Wer hätte das geglaubt: Golden Globes und schon drei Oscar-Nominierungen für österreichische Filmschaffende, darauf folgend eine Erhöhung der Filmförderung und sogar eine Novellierung des österreichischen Filmfördergesetzes. Ist Österreich gar ein Filmland geworden?
Chancen nutzen
„Hinter den erfreulichen künstlerischen Erfolgen des heimischen Films der letzten Monate und Jahre verbirgt sich vor allem eine rasante Entwicklung zu Klein- und Kleinstunternehmen in der Filmbranche“, sagt Gerald Trimmel, Leiter des Österreichischen Studienzentrums für Film an der Donau-Universität Krems. Hier wird unter anderem der Universitätslehrgang „TV & Film Produktion“ angeboten. In drei berufsbegleitenden Semestern verfolgt er das Ziel, Fachkräfte in den Bereichen Produktion, Marketing und Vertrieb für den deutschsprachigen beziehungsweise europäischen Fernseh- und Filmmarkt auszubilden, die aktuelle Marktchancen nutzen und das europäische Film- und Fernsehschaffen maßgeblich stärken. „Die Karrierechancen steigen vor allem dann, wenn die Ausbildung oder Weiterbildung auf die individuellen Stärken der Studierenden eingeht, die analytischen und strategischen Fähigkeiten schult und die kommunikativen Kompetenzen trainiert“, erläutert Trimmel. Wer es im Film zu etwas bringen will, braucht vor allem zweierlei: Enthusiasmus und Durchhaltevermögen. Diese Filmbegeisterten sind auch die Zielgruppe für die Studiengänge am SAE Institut in Wien. Ob im „Audio Engineering“ oder in „Digital Film & Animation“ – für die Diplomabschlüsse brauchen Bewerber ab 18 noch nicht einmal die Matura. „Unsere Studierenden suchen einen technisch fundierten Einstieg in die Filmbranche. Wir haben aber auch ambitionierte Autodidakten, die zum Teil schon professionell arbeiten, aber denen technische Grundlagen beziehungsweise der Feinschliff fehlen“, sagt Barbara Skoda, Leiterin des pädagogischen und inhaltlichen Bereichs. 24 Monate vergehen bis zum SAE Diplomabschluss im „Digital Film Making“, weitere zwölf Monate zum Bachelor of Arts beziehungsweise Science (Honours).
„An journalistisch vorbelastete Ein- und Umsteiger mit Drang zum Medium Fernsehen und mit dem speziellen Interesse, TV-Dokumentationen zu gestalten“ wende sich die „Werkstätte Filmdokumentation“ der Volkshochschule Wien, erklärt Leiter Peter Zurek. In drei Semestern sollen die Teilnehmer imstande sein, das Gelernte umzusetzen, entweder als Gestalter oder in anderer Funktion etwa bei einer Produktionsfirma.
Zeit investieren
„Wenn es dem österreichischen Filmschaffen nicht gelingt, den ,boost‘, der durch die hohe internationale Anerkennung der letzten Jahre ausgelöst wurde, zu nützen, wird er weiter so dahinvegetieren wie die Jahrzehnte davor“, glaubt Zurek. Dass Christoph Waltz die „Oscar®“-Chance nützen wird, ist für seinen ehemaligen Schulkollege Herbert Tenschert, Leiter des Filmcollege, keine Frage: „Natürlich kriegt er ihn!“ Wer sich auf „seiner“ Schule für Film- und Fernsehberufe berufsbegleitend ausbilden lassen möchte, braucht ein extrem gutes Zeitmanagement – der siebensemestrige Lehrplan ist sehr straff. dab
www.vhs.at, http://wien.sae.edu,
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)













