Auf die Suche nach Arbeitsplätzen und -gebern der besonderen Art macht sich alljährlich das internationale Forschungs- und Management-Beratungsunternehmen Great Place to Work Institute. Vor wenigen Tagen präsentierte es in Kooperation mit der „Presse“ die Resultate des Wettbewerbs „Österreichs beste Arbeitgeber 2010“.
„Ehrlichkeit gegenüber den Mitarbeitern ist wichtig und eine entscheidende Grundvoraussetzung für Unternehmenserfolg und Innovationsfähigkeit. Ich versuche, die Kultur der gegenseitigen Wertschätzung sehr bewusst zu entwickeln“, sagt Gerd Ingo Janitschek, Geschäftsführer des Anzeigenportals willhaben.at (Bester Arbeitgeber Österreichs in der Kategorie bis 50 Mitarbeiter). „Es geht um den bewussten, bidirektionalen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern – ob in Meetings, via Newsletter oder Intranet, bei Mitarbeiterfrühstücken oder Teambuilding-Events.“
„Auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen, ihnen Gehör schenken und Maßnahmen setzen, die es ermöglichen, individuelle Bedürfnisse – wie unterschiedliche Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodelle – zu adressieren“, streicht auch Stefan Pfeifer, Geschäftsführer von Procter & Gamble Österreich, als Grundhaltung hervor. Es gelte, ein starkes Wir-Gefühl zu schaffen, um ein gemeinsames Streben nach Erfolg, Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen möglich zu machen. „Schließlich sind die Mitarbeiter das größte Gut eines Unternehmens“, so Pfeifer über die Philosophie von P&G, das zum dritten Mal als Österreichs bester Arbeitgeber (Kategorie 50 bis 250 Mitarbeiter) prämiert wurde.
„Das wichtigste Kapital ist nicht das Geld, sondern der Mitarbeiter“, stimmt Friedrich Himmelfreundpointner, Vorstandsdirektor der Sparkasse Neuhofen (Platz 2 in der Kategorie 50 bis 250), in den allgemeinen Tenor ein. „Wir legen bewusst Wert auf eine breite und nicht streng hierarchische Führungsstruktur. Wir versuchen offene Diskussionen zuzulassen und Mitarbeiter zu bestärken, ihre persönliche Meinung zu äußern“, so Himmelfreundpointner. Als Vorstand sei er für jeden Mitarbeiter persönlich erreichbar und habe zu jedem ein sehr persönliches und förderndes Verhältnis.
Kein Patentrezept für Arbeitsumfeld
Die Bedeutung, die dem Mitarbeiter beigemessen wird – nämlich nicht im Sinne einer reinen Arbeitskraft, sondern als aktiver Mitgestalter des Unternehmenserfolgs –, macht auch für Harald Dörler, HR-Manager bei Omicron Electronics (Sieger Kategorie „mehr als 250Mitarbeiter“), den Unterschied zwischen durchschnittlichen und hervorragenden Arbeitgebern aus. „Es gibt kein Patentrezept, wie man ein optimales Arbeitsumfeld schafft. Wir sind aber der Überzeugung, dass ein Umfeld mit einer hohen Eigenverantwortung jedes Einzelnen, einer gelebten Vertrauenskultur und einem Vermeiden von unnötigen Regeln und Vorschriften die Basis darstellen. Entscheidend ist, dass die Führungskräfte hinter allem stehen und dies authentisch vorleben“, so Dörler, der sich über die zweite Wettbewerbsauszeichnung für Omicron („Bester Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung“) überrascht zeigt: „Wir machen im Grunde nichts Spezielles für Menschen mit Behinderung. Und wahrscheinlich liegt genau darin das Geheimnis. Wir behandeln diese Menschen als gleichwertige Kollegen, die wie jede/r andere auch ihre Stärken und Schwächen haben und ihren Anteil zum Unternehmenserfolg leisten.“ Eine Aussage, die wohl ganz im Sinne des Sonderpreis-Initiators, Baumax-Chef Martin Essl, ist: „Dieser Sonderpreis ist mir deshalb ein persönliches Anliegen, weil ich mich seit vielen Jahren für Menschen mit Behinderung einsetze. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist, Menschen mit Behinderung in die Arbeitswelt zu integrieren. Deshalb wollte ich die positiven Beispiele hervorheben und gleichzeitig die Unternehmen zu mehr Engagement in diesem Bereich animieren.“
Besonderes Engagement als „Bester Arbeitgeber für Frauen“ beweist in Österreich Microsoft Austria. „Bei uns ist Gender-Diversity als Zielvereinbarung für jede Führungskraft festgehalten. Wir setzen unter anderem auf regelmäßige Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung wie Diversity-Diskussionen, Diversity Councils, „Stay Connected Breakfasts“ mit karenzierten Mitarbeiterinnen oder das monatliche ,Lady's Breakfast‘ mit Geschäftsführerin Petra Jenner“, erläutert HR-Business-Partner Christian Hauser. Dazu gesellen sich das Angebot zahlreicher Teilzeitmodelle, „Home Office“-Möglichkeiten sowie Mentoren und eigene Coaches für alle weiblichen Führungskräfte.
Recruiting Grundstein für Erfolg
Der Preis in einer weiteren Sonderkategorie („Bester Arbeitgeber für Lehrlinge“) ging an Mpreis Warenvertrieb. Als Erfolgsfaktoren identifiziert Thomas Lindauer, Verantwortlicher für Personalentwicklung, unter anderem „ein klares Bekenntnis der Geschäftsführung zur Bedeutung der Lehrlingsausbildung im Unternehmen, laufende Betreuung von Lehrlingen und Ausbildern durch die Personalentwicklung sowie transparente, erreichbare Anreizsysteme und Karrierepfade“.
Einigkeit herrscht übrigens unter allen prämierten Arbeitgebern, dass der Grundstein für den Erfolg bereits bei der Personalauswahl gelegt wird. Neben fachlicher Qualifikation wird dabei stets auch die persönliche Eignung überprüft. Thomas Lindauer, stellvertretend für seine Kollegen: „Damit eine erfolgreiche, tragfähige Arbeitsbeziehung entstehen kann, wird neben dem Überprüfen fachlicher Kompetenzen auf die Stimmigkeit zwischen der Kultur des Unternehmens und den Erwartungen zukünftiger Mitarbeiter geachtet.“ Im Sinne der Teamfitness.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2010)













