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Fußballmanagement: Für immer am Ball bleiben

22.01.2010 | 15:51 | von Patrick Baldia (Die Presse)

Leidenschaft für den Sport kann man nicht lernen, das Management desselben sehr wohl. Um in der Branche als Unternehmer erfolgreich zu sein, braucht es naturgemäß beides.

Mittendrin statt nur dabei – das ist nicht nur ein Slogan eines Sportsenders, sondern gleichzeitig die Wunschvorstellung vieler, die sich regelmäßig bunte Schals um den Hals schlingen und 90 Minuten auf eiskalten Plastikstühlen verbringen. Viele Fußballfans würden selbst gern die Pfeife in die Hand nehmen, nach der der Lieblingsverein tanzt.

 

Harte Schule

Nicht als Schiedsrichter oder Trainer, sondern als Manager, der den Klub führt. Womöglich dorthin, wo nur Platz für einen ist: an die Tabellenspitze. Einschlägige Ausbildungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, nicht nur bei Fußballern, die ihre Fußballschuhe für immer an den Nagel in der Kabine hängen. Doch dass Traumvorstellung und Realität weit auseinanderklaffen können, gilt im Sport noch mehr als in anderen Bereichen. Abseits von Flut- und Blitzlicht wartet die Arbeit: „Fußballmanagement bedeutet, ein Unternehmen zu führen, und hat nichts mit Glamour und Glitter zu tun“, erklärt Raphael Breidenbach, Lehrgangsleiter des „MBA Sport- und Eventmanagements“ der Donau-Universität Krems. Im alltäglichen Geschäft wären vielmehr lückenloses betriebswirtschaftliches und sportspezifisches Know-how angesagt – garniert mit der entsprechenden Portion Leidenschaft.

 

Für alle offen

Das Zielpublikum der Diplomausbildung Fußballmanagement (IST) des Düsseldorfer IST-Studieninstituts beschreibt Michael Wrulich, IST-Fachberater für Sport&Management, so: „Nicht nur ehemalige und noch aktive Spieler oder die Mitarbeiter von Fußballvereinen und -verbänden, sondern auch die klassischen Quereinsteiger, die ihre Leidenschaft für den Fußball auf die ein oder andere Art ausleben.“

Fußballer hätten keine Sonderstellung. „Sie werden bei der Aufnahme nicht bevorzugt behandelt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, verspricht Wrulich Chancengleichheit. Mit Trainingslehre hat Fußballmanagement freilich nichts am Hut. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Unternehmensführung, Recht, Personalmanagement und Marketing. Darüber hinaus werden fußballspezifische Sonderthemen vermittelt – wie etwa die Module „Medienrechte und Vermarktungsstrukturen“ oder „Vermarktung von Sportstätten und -stadien“ am IST-Studieninstitut. „Themen wie Sponsoring und Medienrechte sind grundsätzlich auf alle Sportarten anwendbar“, unterstellt Kaspar den Studenten ein breites Betätigungsfeld– nicht zuletzt auch in der Wirtschaft.

Das Fernstudium dauert 16 Monate, Einstiegstermine gibt es viermal jährlich. Laut Plan müssen die Kursteilnehmer jeden Monat eines von insgesamt 13 Studienheften in den eigenen vier Wänden büffeln. Darüber hinaus müssen drei zweitätige Seminare besucht werden.

 

Dozenten aus der Praxis

Abgehalten werden sie von praxiserfahrenen Dozenten wie dem Geschäftsführer der Bayer 04 Marketing GmbH Meinolf Sprink. Mit Marcel Schäfer vom VfL Wolfsburg absolviert derzeit ein amtierender Deutscher Meister die SPI-Ausbildung. Die Ausbildung wird auch von der österreichischen Vereinigung der Fußballer (VdF) empfohlen. Nach Angaben von Wrulich kommen rund zehn Prozent der Studenten aus Österreich. Zu den prominenten heimischen SPI-Alumnis gehört etwa Rapid-Sportdirektor Alfred Hörtnagel, der allerdings die allgemeiner ausgelegte Sportmanagementausbildung absolviert hat.

„Sportliche Veranstaltungen wie Fußballspiele sind immer auch inszenierte Events, bei denen es darum geht, eine Reihe von Stakeholdern bei Laune zu halten und zu integrieren“, so Breidenbach. Einerseits müsste den Sponsoren der Nutzen ihres finanziellen Engagements vor Augen geführt werden. Andererseits dürfen auch die Fans nicht vergessen werden, die über Kartenverkauf und Merchandising ebenfalls einen wertvollen Beitrag an den Klubeinnahmen leisten. „Fußballstadien sind längst Kulturveranstaltungsorte und immer mehr auch Business-Locations“, so auch Robert Kaspar, Studiengangsleiter des Bachelorstudiums Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement der Fachhochschule Kufstein.

 

Fachkräfte gesucht

Auch an der Donau-Universität zählen Spitzenleute aus der Praxis zu den Vortragenden, wie etwa Austria-Wien-Finanzvorstand MarkusKraetschmer.

In Krems wird der Präsenzunterricht gering gehalten. Stattdessen wird auf Online-Lernplattformen gesetzt. Dass ehemalige professionelle Fußballer bei der Jobsuche gegenüber „Normalsterblichen“ einen Vorteil haben, sehen Experten nicht. „Exprofis verfügen vielleicht über bessere Kontakte, aber ohne eine solide Ausbildung werden auch sie es schwer haben, bei einem Verein unterzukommen“, so Breidenbach. Die großen Teams in der britischen Premierleague würden etwa gezielt Fachkräfte mit Managementausbildung suchen.

Wrulich will auch bei den Topklubs in Deutschland einen Umdenkprozess ausmachen. „Die Zeiten sind vorbei, in denen ehemalige Spieler bevorzugt wurden. Ohne entsprechendes Controlling- oder Finanzwissen geht heute gar nichts mehr in der Branche“, so der Deutsche.

 

Fremdsprachen erforderlich

Laut Kaspar müssen sich seine Absolventen keine großen Sorgen um einen Arbeitsplatz machen – nahezu alle würden innerhalb von einem halben Jahr einen Job finden. „Viele kommen bei Sportmarketingagenturen wie IMG oder Harthi Weirathers WWP unter“, so Kaspar. Hilfreich sei hier nicht zuletzt die internationale Ausrichtung der Ausbildung. Auch, was Sprachen betrifft: So müssen die Studenten nicht nur ein verpflichtendes Auslandssemester absolvieren, sondern neben Englisch noch eine zweite Fremdsprache lernen. Ab 2011 soll dann der Lehrgang vollständig auf Englisch abgehalten werden.


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