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Gabriele Payr: "Hartnäckig, aber nicht autoritär"

19.03.2010 | 16:40 |   (Die Presse)

Wie Gabriele Payr, Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke Holding AG, dem „Wiener Werkl“ neuen Schwung verleiht.

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Johanna Zugmann(Wien). Kommunalen Betrieben im ganzen Land ist eines gemeinsam: Sie fallen nur dann auf, wenn etwas schiefläuft. Sonst merkt man nicht viel von ihrer Existenz. Sie und ihre Leistungen werden als „selbstverständlich“ angenommen. Wie zum Beispiel der Wiener Stadtwerke-Konzern: Er ist Österreichs größter kommunaler Infrastrukturdienstleister und beschäftigt 15.500 Mitarbeiter.

Mit den Konzernunternehmen Wien Energie, Wiener Linien, Bestattung Wien und BMG Beteiligungsmanagement wird der Großraum Wien mit Energie, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bestattungsdienstleistungen versorgt. Und das gut, wie viele meinen – aber zu teuer, wie andere kritisieren. Doch das ist eine andere Geschichte.

 

Zukunftsperspektiven

Auch das Management der kommunalen Betriebe ist der breiten Öffentlichkeit meist nicht bekannt. Dabei verdienen Karrieren in derartigen Unternehmen große Aufmerksamkeit – gerade in Zeiten, in denen viele Karrieremacher ihre Zukunftsperspektiven wieder im öffentlichen Sektor suchen.

Ihre persönliche Karriereperspektive hat Gabriele Payr bereits gefunden: Sie ist seit 2009 Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke Holding AG. Die Laufbahn der promovierten Juristin und Business-School-Absolventin ist auf das Engste mit der Stadt Wien verbunden. Sie führte sie vom Magistratischen Bezirksamt für den 13. und 14. Bezirk über die MA 52 (Städtische Wohn- und Amtshäuserverwaltung), die MA 4 (Referat 1 Allgemeine Finanzangelegenheiten) und die MA 50 (Vergabe von Fördermitteln für den Wohnungsbau und Vergabe geförderter Wohnungen) zur Leitung der MA 17 (Gemeindewohnhäuser) und zur Leitung von „Wiener Wohnen“. Die nach Eigendefinition „spontane“ Managerin hat in ihrer Laufbahn unter Beweis gestellt, dass sie stets überzeugen will – und dabei ziemlich hartnäckig sein kann. „Wobei ich aber nicht autoritär bin“, betont Payr.

Wichtig ist ihr, Konsens über gemeinsam zu erreichende Ziele zu schaffen: „Einmal im Jahr gibt es eine Strategiesitzung, in der wir uns die Frage stellen: Wo wollen wir sein?“ Und dort muss dann die Reise hingehen.

 

Kein Problem mit Umwegen

Wiewohl: Umwege nimmt die selbstbewusste Managerin gerne in Kauf, wenn es notwendig ist. Payr: „Ich gehe zwei, drei Schritte zurück und umgehe dann das Hindernis, oder ich verschiebe das Projekt um ein paar Monate.“ Solange es den Wienerinnen und Wienern nicht unangenehm auffällt (s.o.), ist das wohl auch kein Problem.

Von ihrer optimistischen Grundeinstellung und der Tatsache, dass sie „wirklich“ gerne mit Menschen zusammenarbeitet, profitieren jedenfalls ihre Mitarbeiter. Bei denen macht sie übrigens keinen Unterschied, ob Mann oder Frau, und gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist eine Selbstverständlichkeit. Den neuen Betriebskindergarten des Unternehmens am neuen Firmensitz in TownTown, wohin Ende 2010 rund 800 Beschäftigte ziehen werden, sieht sie auch nicht als reine Frauenförderung. Schließlich gebe es auch Männer, die Kinder erziehen, sagt die Mutter einer Tochter. Obwohl das Unternehmen eine enorme Vielfalt an Karriereperspektiven bietet, ist es als Arbeitgebermarke noch nicht so bekannt, dass sich die Initiativbewerbungen in den jeweiligen Human-Resources-Abteilungen türmen würden. „Daran müssen wir noch arbeiten“, meint Payr, die ihre Konzernkommunikation auch mit einem Relaunch der Imagekampagnen unter dem Motto „Die Stadt lebt“ beauftragt hat. Ziel ist die Neupositionierung der Stadtwerke als Impulsgeber für die gesamte Donaumetropole. Neu eingeführt hat die Generaldirektorin auch die Möglichkeit der Jobrotation: Ambitionierten Mitarbeitern bietet sie eine konzernweite Tour d'Horizont an.

Die Herrin über U-Bahn, Gas, Strom und Bestattung selbst versteht sich auch dezidiert nicht als Sesselkleberin. Sie will keinen Job länger als zehn Jahre ausüben. Angst vor einem in weiter Ferne möglichen Pensionsschock hat sie nicht. Im Gegenteil: „Da hätte ich dann endlich mehr Zeit für meine Tochter, meinen Mann und mein Pferd.“ Dafür, dass die Dinge in Bewegung bleiben, sorgt Payr nicht nur bei den Stadtwerken, sondern auch privat: Die Konzerngeneralin mit Topmodelfigur ist passionierte Tänzerin.

Und wenn dann noch Zeit bleibt, stehen nationalökonomische Abhandlungen oder englische Krimis auf dem Programm – wobei es für Erstere derzeit wohl die besseren Nerven braucht. Die Krise ist natürlich auch ein Thema bei den Stadtwerken. „Wir verzeichnen erstmals einen ganz geringen Rückgang im Stromverbrauch und bei der Güterbeförderung“, berichtet sie.

Nichts desto trotz stehen in den nächsten fünf Jahren Investitionen in der Höhe von 4,4 Mrd. Euro auf dem Programm. Und auch im Unternehmen selbst sorgt Payr für neue Wege, etwa durch die Umsetzung des One-Stop-Shop-Prinzips bei Bestattungen. Klingt makaber, macht aber vieles einfacher. Eine Prinzessin, sinniert Payr, habe sie jedenfalls nie sein wollen. Warum auch, wenn man Herrin über die Wiener Stadtwerke ist?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2010)

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1 Kommentare
Gast: Berta
20.03.2010 14:20
0 0

Ich finde das einen guten Artikel über eine fähige Frau

aber wieso muß erwähnt werden, dass die Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke eine Topmodelfigur hat?
Dies kommt so rüber als wolle man sagen: "Die Frau schaut gar nicht aus wie eine Vogelscheuche, obwoh sie das doch müßte, wenn sie so eine hohe Position bekleidet" Wäre sie ein Mann, würde das nichts zur Sache tun und keine Rolle spielen ob derjenige eine sportliche Figur hat oder einen Bierbauch.


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