Führungsaufgaben stellen vor allem für junge Mitarbeiter, die zu Managern für ihr Team befördert werden, eine große Herausforderung dar “, sagt Johanna Rachinger. Die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek war letzten Dienstag bei einer Veranstaltung des MC Network, das vom Management Club (MC) organisiert wird, zu Gast. „Der ehemalige Kollege, der zum Vorgesetzten befördert wird, steht nun verstärkt unter Beobachtung durch seine Teammitglieder.“ Die Beförderung bringe eine Vielzahl von neuen Herausforderungen mit sich. „Führen bedeutet vor allem, Entscheidungen zu treffen.“
„Sich unbeliebt machen“
Konflikten dürften Manager ebenfalls nicht aus dem Weg gehen, so die ehemalige Geschäftsführerin des Verlags Ueberreuter.
Einige Führungskräfte ziehen sich bei schwierigen Entscheidungen wie Kündigungen aber lieber zurück und versuchen, ihre Verantwortung zu delegieren, um den Schwarzen Peter anderen zuzuschieben. Menschlich gesehen sei diese Einstellung nachzuvollziehen, räumt Rachinger ein: „Das Leben an der Spitze ist oft sehr einsam.“ Erfolgreiche Manager nehmen diesen Zustand aber in Kauf.
„Eine Führungskraft zu sein verlangt den Mut, sich unbeliebt zu machen.“ Das dürfe allerdings nicht dazu führen, dass Chefs lautstark oder gar cholerisch ihre Meinung gegenüber Mitarbeitern artikulieren. Mit der Belegschaft müsse man respektvoll umgehen. „Menschen, die sich nicht im Griff haben, sind für Führungspositionen absolut ungeeignet“, stellt Rachinger klar. Auf die Frage einer Teilnehmerin, welchen Preis ihre Karriere gehabt habe, antwortet Rachinger, dass sie im Leben klare Prioritäten gesetzt habe. „Kinder zu bekommen, das wäre bei meiner beruflichen Laufbahn nicht möglich gewesen.“
Die Vorstandsetagen habe sie nur erklimmen können, weil ihr Mann immer hinter ihr gestanden habe und sie bei ihrem beruflichen Weg unterstützt habe. „Die Anzahl der Dienstjahre sind auch in unserem Bereich kein Kriterium für die Karriere mehr. Es zählt nur noch Leistung“, hebt die Managerin hervor.
Quoten zur Frauenförderung
Zur Förderung von Frauen in Spitzenpositionen spricht sich Rachinger klar für die Einführung von Quoten, allerdings „nur bei gleicher Qualifikation der Bewerber“, aus. „Diese sind unbedingt notwendig, da ohne solche Maßnahmen weibliche Führungskräfte weiterhin eine Minderheit bleiben.“ Bei den Universitätsabsolventen würden Frauen mittlerweile bereits die Mehrheit stellen. „In Zukunft werden männliche Manager nur dann erfolgreich sein können, wenn sie das Potenzial dieser gut ausgebildeten Bewerberinnen in vollem Maß nutzen.“
MC Network ist eine Veranstaltungsreihe, die sich exklusiv an Young Professionals richtet. Diese können in lockerer Frühstücksatmosphäre Führungskräfte kennenlernen.
Johanna Rachinger
Die Oberösterreicherin ist seit Juni 2001 Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek. Davor leitete sie als Geschäftsführerin den Verlag Ueberreuter. Ihre Karriere startete die promovierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin beim Wiener Frauenverlag.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2009)













