24.05.2012 14:54 | Meine Presse Merkliste 0

Stereotype: Technik? Typisch Frau!

06.11.2009 | 16:09 |  von Claudia Dabringer (Die Presse)

Die Technik ist weiblich – das ist noch mehr Wunsch als Realität. Doch viele arbeiten daran, diese Situation zu verändern.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

„Frauen werden in der Technik gebraucht“, ist Dorly Holzer-Harringer überzeugt. „Das Rollenklischee, dass nur Männer in der Technik erfolgreich sein können, ist längst verstaubt“, meint die Präsidentin von WiTec Österreich, der „European Association for Women in Science Engineering and Technology“. Die Organisation widmet sich der Bewusstseinsbildung in Unternehmen, der Vermittlung von Praktikums- und Projektstellen, aber auch der Standortsicherung durch das Arbeitskräfteangebot von hoch qualifizierten Technikerinnen.

„Junge Frauen sollten sich mehr zutrauen und sich nicht abschrecken lassen“, sagt Holzer-Harringer. Schließlich würden sich Frauen Erfolg versprechende Zukunftschancen eröffnen. Auch sie selbst, erzählt Holzer-Harringer, musste sich am Anfang ihrer Karriere den Respekt der Männer erst verdienen. Schwergefallen sei es ihr trotzdem nicht, sagt sie: „Schließlich liebe ich Herausforderungen.“

Doch das gilt nicht für alle Frauen, die sich für ein technisches Studium interessieren. Rollenvorbilder können dazu beitragen, ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Ohne die entsprechende Ermutigung von außen scheitert allzu oft das Vorhaben, seine beruflichen Zukunftsvorstellungen auch konsequent umzusetzen.

In der Stabsabteilung Gleichstellungspolitik der Johannes Kepler Universität in Linz hört man Begriffe wie „Hilfe“ oder „Förderung“ allerdings nicht so gerne: „Damit vermittelt man einen Defizitansatz und gibt den Frauen das Gefühl, nicht gut genug zu sein“, meint die Leiterin der Stabsabteilung, Irmgard Wörtl.

 

Von Studien und Maßnahmen

Zur Zeit arbeitet Wörtl daran, die Erkenntnisse aus dem „TEquality“-Projekt in konkrete Maßnahmen an der Uni umzusetzen. In dieser Studie wurden die Studienbedingungen an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät in den Studienrichtungen Informatik und Mechatronik analysiert und Ansatzpunkte entwickelt, wie man Studentinnen gezielt unterstützen kann. Die Ergebnisse zeigen: Frauen tragen die Beweislast ihrer Kompetenz, sie werden sehr kritisch beobachtet. Umso mehr noch, als sie erst recht ins Blickfeld rücken, weil sie in der Minderzahl sind. „Nach wie vor wirken gesellschaftliche Rollenzuschreibungen, die als solche nicht wahrgenommen werden. Das führt dazu, dass junge Frauen unsicher werden, ob sie das richtige Studium gewählt haben. Es sei denn, sie kommen von einer HTL“, erzählt Wörtl.

Für jene, die technisch interessiert sind, aber nicht von einer technisch orientierten Mittelstufe kommen, gibt es an der Johannes Kepler Universität sogenannte „Vorkurse“. Sie dienen vorrangig dazu, den Mittelschulstoff in bestimmten Fächern aufzufrischen. Doch im offenen Klima der Lehrveranstaltung können angehende Studentinnen auch viele Fragen klären, die sie beschäftigen.

Der CEO von IVM Technical Consultants, Walter L. Hanus, hofft schon länger auf mehr Technikerinnen auf dem Arbeitsmarkt: „Wir kommen ohne Frauen nicht mehr aus“, sagt er. Die Vorteile, die Frauen in technische Berufe mitbringen, liegen für ihn klar auf der Hand. Teams mit Männern und Frauen wären viel höflicher im Umgang miteinander. Homogene Männergruppen würden sich ganz anders benehmen. „Frauen wirken ausgleichend und motivierend. Ihre Emotionalität tut den Teams gut“, so Hanus. Noch verläuft Hanus' Suche nach weiblichen Mitarbeitern weitgehend erfolglos. Seiner Meinung nach seien erzieherische Vorurteile daran schuld, die viele Bildungseinrichtungen immer noch vermitteln.

 

Ungleich verteilt

Die FH Campus Wien nimmt die Unterstützung von Frauen in der Technik ebenso sehr ernst: „Das technische Umfeld ist sehr homogen und hat nicht gelernt, sich auf Zielgruppen einzustellen“, erklärt Ulrike Alker, Leiterin der Abteilung Gender and Diversity Management. Die Folge: „Entweder die Frauen machen sich gänzlich unsichtbar. Oder sie treten erst recht selbstsicher auf, weil sie zu ihrer Entscheidung für eine technische Studienrichtung bewusst stehen.“ In Studienrichtungen wie Biotechnologie und Bioengineering seien die Frauen anteilsmäßig gut vertreten, sagt Alker, „bei Studien wie Angewandte Elektronik oder Informationstechnologie und Telekommunikation fallen Frauen beinahe komplett aus“. Das zeigen auch die Zahlen deutlich: Angewandte Elektronik studieren derzeit drei Frauen von insgesamt 78 Studierenden, für IT haben sich sieben von 72 entschieden.

 

Nicht alleine lassen

Um die Studentinnen bei der Stange zu halten, gibt es an der FH ein Buddysystem, das Frauen schon in der Bewerbungsphase unterstützt. „Viele wechseln die Studienrichtung, weil sie sich alleingelassen fühlen. Das konnten wir bislang gut abfangen“, berichtet Alker. Niemand könne sich mehr leisten, auf 52Prozent der gesamten verfügbaren Brainpower zu verzichten. Unter dem Projekttitel „Die Technik ist weiblich“ bietet die FH auch spezielle Seminare für Technikstudentinnen an. Dazu gehören unter anderem Bewerbungscoachings und Trainings für Gehaltsverhandlungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Gast: Kampagne
06.11.2009 21:57
0 0

Frauen in die Technik

Liebe Frauen, lasst Euch nicht Eure weibliche Intuition und femininen Esprit durch blendende Worte wie Brainpowertum oder Brainworking vertun, Ihr habt so viele andere Fähigkeiten. Setzt Eure beiden Gehirnhälften für kreativere und sozialere Berufe ein. Man solte nichts gegen die Natur tun, ausser man hat eine andere talentierte Anlage und Begeisterung für die Technik. Die Techniker haben bald nur einen Mangel, den diese mit allen Mitteln ausgleichen wollen. Aber um Euch auf diesem Terrain zu behaupten, müsst Ihr Dinge tun, von denen Ihr nicht überzeugt sein werdet. Ausserdem stehen die Ziele der technischen Betriebe den Vorstellungen vieler Frauen entgegen. Also bitte gut überlegen und nicht nur einer Kampagne aufsitzen. Übrigends über Gehaltsverhandlungen würde ich Euch wirklich raten, Seminare abzulegen, denn ...

PS: Die Konservativen müssen erst fortschrittlicher sein und die Frauen mit Ernsthaftigkeit einbauen wollen.


Eurozone rüstet sich für Ausstieg der Griechen

Eurogruppenchef Juncker bestätigt die Prüfung eines Griechen-Ausstiegs aus der Eurozone. Im Hintergrund wird offenbar schon an Notfallplänen gebastelt.



Kärntner Hypo-Prozess: Haftstrafen für alle Angeklagten

Die Ex-Vorstände Kulterer und Striedinger werden zu drei und vier Jahren unbedingter Haft wegen Untreue verurteilt.



Hannes Aigelsreiter ist neuer ORF-Radio-Chefredakteur

Der bisherige Radio-Innenpolitikchef übernimmt die Chefredaktion mit 1. Juni. Der 48-Jährige galt als Favorit auf den ausgeschriebenen Posten.



Küssel-Prozess: Verteidiger referiert über Hitler

Am dritten Verhandlungstag spielt sich der Anwalt eines Mitangeklagten in den Mittelpunkt. Ein beisitzender Richter: "Das wird langsam ein Kasperltheater".



Galaxy S3: Samsung Österreich rechnet mit Lieferengpass

Ende Mai startet der Verkauf des neuen Flaggschiff-Smartphones. Es gibt bereits mehr Vorbestellungen, als die Fabrik monatlich produzieren kann.



Küsse und Häuser am See: Schnell ermittelt wieder

Andreas Lust möchte eine Beziehung und Ursula Strauss ist sich nicht sicher. Wolf Bachofner könnte immer Inspektor bleiben.