Es war ein Paukenschlag, als dieser Tage bekannt wurde, dass Helmut Kern, geschäftsführender Gesellschafter von Beyond Consulting, mit seinem Team zum internationalen Topberater PricewaterhouseCoopers (PwC) gewechselt ist. Was veranlasst einen erfolgreichen Unternehmer – Beyond war ein Management- Buy-out von Deloitte, dessen Global Partner Kern zuvor gewesen war –, sich wieder in die „Fänge“ eines großen Konzerns zu begeben? Kern: „Als lokale Marke hatten wir vor der Krise ein leichtes Spiel, jetzt sind wieder verstärkt die großen Weltmarken gefragt. Und die Entscheidung wurde mir von PwC in mehrfacher Hinsicht sehr leicht gemacht.“ Es sei ja eine klassische Win-win-Situation: PwC wollte sein Standbein im Consulting verstärken, er selbst bleibe als Partner gewissermaßen Unternehmer, profitiere nun aber von der Hebelwirkung einer Weltmarke.
Alle oder keiner
Sein Team sei dabei schon früh eingebunden gewesen: „Meine Bedingung war: entweder alle oder keiner. Es ist etwas anderes, ob man sich als Einzelunternehmer oder Firmenchef mit 10 Mitarbeitern für diesen Schritt entscheidet; die Verantwortung für die Mitarbeiter überwiegt.“ Und wie geht es ihm damit, über sein Tun nun wieder Rechenschaft ablegen zu müssen? „Auch unternehmerische Freiheit ist mit Verpflichtungen verbunden, aber natürlich war eine ,lange Leine‘ eine Voraussetzung für mich, ich kann im Grunde genommen tun und lassen, was ich will – solange der Erfolg stimmt.“ Die Aussicht auf Letzteren sei schließlich sein größter Anreiz gewesen: „Ich wollte es in der Lebensmitte einfach noch einmal wissen.“ Dass er Beyond Consulting dabei weiterhin behalten darf, war freilich ein weiteres Zuckerl: „Es bleibt ein Vehikel für meine Hobbys, für Dinge, die PwC nicht macht.“
Unternehmer als Bewerber
Etwas länger zurück liegt dieser Schritt bei Petra Jakob, seit fünf Jahren Pressesprecherin bei One bzw. Orange und mittlerweile Head of Corporate Communications des Mobilfunkunternehmens. Rückblickend weiß sie, dass sie „vom Naturell mehr der Angestelltentyp ist“ und den Sidestep in die Selbstständigkeit nicht gewagt hätte, wäre ihr nicht der Zufall zur Hilfe gekommen: „Ich habe einen ehemaligen Chef getroffen, der sich gleich als erster Kunde empfohlen hat. Allein dieser Auftrag hatte für mich die Größenordnung eines Halbtagsjobs.“ Dank bestehendem Netzwerk konnte die branchenbekannte PR-Fachfrau noch weitere Kunden an Land ziehen, bis eines Tages der Anruf von One kam und man sie als neue Pressesprecherin engagieren wollte. „Ich fühlte mich geehrt und habe schließlich zugesagt, obwohl es mir durchaus Spaß gemacht hat, für die eigene Tasche zu arbeiten.“ Aus dem damit verbundenen Prestigegewinn – „als Einzelperson konnte ich mir nicht so leicht Gehör verschaffen“ – macht sie zwar keinen Hehl, das Hauptmotiv für den Wechsel war für die Chefin von fünf Mitarbeitern aber der Wunsch, wieder in einem Team zu arbeiten: „Es ist schön, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.“ Auch ein geregeltes Einkommen und die Tatsache, sich nicht mehr mit ungeliebten Dingen wie Buchhaltung herumschlagen zu müssen, waren für sie ausschlaggebend. Dennoch möchte sie die Zeit als Selbstständige nicht missen: „Es war ein toller Lernprozess, heute weiß ich, dass ich Dinge schaffe, die ich mir früher nie zugetraut hätte.“ Ähnliche Erfahrungen hat auch Christoph Oberhauer, seit drei Jahren Verkaufs- und Marketingleiter beim Schwedenbomben-Imperium Niemetz und zuvor selbstständiger Unternehmensberater, gemacht: „Als Einzelunternehmer musst du dich um alles selbst kümmern, von der Powerpoint- Präsentation bis zum funktionierenden Kopierer. Die Umstellung ist gewaltig, aber sie schadet nicht.“ Nach 16 Jahren bei Almdudler – zuletzt als Geschäftsleitungsmitglied – hätte ihn dies wieder „back to the roots“ gebracht. „Ich habe viel gelernt, womit ich früher nie in Kontakt gekommen wäre.“ Hinzu kämen die größere Kostenorientierung und Effizienz von Ex-Unternehmern. Warum die Rückkehr in alte Abhängigkeiten? „An Eigenverantwortung mangelt es in einer solchen Position nicht. Außerdem bin ich der Typ, der in Familienunternehmen glücklich wird. Bereits nach dem ersten Gespräch war mir klar, dass ich meine Kräfte wieder bündeln möchte.“ Es war die Macht der Markenstärke, die ihn reizte. „Außerdem habe ich Schwedenbomben schon als Kind geliebt.“ Wie interessant sind ehemalige Unternehmer als Bewerber? Walter Schwarz, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Consent: „Hier setzen wir besonders strenge Maßstäbe an. Wichtig ist immer die Motivation dahinter: Vermisst man als Einzelunternehmer die Teamarbeit, ist eine Rückkehr in die Festanstellung positiv zu sehen. War der Grund für die Selbstständigkeit Selbstverwirklichung, kann eine Anstellung Probleme verursachen. Man gewöhnt sich nämlich an die motivierenden Effekte der Selbstverwirklichung.“














