Wer einen Gastgewerbebetrieb erfolgreich führen will, kann sich nicht ausschließlich auf gute Küche und freundliche Kellner verlassen. Nebst der richtigen Personalauswahl gilt es eine Vielzahl weiterer Entscheidungen zu treffen, um zufriedene Kunden und wirtschaftlichen Erfolg unter einen Hut zu bringen. Betriebswirtschaftliche Kompetenz und Management Skills sind gefragt. Eine Binsenweisheit, wie es scheint. Umso erstaunlicher, wie wenig heimische Bildungseinrichtungen auf den offenkundigen Bedarf bislang reagieren.
Bildungslücke geschlossen
„Der Arbeitsmarkt braucht Personen mit Erfahrung und Managementwissen. Bevor wir unseren Lehrgang gegründet haben, gab es in ganz Österreich keinen einzigen akademischen Weiterbildungsweg für Personen aus der Gastronomie und Kulinarik“, bestätigt Nadine Fauland vom Institut für Tourismus-Management der FHWien- Studiengänge der Wirtschaftskammer Wien (WKW). Mit dem Lehrgang auf Hochschulniveau für Gastro- und Kulinarikmanagement wurde im Herbst 2009 die Lücke im Bildungssystem vorerst geschlossen. In zwei Semestern wird aktuell zehn Studierenden berufsbegleitend Managementwissen für Praktiker vermittelt.
Zielgruppe Praktiker
Als Zielgruppe gelten prinzipiell alle Nachwuchsführungskräfte im Bereich der Gastronomie und Kulinarik, wie zum Beispiel Küchenchefs, Hotel- und Gastgewerbeassistenten und Betriebsgründer. Die Lehrveranstaltungen sind geblockt und finden einmal im Monat jeweils zweieinhalb Tage lang donnerstags bis samstags statt. Bislang werden die Lehreinheiten strategisches Management, Marketing und Kommunikation, Projektmanagement sowie Businessplan und Gastrotechnologie abgehalten.
Die Themen Produktmanagement, Public Relations und Human Resources werden folgen. Besonderer Wert wird beim FHWien-Studiengang auf die berufspraktische Komponente gelegt. „Begleitend zu den Unterrichtsblöcken setzen alle Studierenden ein eigenes Projekt für ihre Arbeitgeber oder ihren Betrieb um“, erläutert Lehrgangsleiter Michael Mair. So wird seit September an einer ganzen Reihe konkreter Projekte gearbeitet, wie beispielsweise an der Neukonzipierung eines Marketingplans für das Hotel Schloss Weikersdorf in Baden, der Erstellung eines Businessplans für die Eröffnung eines Wiener Kaffeehauses oder am Aufbau eines Vertriebsnetzes für Schokoladeprodukte der Firma Weltmeister aus der Schweiz.
Fit für den Start-up
„Jeder Studierende wird dabei individuell betreut. Nur so können die Projekte erfolgreich ausgeführt werden“, ist Manfred Ronge, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ronge & Partner, das auch als Kooperationspartner bei der Entwicklung des Programms mitwirkte, überzeugt. Diese praxisbezogene Arbeit im Betrieb, bei der man unmittelbar die Auswirkungen von Entscheidungen spüren und somit auch überdenken kann, schafft völlig neue Einblicke. Zudem ist die Erarbeitung eines Businessplans und die Erfahrung von Verantwortung und Entscheidungsfreiheit eine optimale Vorbereitung auf die Selbstständigkeit – und macht fit für den Start-up.
Service, Küche, Kostenrechnung
Auf der Suche nach ähnlich gearteten Weiterbildungsangeboten – wenn auch ohne akademischen Hochschulabschluss samt ECTS-Anrechnung – stößt man in Österreich nur noch auf die Ausbildung zum Gastronomiemanager am Wifi sowie auf den Food & Beverage Management Lehrgang der F&B Academy in Linz. „Wer einen Gastronomiebetrieb erfolgreich führen will, hat sich nicht nur um Service und Küche, sondern auch um Kostenrechnung und Bilanzen zu kümmern“, bringt es Florian Hager vom Wifi Wien auf den Punkt.
Der Lehrgang soll unter anderem helfen, die „Scheu vor der Zahlenarbeit“ abzulegen. Die Lehrinhalte (80 Trainingseinheiten inklusive eines Betriebsbesuchs) umfassen Module in Rechnungswesen, Controlling und Finanzierung, Mitarbeiterführung und Recht und Marketing. Nach abschließender Prüfung werden den Absolventen ein Wifi-Zeugnis und ein Diplom zum „Gastronomiemanager“ überreicht.
Sozialkompetenz steigern
Als Modullehrgang (Führung, Controlling, Marketing, Qualitätsmanagement, Chefgespräche), der sich an Unternehmer und Führungskräfte aus der Gastronomie und Hotellerie - wie Küchenchefs, Sous Chefs, Chefs de Rang, etc. – richtet, versteht sich ebenfalls die berufsbegleitende Ausbildung (sechs Monate) an der 2009 gegründeten F&B Academy. „Die Teilnehmer erwerben Grundlagen des Gastronomie- und Hotelmanagements, fachspezifisches Wissen und verbessern ihre Sozial- und Selbstkompetenz als Führungskraft“, erklärt Akademie- und Lehrgangsleiter Eduard Altendorfer.
Lernen von den Besten
Diese entscheidenden Tools für eine langfristige Erfolgssicherung in der Gastronomie und Hotellerie sollen sich die Studierenden nach dem Motto „Lernen von den Besten“ erarbeiten. „Es geht darum, viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Etwa abends durch Gespräche mit Experten in deren Betrieben“, so Altendorfer.
Die Abschlussprüfung besteht dann aus zwei Bereichen: einem schriftlichen Teil sowie der überzeugenden Präsentation des persönlichen Unternehmenskonzeptes. Die Absolventen tragen den Titel „F&B Manager“.