auch aufgreifen.“ Und zwar über die richtigen Kommunikationskanäle, wie Karmasin meint: „Klassische Werbung wird jetzt eher kritisch gesehen, PR sorgt für mehr Glaubwürdigkeit.“

„Leute, gebt Geld aus!“

Sehr wohl für Investments in klassische Werbung plädiert Rosam: „Derzeit werden selbst von gut aufgestellten Unternehmen 20 bis 30 Prozent der Werbeausgaben gekürzt. So fehlt der Animo, Geld auszugeben. Nur antizyklische Werbung kann verhindern, dass sich auch das Konsumentenverhalten krisenkonform verhält.“ Zumal aufgrund zahlreicher Schnäppchen eben jetzt zugegriffen werden sollte. Schließlich seien gerade langlebige Konsumgüter wie Autos oder Stereoanlagen so günstig wie schon lange nicht mehr. Für Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, sind auch antizyklische Maßnahmen vonseiten der Wirtschaftspolitik gefordert. Neben flexibleren Sonderkollektivverträgen nach skandinavischem Vorbild und langfristigen Investitionen etwa in die Infrastruktur sei vor allem eine Aufstockung der Forschungsförderung ein Gebot der Stunde: „Wann, wenn nicht jetzt? Wir müssen in den Wirtschaftsstandort investieren, um aus der Krise stärker und nicht eine Nummer kleiner herauszugehen.“

Kauflustig zeigte sich im Jänner Capgemini mit dem Erwerb einer tschechischen Firma mit 160 Mitarbeitern. Dazu Peter Laggner, CEO Österreich und Eastern Europe Capgemini Consulting: „Mitten in der Krisenstimmung lassen sich freilich auch Preise von Unternehmen neu verhandeln.“ Wien als Headquartersitz sieht er noch nicht gefährdet. „Aber die Aufgabe von Führungskräften ist jetzt, zuversichtlich zu agieren und alte Strukturen aufzubrechen, um nach der Krise noch schlanker und effizienter aufgestellt zu sein.“

Spitzenkräfte wichtiger denn je

Welche Auswirkung hat die Krise auf den Stellenmarkt? „Seit Dezember wird deutlich bei den Personalkosten gestrichen, das Problem ist nur, dass viele Unternehmen hier nach dem Rasenmäherprinzip vorgehen, alles um drei Zentimeter kürzer“, sagt Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter Jenewein & Partner. Vor allem in kundennahen Bereichen sollte man hingegen nicht reduzieren, sondern eben antizyklisch vorgehen: „Stecken Sie die besten Mitarbeiter jetzt in die Marktbearbeitung.“ Laggner bestätigt: „Gesucht sind Leute, die den Klienten konkret unterstützen können, dank Branchenerfahrung rasch in Projekten drinnen sind und auch schnell eine Wertschöpfung generieren.“ Trotz großer Einsparungen an der Mitarbeiterfront hat Karmasin auch Erfreuliches zu berichten: „Weiterhin investiert wird in die Weiterbildung, vor allem im Verkauf, aber auch im Controlling, und in der EDV gibt es Qualitätsoffensiven.“

Wie ist da die Stimmung in der Industrie? Beyrer: „Gerade weil in der Vergangenheit massiv Geld in die Ausbildung und in den Kampf um die besten Köpfe geflossen ist, ist man nun bemüht, die Personen möglichst lange in Beschäftigung zu halten.“ Maßnahmen wie Kurzarbeit seien freilich hilfreich, um die oft mühsam erworbenen Fachkräfte für die Zeit nach der Krise halten zu können. Für Rosam sind wir in einer Zeit der Symbole angekommen: „Ständig mit dem Chauffeur zu fahren kommt jetzt weniger gut.“ Dem Opernball fernzubleiben mache hingegen wenig Sinn: „Er bringt vom Taxifahrer bis zum Friseur allen was. Gerade jetzt sollte man signalisieren: Leute, gebt Geld aus!“

Vorbildwirkung der Manager fordert auch Tengel ein: „Leadership gilt es zu leben, etwa indem man eine Stunde früher zu arbeiten beginnt und eine Stunde später heimgeht.“ Quasi als Vorbild für diesen KarriereTalk – mit Unterstützung der Partner Bank Austria, Capgemini, Constantia Packaging, Industriellenvereinigung, Mobilkom Austria, ÖBB sowie Wirtschaftskammer Österreich – fungierte ja auch „Die Presse“ mit antizyklisch lancierter Sonntagszeitung und verjüngtem Outfit. Eine Veranstaltung, die vom Publikum übrigens als wahre Wellnesskur empfunden wurde. Ein Gast brachte es auf den Punkt: „Bei all dem Krisengejammere war das Balsam für meine Seele.“

("Die Presse"-Printausgabe vom 14. März 2009)

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