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Ziel: Karriere ohne Barriere

28.08.2009 | 17:30 | VON KATHARINA GÖTZL (Die Presse)

Behinderte Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Hoch qualifiziert, dafür körperlich beeinträchtigt – Behinderte kommen als Mitarbeiter oft nicht infrage. Eine neue Onlineplattform verspricht Abhilfe.

Viele erfolgreiche körperbeeinträchtigte Topmanager kommen einem nicht spontan in den Sinn. Wolfgang Reithofer ist einer, der es im Rollstuhl sogar zum Vorstandsvorsitzenden des weltweit größten Ziegelproduzenten gebracht hat. Seit August in Pension, arbeitete der Jurist 28 Jahre im Dienste von Wienerberger. Seine geistige Fitness stand schließlich immer außer Frage. Als 1982 bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, war er bereits Prokurist im Unternehmen. Zunächst konnte sich Reithofer noch mit einem Gehstock behelfen, seit Jahren ist er nun aber auf den Rollstuhl angewiesen.

Behindert im Business

Tatsächlich leben in Österreich 40.000 Menschen im Rollstuhl und insgesamt rund 630.000 Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Sie sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne Behinderungen. Wer als „behindert“ gilt, ist allerdings Definitionssache: Zweieinhalb Prozent der Jobsuchenden im ersten Halbjahr 2009 sind per Landesbehindertengesetz als behindert eingestuft, berücksichtigt man auch die gesundheitlich eingeschränkten Arbeitslosen (Menschen, die etwa durch Bandscheibenvorfälle in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind), so steigt die Zahl auf knapp 30.000. Und diese Zahl umfasst nur jene Menschen, die nicht durch soziale oder familiäre Netze aufgefangen werden und somit in der Statistik aufscheinen. Die tatsächliche Anzahl der potenziellen Arbeitskräfte mit Behinderungen ist demnach mit Sicherheit größer.

Neue Plattform

Die kürzlich geschaffene Webplattform www.careermoves.at richtet sich nun an alle Menschen, die körperlich gehandicapt sind und einen Job suchen, sowie auch an Unternehmen, die behinderte Arbeitskräfte einstellen möchten. Das Portal konzentriert sich allerdings auf die Leistung des Kandidaten, nicht auf dessen Behinderung. Symbole weisen auf die jeweilige Beeinträchtigung hin. Das war den Initiatoren ein besonderes Anliegen. „Kein Unternehmen sucht dezidiert einen Rollstuhlfahrer, sondern einen Leistungsträger“, erklärt Gregor Demblin, Geschäftsführer von Motary, einer Plattform für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, und selbst querschnittgelähmt. Gemeinsam mit der Onlinejobbörse Careesma hat Demblin die europaweit erste Plattform entwickelt, bei der sich Menschen mit Behinderung ganz normal, nämlich über ihre Leistungsfähigkeit, bewerben können. Ebenso können Unternehmer Jobs als barrierefrei ausweisen. „Icons zeigen auf, ob der Jobsuchende in Bewegung, Gehör oder Sicht eingeschränkt ist“, erläutert Careesma- Country-Manager Wolfgang Kowatsch, „und umgekehrt haben wir Jobs aus allen möglichen Branchen zu bieten, von Pharma, IT und Sales bis Finanzwirtschaft und Werbung. Insbesondere KMU sind stark vertreten, aber auch Konzerne und Personalberater.“ Eine der ersten Suchenden auf www.careermoves.at ist Maryam Ardalan, eine 32-jährige gebürtige Iranerin, die durch einen Gendefekt immer mehr ihres Augenlichtes verlor und derzeit fast komplett blind ist. Die Jobsuche hat sich für die ausgebildete EDVFachfrau als schwierig herausgestellt: „Selbst bei Callcentern habe ich immer Absagen gekriegt. Und sonst bekomme ich höchstens einen befristeten Vertrag, was echt sehr frustrierend ist. Ich erhoffe mir viel von der Plattform.“ Die Überwindung, im Internet ein Jobprofil anzulegen oder die Stellenangebote zu durchforsten, ist wesentlich geringer als gleich persönlich initiativ zu werden und bei Firmen vorzusprechen. Genau diese Schwellenangst vor der Arbeitssuche will Demblin behinderten Menschen mit der Plattform nehmen.

Erfolgversprechend

Der zweite erwünschte Effekt hat freilich mit den Arbeitgebern zu tun. Für sie sei Behinderung in den meisten Fällen einfach „schlicht kein Thema“, so Demblin. „Hier Bewusstsein zu schaffen ist äußerst spannend. Ich hoffe, dass sich die Idee schnell verbreitet“, sagt AMSChef Johannes Kopf, der das Projekt unterstützt. Es sei ja nicht bloß wegen der Förderungen ein wirklicher Zugewinn, körperlich eingeschränkte Mitarbeiter ins Team zu integrieren. So setzt sich etwa Baumax im Rahmen seines „Humanprogramms“ seit 25 Jahren für Menschen mit Behinderungen ein. 200 Menschen mit Handicap arbeiten in dem Familienunternehmen, im Backoffice genauso wie in der Kundenbetreuung. „Es ist eine lohnende Herausforderung für beide Seiten“, verrät Programmleiterin Monika Voglgruber und weist auf die durchaus auch wirtschaftlich spürbaren Vorteile hin: „Das soziale Bewusstsein im Team steigt und damit auch der interne Zusammenhalt. Gleichzeitig sinkt die Fluktuation.“

Derartige Vorzeigeprojekte sind leider noch die Ausnahme. Der erfahrene Personalberater und Geschäftsführer von Pendl & Piswanger, Peter Pendl, führt das vor allem auf den Kündigungsschutz von Menschen mit Behinderung zurück: „Eine gut gemeinte Gesetzesauflage wird hier zum Bumerang. Das ist eigentlich eine Ungleichbehandlung und hält viele Unternehmer von Einstellungen ab.“ Behinderten Menschen auf Jobsuche rät der Experte: „Bieten Sie Referenzen an, unterstreichen Sie Ihre Qualitäten, nicht die Mankos, und seien Sie über die Rechtslage informiert."


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