Was können und müssen die Ausbilder von Managern aus der viel beschworenen Wirtschaftskrise lernen? Und wie ist es um die Ethik in der Managementlehre bestellt? Antworten auf diese Fragen brachte im Kuppelsaal der TU Wien eine prominent besetzte Diskussionsrunde von Experten unter der Leitung von „Presse“-Karrieren-Ressortleiterin Johanna Zugmann.
Schuld an der Krise – so der Tenor am Podium – ist unter anderem die weitgehende Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens- und Managerausbildungsmodells durch Europa. „Das von der Finanzmarktsteuerung, der Firmenwertmaximierung und Belegschaftsfluktuation geprägte US-Modell stellt die langfristige Leistungsfähigkeit europäischer Produktionsunternehmen infrage“, prangert Ökonom Erich Hödl den Umstand an, dass gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und sozialökologische Aspekte dabei nicht ausreichend berücksichtigt werden.
„Betrügen uns selbst“
Die Wertevermittlung in den Curricula kommt ebenso zu kurz wie Ethik. „Ein verantwortungs- und ethikneutrales Managementverständnis gefährdet nicht nur den nachhaltigen Unternehmenserfolg, sondern bringt auch den Manager selbst im beruflich verbrachten Teil der Lebenszeit um die Erfüllung der eigenen Lebensberufung“, bemerkt dazu Pfarrer und Universitätsseelsorger Helmut Schüller. „Wir wissen genau, was richtig und falsch ist, und betrügen uns selbst, wenn wir unsere ethischen Grundlagen verdrängen. Und so sehen wir dann auch aus!“, resümiert Helmut Detter, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Technologiepolitik.
Paul Jankowitsch, Bundesvorsitzender der unabhängigen Managervereinigung WdF wünscht sich „das Forcieren alter Tugenden wie Hausverstand, Herzensbildung, Vorsorgedenken und Zivilcourage“, die sich zu einer soliden wirtschaftswissenschaftlichen Grundlage addierten. Gefordert wird von allen Experten eine ganzheitlich orientierte Managerausbildung, welche die vermeintlich zu differenzierenden Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales zu einer einzigen Basis verschmilzt. „Auf dieser Basis und im Dialog von Führungskräften, Mitarbeitern, Partnern und Kunden lassen sich auch Innovationen – insbesondere im vernetzten Zeitalter – besser entwickeln“, so Leo Steiner, Generaldirektor IBM Österreich.
Ob die Krise zur Zukunftschance wird, hängt laut Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann, Mitherausgeber des Werks „Finanzkrise als Chance“ letztlich von vielem ab. Es gehe darum, „überalterte Institutionen und Systeme zu zerstören und durch neue zu ersetzen, um den Weg zu einer Wissensgesellschaft zu finden, die sich emergent selbst steuert“. Die Gesellschaft solle der Kooperation mehr Wert beimessen als der Konkurrenz. Damit nicht Franz Kafka recht behält, wenn er sagt: „Es gibt viel Hoffnung, aber nicht für uns.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2010)













