Wie viele unter Ihnen möchten eine Familie gründen und gleichzeitig Karriere machen?", lautete die Eröffnungsfrage von „Presse"-Moderatorin Johanna Zugmann, gerichtet an die jungen Frauen im prall gefüllten Auditorium im 16. Stock der Skyline Vienna.
Dass die Hände nahezu aller weiblichen Anwesenden in die Höhe schnellten, ist keine Überraschung. Dass die Realität das Wunschdenken vieler Betroffener einholen wird, lehrt wiederum die Statistik. Aktuell bleiben in Österreich bis zu 50 Prozent der Akademikerinnen, die Karriere machen, - ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen - kinderlos.
Das traditionelle Rollenbild von der Frau, die sich ohne große männliche Unterstützung um die gemeinsame Familie kümmert und sich für den karrierewilligen Mann opfert, scheint auch im dritten Jahrtausend zu funktionieren. In Zahlen: Während die Beschäftigungsquote der Frauen zwischen 20 und 49 um 15 Prozent sinkt, steigt jene der Männer im selben Lebensabschnitt um sechs Prozent an.
Was die weiblichen Führungskräfte in Österreich betrifft, so liegt in der Politik der Frauenanteil bei rund 30 und in der Wirtschaft bei nicht einmal fünf Prozent.
"Rollenbilder aufbrechen"
„Aktuell gelingt es nur wenigen Frauen, Kind und Karriere auf lange Sicht wunschgemäß zu vereinbaren. Es ist hoch an der Zeit, die Rollenbilder neu zu reflektieren und aufzubrechen", meint dazu Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Dass die betroffenen Frauen an der misslichen Situation eine gewisse Mitverantwortung tragen, beobachtet Brigitta Mlinek in ihrer täglichen Praxis als Konzernpersonalleiterin des Siemens Clusters CEE: „Es kommt nicht selten vor, dass mir junge Frauen erzählen, sie müssten auf die Karrierepläne ihrer Partner Rücksicht nehmen. Mir fehlt es da an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen."
"Wandel bei Rollenbildern"
Einig sind sich die Experten, dass verstärkt daran gearbeitet werden muss, die Voraussetzungen für eine künftige Erfolgsgeschichte von Familie und Karriere zu schaffen.
Laut Christian Friesl, Bereichsleiter Gesellschaftspolitik in der Industriellenvereinigung (IV), ist bereits einiges im Gang: „Ich spüre in der derzeitigen Generation schon einen gewissen Wandel bei den Rollenbildern. Zudem verbessern sich die durch die Politik geschaffenen Rahmenbedingungen - Stichwort: Kinderbetreuung. Und die Unternehmen arbeiten zunehmend an einer familienfreundlichen Kultur."
Diesem Befund kann Mlinek nur zustimmen: „Alleine die rund 700 verschiedenen Arbeitszeitmodelle in unserem Konzern zeigen, dass man sich des Themas angenommen hat." „Nicht genug", wenn es nach der Meinung von Heinisch-Hosek geht, wie sie am Beispiel des beruflichen Wiedereintritts nach der Karenz erörtert: „Es wird immer von Verlust gesprochen, wenn eine Frau oder ein Mann einem Unternehmen kurzfristig ausfällt.
Es kann aber auch als Bereicherung gesehen werden, wenn sie danach mit gelernter Sozialkompetenz und Konfliktkultur motiviert zurückkehren."
("Die Presse" Printausgabe vom 26.02. 2010)














