Folgt dem Oscar-Regen ein Geldregen – und damit ein Jobboom in der heimischen Filmbranche? Nach den internationalen Erfolgen von Michael Haneke, Stefan Ruzowitzky u. v. a. nehmen Wirtschaftsministerium und Austria Wirtschaftsservice ab heuer 20 Millionen Euro zusätzlich für den „Filmstandort Österreich“ in die Hand. Mit dem dezidierten Ziel, die Filmwirtschaft zu stärken – damit künstlerische Hochkaräter wie Haneke für ihre Produktionen nicht ins Ausland ausweichen müssen. Das bedeutet auch für den filmaffinen Managementnachwuchs mehr Chancen. Doch welche Möglichkeiten gibt es konkret?
„Zunächst muss man zwischen dem Bereich unterscheiden, in dem die Filme tatsächlich entstehen – also den Filmproduktionsgesellschaften“, erklärt Christof Papousek, der ursprünglich eine Wirtschaftsprüferkarriere angestrebt hat – aber dann seiner Filmleidenschaft gefolgt und mittlerweile Geschäftsführer der Constantin-Film-Unternehmensgruppe mit 28 Kinos in ganz Österreich und einem Independent-Filmverleih ist. Als Filmproduzent brauche man auch kaufmännische Fähigkeiten, trotzdem findet man hier eher wenige Betriebswirte: s-5;0Im Bereich des Filmvertriebs – das ist der zweite große Bereich – gebe es zahlreiche Karriereoptionen für Personen mit einem klassischen Managementausbildungs-Background, etwa einem WU-Abschluss, die zusätzlich eine ordentliche Portion Liebe zum Film mitbringen. Auch hier sieht das Umfeld momentan sehr günstig aus: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der verkauften Kinokarten in Österreich um beachtliche 20 Prozent (in der gesamten EU immerhin um 6,3 Prozent).
„Der Sales-Manager im Filmverleih hat die Aufgabe, die Filme an die Kinos zu vertreiben“, so Papousek. Dessen Gegenstück ist auf der Seite der Kinobetreiber der Head of Booking, der für den Filmeinkauf zuständig ist. Papousek: „Der Head of Booking fährt zu Messen, Festivals und natürlich den Trade-Shows, besichtigt dort die neuesten Filme und schätzt deren Potenzial ab, wie viele Besucher sie ins Kino locken könnten. Diese Aufgabe erfordert ein immenses filmisches Wissen und eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl.“ Und Sitzfleisch – der Head of Booking bei der zur Constantin-Film-Gruppe gehörenden Cineplexx-Kinokette etwa sieht sich jährlich bis zu 400 Filme an. Darüber hinaus sind in der Filmbranche auch gute Marketingexperten, Juristen oder IT-Fachkräfte gefragt. Als Voraussetzungen für eine Filmkarriere sieht Papousek nicht zuletzt eine ausgeprägte Flexibilität. „60 Prozent der Besucher gehen am Freitag, Samstag und Sonntag ins Kino. Zu dieser Zeit müssen wir 100-prozentig da sein – da kann man nicht am Freitag um 14 Uhr nach Hause gehen.“ Die Produzenten der großen Filme wollen nahezu stündlich genaue Zahlen über die verkaufen Karten. Diese Daten werden weltweit aggregiert und genau analysiert, Entscheidungen werden in sehr kurzer Zeit getroffen.
„Auch im Kino müssen wir sehr schnell reagieren: Welcher Film läuft gut, welcher schlecht, müssen Säle getauscht werden – Ziel ist eine effiziente Auslastung, aber wir wollen auch auf keinen Fall jemanden wegschicken müssen, weil er keine Karte für seinen Film mehr bekommt.“ Auch der Sales-Manager beim Verleih muss das ganze Wochenende seine Filme im Auge behalten – denn am Montag wird er dann mit dem Ergebnis konfrontiert, die Heads of Booking rufen an und wollen entweder die Konditionen nachverhandeln, weil der Film schlecht gelaufen ist, oder eine unerwartet hohe Nachfrage bedienen. Papousek: „Dieses permanente Mitdenken ist im gesamten Entertainment-Bereich eine absolute Notwendigkeit.“ MES