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Blauer Brief – was dann?

01.05.2009 | 17:57 |  Johanna Zugmann (Die Presse)

Arbeitslosigkeit. Nach der Kündigung gilt es, rasch zu agieren. Mit der Dauer der Jobsuche schwindet das Selbstbewusstsein.

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Interview. Er selbst war nach seinem Studium fünf Monate lang auf Jobsuche – und ganz schön frustriert. „Das Wichtigste ist, die Dauer der Arbeitslosigkeit für jeden einzelnen Betroffenen so kurz wie möglich zu halten“, betont AMS-Chef Johannes Kopf in einem Gespräch mit den „Presse-Karrieren“, in dem er sagt, wie viele Arbeitslose unser Land verkraftet und
was er selbst nach dem Erhalt des blauen Briefs tun würde.


Anstieg der Arbeitslosenzahlen ändern sich wöchentlich.

Mit wie viel Zuwachs rechnen Sie aktuell für das Jahr 2009?

Kopf: Heuer wird der Zuwachs 30 Prozent betragen. Wir rechnen dann inklusive der 60.000 auf Schulungen befindlichen Personen mit 272.000 Jobsuchenden.

Wann erwarten Sie wieder eine Entspannung
am Arbeitsmarkt?

Die Arbeitslosigkeit wird auch 2011 noch steigen. Zu einer Entspannung wird es laut Prognosen erst im Januar 2012 kommen. Auf die Frage, wie lange
die Krise dauert, hat aber derzeit niemand eine Antwort.

Wie viele Arbeitslose verkraftet das Land?

Es wird von der Regierung schon kräftig gegengesteuert. Unser Budget betrug 2008 880 Millionen Euro, heuer werden es 1,005 Milliarden sein. Aus dem Topf der Arbeitslosenversicherung wird
auch die Kurzarbeit bezahlt. Für die hatten wir ursprünglich 87 Millionen Euro budgetiert, wir haben aber jetzt schon 150 Millionen ausgegeben.
Entscheidend ist nicht die absolute Zahl, sondern dass der Zustand der Arbeitslosigkeit für die betroffenen Personen kürzestmöglich dauert. Im Durchschnitt wird dem AMS alle 90 Sekunden ein neuer Job gemeldet. Zur Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit
tragen wir unter anderem dadurch bei, dass wir für eine als frei gemeldete Stelle unter Gleichqualifizierten die oder denjenigen vermitteln, der schon am längsten arbeitslos gemeldet ist. Mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit stellt sich aber Perspektivenlosigkeit
ein. Leute, die im höheren Alter (nach dem 50. Geburtstag, Anm. der Redaktion) den Job verlieren, beginnen oft zu trinken. Jemand, der zwei Jahre
arbeitslos war, schafft es oft kaum mehr, in der Früh aufzustehen, und ist kaum mehr ins Erwerbsleben zu integrieren.

Sie haben derzeit wohl einen der krisensichersten
Jobs. Dennoch: Was würden Sie nach dem Erhalt des blauen Briefs tun?

Ich wäre zunächst geschockt. Bei manchen folgt dann ein urlaubsähnliches Gefühl, dem man sich aber keinesfalls hingeben sollte. Was ich nämlich in meiner AMS-Zeit klar gesehen habe, ist, dass man wieder einen Job findet, wenn man schnell ist. Das liegt sicher
an dem mit zunehmender Bewerbungszeit sinkenden Selbstbewusstsein. Derzeit dauert die Jobsuche
durchschnittlich drei Monate.

Waren Sie selbst schon einmal auf Bewerbungstour?

Ich bin gerade übersiedelt, und beim Ausräumen bin ich auf meine Bewerbungsmappe aus der Zeit nach dem Studium 1999 gestoßen. Ich habe in Mindestzeit studiert, mit Doktorat und einem LLM. Während meines Studiums habe ich in einer Anwaltskanzlei
gearbeitet und gewusst, dass ich das in Zukunft nicht will. Der Grund: zu viel Papier, zu wenig Leute. Ich habe dann fünf Monate lang gesucht. Zuletzt war ich schon sehr frustriert. Manche sind mit ihrem aktuellen
Job unzufrieden und sagen: „Ich kündige einmal und such mir dann was anderes.“ Davon rate ich vehement ab. Es ist viel schwieriger, was zu finden, wenn man nicht in Beschäftigung steht, als umgekehrt.

Welche Altersgruppen sind akut am stärksten vom Verlust ihrer Arbeitsplätze bedroht?

Die Jungen sind überdurchschnittlich betroffen, denn die Unternehmen bauen in der Regel diejenigen zuerst ab, die am kürzesten dabei sind. In Zahlen
zeigt sich die Gruppe der Älteren unterproportional
betroffen. ZUG

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