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Managergesundheit: Stärkung des "sozialen Immunsystems"

26.02.2010 | 22:02 |  VON MONIKA KRIWAN (Die Presse)

Über zunehmende Stresssymptome, aber auch steigendes Bewusstsein.

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Laut der letzten Studie von Mercer- Austria zu Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) 2008 – bewertet wurden 129 Unternehmen aus allen Branchen und Größen –, gibt es bei strategischen Präventionsmaßnahmen in österreichischen Betrieben noch großen Aufholbedarf. „Zwar geben 89 Prozent der Unternehmen an, die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern, dabei handelt es sich aber oft nur um punktuelle Maßnahmen wie etwa kostenloses Obst oder Impfaktionen. Es fehlen die strategische Einbettung, ganzheitliches und nachhaltiges Projektmanagement im Gesundheitsbereich“, erklärt Andrea Ofner, BGM-Consultant bei Mercer Austria.

Alibi-Tools statt Führungskultur

Zwar wissen Personalisten, dass sich BGM positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt – es ist das stärkste Motiv für Investitionen in diesem Bereich (siehe Tabelle unten) –, dennoch werden in Chefetagen präventive Strategien etwa im Bereich Stress oder Burn-out oft vernachlässigt. Ofner: „Gerade Führungskräfte sollten aber für das Thema sensibilisiert werden, um auch bei Mitarbeitern frühzeitig Symptome zu erkennen. Stressmanagement sollte ein Teil der Führungskultur sein.“ Zumal Führungskräfte oft die Letzten sind, die sich psychische Belastungen auch eingestehen. Stefan Bayer, Konzernarbeitsmediziner bei der RHI sowie Präsident der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin: „Manager wollen Stärke signalisieren, bei ihnen zeigen sich Überlastungssymptome oft nur über Umwege von psychosomatischen Erkrankungen wie Gastritis oder Herz-Kreislauf-Problemen.“ Dass sich Stress und psychische Belastung auf den Gesundheitszustand der heimischen Manager zunehmend auswirken, zeigt auch eine Befragung, die das WdF gemeinsam mit der Wiener Städtischen letzten Herbst unter 300 Managern durchgeführt hat. Stress wird dabei mit 56 Prozent als höchster persönlicher Risikofaktor wahrgenommen, gefolgt von Bewegungsmangel (50 Prozent), ungesunder Ernährung (35 Prozent) und Gewichtsproblemen (34 Prozent). Nur 19 Prozent der Manager fühlen sich „ausgezeichnet“. „Hier setzt unser ,BESSER-LEBEN‘-Programm an, das kostengünstig zu einer bestehenden Kranken- oder Lebensversicherung abgeschlossen werden kann und Vorsorge- Checks sowie Wellness- und Fitnessangebote in erstklassigen Häusern beinhaltet“, sagt Judit Havasi, Vorstandsmitglied Wiener Städtische.

Multitasking war gestern

Mit einem hierzulande ungewohnten Instrument zur Stress- und Burn-out- Prävention ließ die Unternehmensberaterin Gabriele Kypta beim letzten Eblinger Business Breakfast aufhorchen. „Stressmanagement durch Achtsamkeit“, bekannt auch als Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), ist eine Technik, die dem Zeitphänomen Multitasking entgegengesetzt ist: „Bei der Achtsamkeitslehre geht es um das fokussierte und annehmende Arbeiten, um das Innehalten im Hier und Jetzt. Die Frage ist: Wo kann ich loslassen, nicht, wie viel kann ich noch erreichen?“ Die Coachingexpertin plädiert dabei für eine Art „Wartungsvertrag für das eigene Ich“, denn Gesundheitsorientierung sei eine Haltung – kein Notfallsplan –, die von regelmäßigen Minipausen, dem Freundlichsein zu sich selbst und anderen bis zum täglichen Meditieren reicht. „Dabei müssen wir nicht alle zu Teilzeitbuddhas werden, manchmal reicht es, einfach nur nett zu sein.“ Managern, die bereits in der Erschöpfungssackgasse angelangt sind, rät Kypta, Unterstützung in Anspruch zu nehmen: „Wichtig ist der Glaube, hier wieder rauszukommen.“ Unternehmen sollten in die Stärkung des „sozialen Immunsystems“ investieren – mit dem Fokus auf Lob als wahres Gesundheitselixier: „Ein motivierendes Arbeitsklima zu schaffen ist billiger, als die Folgen von Erschöpfung zu finanzieren.“

Bye-out statt Burn-out?

Bayer warnt davor, die Ursachen von Managerleiden nur in der Arbeit zu suchen: „Aus internen Studien wissen wir, dass nur 25 bis 30 Prozent der Ursachen für Burn-out in der Arbeit zu suchen sind.“ Hauptgründe seien laut RHI-Untersuchung familiäre Probleme wie Scheidung oder finanzieller Druck. Er nennt dieses Phänomen daher „Bye-out“, da es immer mehr zu einer Verabschiedung von privaten Sorgen und zur Flucht in die Arbeit und so zur Überforderung kommt.

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