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Bachelors: Studien- statt Arbeitsplatz

11.04.2009 | 14:33 |  von Nikolaus Koller (Die Presse)

Die Absolventen zieht es nicht in die Wirtschaft: Vier von fünf studieren gleich nach dem Abschluss weiter. Dabei sind die neuen Studien auf den direkten Berufseinstieg ausgelegt.

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Bologna ist in Österreich angekommen: Im Wintersemester 2007/ 08 inskribierten bereits mehr als die Hälfte der Erstsemestrigen ein Bachelor-Studium. Die dreigliedrige Hochschularchitektur hat sich großteils durchgesetzt. Nur noch 37 Prozent entschieden sich für ein Diplomstudium nach alter Ordnung. „Der Umsetzungsgrad des neuen Systems bei der Gestaltung der Angebote beträgt bereits rund 80 Prozent“, sagt Wissenschaftsminister Johannes Hahn beim Trendforum der Jungen Wirtschaft. Lückengebe es noch bei Lehramtsstudien. Diese sollen in den nächsten Jahren geschlossen werden, so der Minister.

Über 11.000 Bachelors gab es bis zum Studienjahr 2006/07 bereits in Österreich. Obwohl damals hierzulande noch Hochkonjunktur herrschte und der „War for Talent“ in vollem Gange war, zog es nur einen Bruchteil der Neoabsolventen in die Berufswelt. Vier von fünf entschieden sich dafür, direkt im Anschluss ein Masterstudium zu beginnen. Dabei sollte der „Erstabschluss“ gerade einen frühen Einstieg fördern, so Hahn: „Ziel der Reform war es, die erste Ausbildungsphase breiter zu gestalten, damit die Absolventen leichter ins Berufsleben einsteigen können.“ Eine Spezialisierung sollte erst im Masterstudium stattfinden. Diese Konzeption entspricht auch den Anforderungen der Wirtschaft.

„Die neuen Absolventen bringen ein breites Wissen mit“, sagt Elisabeth Stadler. Das Mitglied des Vorstandes der Raiffeisen Versicherung AG hat bereits einige Bachelors eingestellt. „Die Spezialisierung erfolgt im Berufsleben meist erst später – daher ist diese breite Erstausbildung für Unternehmen ideal.“

Breite Ausbildung gefordert

Ähnlich argumentiert auch Harry Gatterer, Trendforscher und Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft: „Die Wirtschaft benötigt Absolventen, die eine breite Ausbildung haben.“ Daher sei die Employability – die Beschäftigungsfähigkeit – der Absolventen sehr hoch. „Junge Menschen sollten möglichst bald Erfahrungen im Job sammeln“, so Gatterer. Viele wüssten noch gar nicht, in welche Richtung sie gehen wollten. Das ließe sich am besten „on the job“ herausfinden, so der Trendforscher.

Daher sollte das Masterstudium nach einigen Jahren Berufserfahrung absolviert werden, so die Diskutanten unisono. Die ersten Rückmeldungen aus der Wirtschaft auf die Bachelors waren sehr positiv, bestätigt der Minister. „Auch wir haben mit unseren Berufseinsteigern sehr gute Erfahrungen gemacht“, wirft Stadler ein. Vor allem Absolventen wirtschaftlicher und technischer Bachelorstudien seien sehr begehrt, sagt Hahn, der allerdings auch Probleme bei den Geisteswissenschaften sieht. „Für diese Alumni war es auch nach einem Diplomstudium manchmal schwierig, einen Job zu finden“, so der Minister, der selbst Philosophie studiert hat: „Sie haben es nun auch als Bachelors am Arbeitsmarkt nicht immer leicht.“ Darüber hinaus würden die Unternehmen – vor allem Klein- und Mittelbetriebe – noch nicht genau über die Einsatzmöglichkeiten der Bachelor Bescheid wissen. „Wir müssen die Vorteile der neuen Abschlüsse noch stärker kommunizieren“, räumt Hahn ein. Sein erstes  Ziel ist die Gleichstellung der Bachelorabsolventen als A-Beamte im Bundesdienst. „Die Gleichwertigkeit ist noch nicht anerkannt – das werden wir ändern.“  

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2009)

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1 Kommentare
Gast: Novak
01.05.2009 18:29
0 0

A-Beamte im Bundesdienst

Das kann Hahn schwer durchsetzen, es sei denn wenn A- und A+ Unterschiede gäbe


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