Gesetze ändern sich – Juristen und ihre Arbeitsgebiete auch. „Früher saß der Advokat in seinem stillen Kämmerchen, schrieb eine Expertise und blickte auf die tickende Uhr. Heute“, sagt Karl Friedl, Partner beim Consulter M.O.O.CON, „ist er ein Manager und ein Teamplayer.“ Und das nicht immer nur in den klassischen Juristenberufen. Nach Ansicht von Experten aus verschiedenen Bereichen kann juristisches Know-how in vielen Tätigkeitsfeldern wertvoll sein, was den Jus-Absolventen eine Reihe scheinbar untypischer Berufsmöglichkeiten eröffnet.
Projektmanagement
Friedl ist überzeugt, dass sich beispielsweise die Immobilienbranche jetzt neu aufstellt. Hier entstehe ein neuer Bereich, das juristische Projektmanagement. Denn neuerdings werden „ganzheitliche“ Lösungen für Gebäude verkauft, Gesamtpakete aus einer Hand, von der Planung und Finanzierung bis zur Ausführung und Instandhaltung. Und bei allem haben Juristen ihre Finger im Spiel.
Consulting
Auch das rechtliche Consulting liege im Trend, meint Thomas Wychodil, Chef von Tender Consult, einem Anbieter von juristischer Fachberatung, Prozess- und Projektmanagement. Das geht vom „Erstcheck“ eines Unternehmens oder Projektes oder der rechtlich korrekten Erstellung von Ausschreibungsunterlagen bis hin zur strategischen Beratung und juristischen Folgenabschätzung geplanter Maßnahmen. Zu beachten ist allerdings, dass echte Rechtsberatung nicht von jedem Juristen, sondern nur von Rechtsanwälten und Notaren ausgeübt werden darf. Bei Tender Consult ist deshalb ein Anwalt mit im Team.
Aber auch ohne dem Anwaltsstand ins Gehege zu kommen, gibt es im Consulting für Juristen viel zu tun. Etwa im Compliance-Bereich könnte künftig so mancher Jurist unterkommen (siehe auch Artikel links). Doch nicht jeder ist dafür prädestiniert. Wychodil: „Man darf nicht am Rechtssatz kleben, man muss auf Leute zugehen können.“ Generell seien Juristen aber als Berater sehr geeignet, meint Walter Schwarz von der Consent Betriebsberatung. „Sie haben ein selbstbewusstes Auftreten, eine überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeit und ein hohes Allgemeinniveau.“ Eigenschaften, durch die sie oft auch zu guten Mediatoren in konfliktbeladenen Situationen werden. Und nicht zuletzt könne ein Hinweis, wie dieser Streit wohl bei Gericht ausgehen würde, zur rascheren Schlichtung beitragen, meint Schwarz.
Internationalität
Ein Klischee stimmt längst nicht mehr: dass man als Jurist kaum internationale Luft schnuppern kann, weil man ja schließlich „nur“ die heimische Rechtsordnung studiert hat. Gerade im juristischen Bereich gebe es viele internationale Verflechtungen, sagt Sigrid Studler vom Career Center der Uni Graz: „Die Nachfrage nach qualifizierten Leuten steigt.“ Etwa im europäischen Recht entstehen immer wieder neue Betätigungsfelder. „Und auch im Internet-Recht kommt noch viel auf uns zu.“
Die Theorie des internationalen Rechts studiert zu haben reicht jedoch nicht, um grenzüberschreitend erfolgreich zu sein. Schwarz: „Ideal ist ein Praktikum, beispielsweise ein Brüssel-Aufenthalt.“ Oder man arbeitet eine Zeit lang in Osteuropa – immer mehr Unternehmen und Anwaltskanzleien haben Niederlassungen im osteuropäischen Raum. Keine Angst: Das dortige Landesrecht oder die Landessprache muss nicht unbedingt gepaukt werden, meist ist ohnedies ein lokaler Anwalt mit im Team. Außerdem werde sukzessive immer mehr EU-Recht angewandt, so Schwarz. Die Spezialisierung werde aber auch hier immer stärker. Gerade jetzt sucht etwa ein Notar einen Juristen mit „Dolmetschbefähigung“. Das könnte kein Einzelfall bleiben.