Rechtliche Angelegenheiten sind für Nichtjuristen oft ein Buch mit sieben Siegeln. In Unternehmen bleiben da letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ruft externe Fachleute zu Hilfe, oder man macht einen Schreibtisch für einen Experten frei.
Der heißt dann Inhouse-Jurist und sollte im Idealfall „Mädchen für alles“ sein: Verträge aufsetzen; Steuerliches austüfteln; das Arbeitsrecht im kleinen Finger haben; die Geschäftsführung im Marken- und Wettbewerbsrecht beraten; dann auch noch gut im Verhandeln sein, wenn mit Geschäftspartnern Lösungen ausgeschnapst werden müssen oder Rechtsstreitigkeiten drohen.
„Ich bin Generalistin und habe eine Zwitterfunktion zwischen Empfehlung und Entscheidung“, sagt auch G. Célia Konrad, Leiterin der Rechtsabteilung beim Feuerfestunternehmen RHI. In praktisch alle unternehmerischen Entscheidungen seien auch die Juristen involviert, zum Teil müsse man sogar direkt für die Konzernspitze eine Beratungsfunktion erfüllen. Was mitunter zur Gratwanderung werden kann: Einerseits braucht man oft hochspezifisches Fachwissen, etwa im Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, andererseits sei es aber ein absolutes No-go, sich „hinter dem Juristennimbus zu verstecken“. Das können sich externe Experten – die immer wieder zusätzlich beigezogen werden müssen – weit eher erlauben als der Inhouse-Jurist. Dem dürfe es, so Konrad, nicht nur darum gehen, einen Rechtsstandpunkt durchzusetzen. Er müsse sich als Teil des Unternehmens fühlen und in die Positionen der anderen hineinversetzen können. Trotzdem wichtig: klar Stellung beziehen und konkrete rechtliche Empfehlungen aussprechen. Die nach Konrads Erfahrung auch zumeist angenommen werden.
Jurist als „Vorsorgemediziner“
Trotz ihrer grundsätzlich beratenden Funktionen müssen Unternehmensjuristen nicht warten, bis sie gerufen werden. Dass sie vorausschauend agieren, von sich aus mögliche Probleme aufgreifen und Dinge kritisch hinterfragen, ist laut Konrad durchaus erwünscht.
Auch sonst leiden Mitarbeiter der Rechtsabteilungen kaum an Unterbeschäftigung. „Gerade jetzt gibt es aufgrund der Wirtschaftskrise sehr viel zu tun“, bestätigt Herbert Pichler, Head of Legal, Compliance and Corporate Affairs bei der UniCredit Bank Austria.
Gerade im Bankenbereich – aber nicht nur dort – müssen sich Juristen oft mit Unerfreulichem herumschlagen, bis hin zu Insolvenzen von Kunden.
Für die Zukunft erwartet Pichler einen Boom im Compliance-Bereich: „Das ist ein internationaler Trend. Ich bin überzeugt, dass er zu uns überschwappen wird.“ Durch dieses neue Arbeitsfeld werde auch die Bereitschaft der Unternehmen, in „firmeneigene“ Juristen zu investieren, steigen.
Was Compliance ist, erklärt Pichler anhand eines Beispiels: Wenn ein Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt bringt, werden schon im Vorfeld alle erdenklichen Rechtsfragen geprüft, die sich dadurch ergeben könnten – und es wird nicht erst dann reagiert, wenn schon etwas passiert ist. „Das funktioniert wie die Vorsorgemedizin.“
Für welchen Bereich man sich letztlich auch entscheidet, eines sollte man jedenfalls mitbringen: „Ein gutes Zahlenverständnis“, so Wolfgang Tutsch, Geschäftsführer des Wohnimmobilien-Unternehmens Conwert. „Man muss Vorgänge bewerten können“ – und zwar nicht nur aus juristischer Sicht, sondern auch dahingehend, „ob sich etwas auszahlt“.