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Katastrophenmanagement: Koordination statt Chaos

05.02.2010 | 16:06 |  von Christian Lenoble (Die Presse)

Soforthilfe, Wiederaufbau, nachhaltige Unterstützung – das Management von Extremsituationen ist vielschichtig. Einige Möglichkeiten, das Rüstzeug dafür zu erwerben.

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Der Tsunami in Thailand 2004, die Überflutung New Orleans 2005, das Erdbeben in Haiti – drei Tragödien von vielen innerhalb weniger Jahre, die laut Experten die These von der globalen Zunahme katastrophaler Schadensereignisse nähren. „Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die steigende Komplexität der Katastrophenszenarien, die eine weltweit funktionierende Koordination und Kooperation bei den Einsätzen der humanitären Katastrophenhilfe erfordert“, so Johannes Reisinger von der ABC-Abwehrschule Lise Meitner des österreichischen Bundesheeres. Je größer die Verheerung, desto professioneller und umfassender muss die Hilfe gemanagt werden, um Not, Leid, Chaos und neuen Gefahren etwas entgegenzusetzen.

 

Professionelle Hilfe

Der Lehrgang universitären Charakters „MBA für Umweltgefahren und Katastrophenmanagement“ an der ABC-Abwehrschule des ÖBH (für Angehörige des Aktiv- und Milizkaders) vermittelt Grundlagen der Führung, Organisation, Natur-, Umwelt- und Ingenieurwissenschaften. Auch im FH-Studiengang „Militärische Führung“ wird die Vertiefung „Sicherheits- und Krisenmanagement angeboten, das unter der Ausbildungsverantwortung der ABC-Abwehrschule steht und für zivile Hörer offen ist. Zu besuchen ist der Lehrgang an der FH Wiener Neustadt.

 

Zusammenarbeit fördern

Das Anforderungsprofil für die Teilnehmer ist breit gefächert und umfasst neben der persönlichen Kompetenz (Belastbarkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Zielorientierung), Sozialkompetenz (Leistungsorientierung, Konfliktlösungsfähigkeit) fachliche und methodische Fähigkeiten. Ziel ist es, in verschiedenen Notlagen schnell und effizient handeln zu können – und zu vermitteln. Denn die Anforderungen an die Helfer wechseln mit der Zeit, Experten sprechen vom Disaster Event Cycle (Katastrophenregelkreis). Reisinger: „Dreht sich in Phase eins noch alles um die Rettung von Menschenleben und Sachgütern, geht es in Phase zwei (Wiederaufbau) um die Wiederherstellung überlebenswichtiger Infrastrukturen wie Wasser, Ernährung, medizinische Versorgung, Unterkunft, Energie, Kommunikation oder Verkehr – gewissermaßen der Schritt zurück zum normalen Leben in der betroffenen Gesellschaft.“

Beim Übergang in Phase drei ist vor allem die Hilfe zur Selbsthilfe gefragt. Dabei handelt es sich um Maßnahmen der klassischen Entwicklungshilfe wie die Verbesserung leistungsschwacher Infrastruktur und um die Förderung der eigenen Katastrophenvorsorge der Betroffenen.

 

Präventionsforschung

„Extremereignisse wie das Erdbeben in Haiti verdeutlichen einmal mehr, dass Krisen- und Katastrophenmanagement und -forschung von immer größerer Wichtigkeit sind. Der Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften mit umfassenden Kenntnissen im Management sowie in der Prävention ist in den letzten Jahren stark gestiegen“, bestätigen Gerhard Grossmann und Alexandra Kulmhofer, die beiden Leiter des Universitätslehrgang für Krisen- und Katastrophenmanagement an der UMIT(Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik) in Hall in Tirol.

Der im April 2010 zum fünften Mal startende Lehrgang setzt dementsprechend auf ein interdisziplinäres Programm, das von der Krisen- und Katastrophenprävention über systematisches Issue-Management, Risiko-, Sicherheits- und Notfallsmanagement bis hin zu behördlichem Krisenmanagement und menschlichem Verhalten in Extremsituationen reicht. Zusätzlich werden zur Überprüfung des erlernten Wissens Übungen unter realistischen Bedingungen durchgeführt.

 

Systemisches Verständnis

„Für die langfristige Bewältigung von katastrophenartigen Krisensituationen ist ein systemisches Verständnis erforderlich. Es müssen sowohl soziale und ökonomische als auch gesellschaftspolitische und ökologische Aspekte einbezogen werden“, betont auch Eva Krczal, Leiterin der Plattform Interdisziplinäres Management an der Donau-Universität Krems.

Das Kremser Seminar Katastrophenmanagement vermittelt in diesem Sinne spezifische Kenntnisse im Bereich Risikomanagement, Ressourcenmanagement, Zusammenarbeit an der Einsatzstelle und mit medizinischen Versorgungseinrichtungen. „Krisen- und Katastrophenmanager werden speziell geschult im Umgang mit unklaren, dynamischen und gefährlichen Situationen“, so Krczal. Im Vordergrund steht die Bewältigung von komplexen Führungs-, Entscheidungs- und organisatorischen Aufgaben. Und die Wichtigkeit, schwierige Situationen so verarbeiten zu können, dass die Arbeit nicht leidet – und man selbst damit umzugehen lernt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2010)

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