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Diversity-Management: Mitarbeitern ein Zuhause geben

23.10.2009 | 21:22 |  VON MONIKA KRIWAN (Die Presse)

Experten orten Handlungsbedarf in heimischen Unternehmen. Zumal die Krise hier ganz und gar nicht als Ausrede taugt.

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„Wer nicht rechtzeitig den globalen Talentepool anzapft – und damit unabhängig, etwa von Herkunft, Geschlecht oder Alter, rekrutiert – wird in einigen Jahren Schwierigkeiten haben, qualifizierte Arbeitnehmer zu finden. In österreichischen Unternehmen wird die positive Vielfalt von Mitarbeitern – auch in Hinblick auf den Geburtenrückgang und die weitere Überalterung der Bevölkerung – bisher noch zu wenig gelebt“, konstatiert Klaus Hölbling, Geschäftsführer Booz & Company Österreich. Er bezieht sich dabei auf eine aktuelle internationale Studie der Strategieberatung: Demnach entsprechen nur 17 Prozent der Hochqualifizierten dem tradierten Muster „männlich/ weiß/jung“, 83 Prozent des globalen Talentepools bestehen bereits aus Frauen sowie Menschen mit einem anderen ethnischen Hintergrund. 35 Prozent aller Hochschulabsolventen stammen aus Indien und China, nur noch 22 Prozent aus Nordamerika und Westeuropa. „Solange nicht ausschließlich nach Leistung rekrutiert wird, laufen Konzerne Gefahr, im globalen Wettbewerb Marktanteil zu verlieren.“

Potenziale ausschöpfen

Handlungsbedarf sieht auch Norbert Pauser von der auf Diversity spezialisierten Beratungsfirma Pauser & Wondrak, die gemeinsam mit der Personalberatung Secretary Search eine Onlineumfrage zum Thema durchgeführt hat: „Diversity zieht als Schlagwort, hat aber als umfassende Strategie noch nicht den Stellenwert, den es verdient. Und sehr häufig wird damit nur die kulturelle Vielfalt verbunden.“ Dass Diversity- Management auch auf den Säulen Geschlecht, Generationen, sexuelle Orientierung und besondere Bedürfnisse/Behinderungen basiert, sei noch nicht in aller Bewusstsein. Elisabeth Weg huber, Geschäftsführerin von Secretary Search, bestätigt: „Zu 70 Prozent wird Diversity nur mit Multikulturalität verknüpft und als reine Antidiskriminierung missverstanden. Es sollte aber als Chance erlebt werden, mit Randgruppen positiv proaktiv umzugehen.“ Zumal der Mehrwert von Vielfalt in Krisenzeiten evident sei: „Es wäre gerade jetzt unsere Hausaufgabe, vorhandenes Potenzial aus - zuschöpfen. Ein Mensch, der sich in einem Unternehmen zu Hause fühlt, leistet auch mehr.“

Von Mentoring bis Ethnomarketing

Ein Unternehmen, das seit Anfang der 1990er-Jahre auf Vielfalt setzt und Diversity auch in den Unternehmenswerten verankert hat, ist die Bank Aus tria. Mit der Integration der Bank in die Uni- Credit Group hat das Thema noch zusätzlichen Stellenwert bekommen. Diversity- Managerin Leopoldine Faber: „Begonnen haben wir mit dem Gender- Ansatz und Vereinbarkeitsmaßnahmen, im Jahr 2000 kamen die Diversity- Schwerpunkte Kultur, Alter, Gesundheit/ Behinderung und Lebensweise bis hin zur sexuellen Orientierung dazu. Natürlich kosten Diversity-Instrumente wie Mentoring auch Geld, diese Investitionen wirken sich aber hundertprozentig positiv auf die Ergebnisse aus.“ Unterstützung können sich Unternehmen auch von außen holen, ob es nun um den richtigen Tone of Voice in der Kommunikation oder um geeignete Qualifizierungsmaßnahmen geht. Beides bietet Brainworker, Österreichs erste Diversity-Marketing-Agentur, an. Im September wurde die Brainworker Academy gegründet, die Seminare etwa zum Thema Ethnomarketing anbietet. Mit Erfolg, wie Geschäftsführer Manuel Bräuhofer zu berichten weiß: „Die Zukunft liegt im integrativen Marketing, das nicht ausgrenzt, sondern Randgruppen integriert. Im Ethnomarketing bedeutet dies Rücksichtnahme auf Sprache, Symbolik, Farben und Bilder.“ Mit vorbildhaften Umsetzungen in Sachen personeller Vielfalt lässt sich nun sogar ein Preis gewinnen – nämlich der „DiversCity“ von der Wirtschaftskammer Wien, der erstmals im Jänner bei einer großen Gala verliehen wird (www.wko.at/wien/DiversCity).

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