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Arbeitsmarkt: "Schickimicki reicht nicht"

03.09.2010 | 17:56 |  von Nikolaus Koller (DiePresse.com)

Der Tourismus zeichnet für 750.000 Beschäftigte im Land verantwortlich, rechnen Johann Schenner und Rainer Ribing vor.

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„Champagner für alle" sei zwar passé, sagt Rainer Ribing, Geschäftsführer der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich. Das Land profitiere aber noch immer stark von dem Sektor - direkt und indirekt, wie Spartenobmann Johann Schenner betont. Eines sei klar, so die beiden obersten Touristiker des Landes unisono: Wettbewerb tut der Branche gut.

Kritiker meinen, dass Österreich sich eher auf neue innovative Technologien denn zu stark auf den Tourismus ausrichten sollte. Welche Innovationskraft hat der Tourismus?


Johann Schenner: Wir brauchen im Tourismus zwei Dinge: Innovationskraft und Qualitätssicherung. Innovation beim Angebot und Qualität in der Dienstleistung. Und beides muss zusammenpassen. Entscheiden tut immer noch der Markt, und das ist gut so. Wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, dann ist der Gast zufrieden und kommt wieder. Wir haben in Österreich ein sehr gutes Zeugnis von unseren Gästen, das wissen wir aus den laufenden Gästebefragungen. Schickimicki-Lösungen allein reichen nicht.

Wie heißt denn dann das Erfolgsrezept, wenn nicht „Schickimicki"?


Schenner: Wettbewerb macht den Unterschied aus. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat gerade einen neuen Förderschwerpunkt ausgerufen. Ab 1. September werden neue Onlineauftritte sowie Internetzugänge in den Gästebereichen gefördert. Innovation wird also auch von der öffentlichen Hand unterstützt. Unterm Strich sind es die Unternehmerinnen und Unternehmer, die Innovation vorantreiben. Das ist oft mit viel Risiko und finanziellem Aufwand verbunden. Und das soll man bitte auch anerkennen.

Sie sprechen von der „Standortgarantie" des Tourismus und meinen damit die Tatsache, dass touristische Betriebe mit ihren Beschäftigten kaum abwandern. Geht es dabei auch um hochwertige Positionen, oder spricht diese Garantie vor allem Köche und Kellner an?


Schenner: Mit Verlaub, Koch und Kellner sind hochwertige Positionen! Und in der Gastronomie die höchsten überhaupt. Was nützt es, wenn der Gourmettempel ein achtköpfiges Management mit Marketingreferentin hat und dann Küche und Service nicht den Erwartungen entsprechen? Mit Standortgarantie ist gemeint, dass touristische Betriebe nicht nur kaum, sondern tatsächlich überhaupt nicht abwandern. Wir können „Urlaub in Österreich" nicht im Ausland produzieren und weder den Berg mit der Seilbahn noch das Hotel nach Rumänien verlegen. Das ist damit gemeint.


Rainer Ribing: Die Frage spricht das an, was auch unser Problem ist. Viele reden von Tourismusjobs, und das erste Bild, das dazu einfällt, ist der Wirt mit der grünen Schürze, sein Koch und sein Kellnerin. Wir sind viel, viel breiter aufgestellt. Neben den über 200.000 Jobs im Hotel- und Gastgewerbe finden wir 34.000 Jobs allein in den Tourismusverbänden und bei den Reiseveranstaltern, Tourist Guides, fast 50.000 Jobs im öffentlichen Verkehr, bei Seilbahnen und Taxis oder 20.000 Jobs in den Kultur- und Sporteinrichtungen. Dann kommen da noch Eventmanager, die Agenturen, der Einzelhandel und viele andere dazu. In Summe hängen 750.000 Jobs, das ist etwa jeder fünfte Vollzeitarbeitsplatz in Österreich, von Tourismus und Freizeitwirtschaft ab.

Glaubt man Experten, wird Tourismus weltweit weiterhin an Bedeutung gewinnen. Wie kann Österreich seine Position halten und für Gäste attraktiv bleiben?


Ribing: Wir haben eines in der Krise gelernt: Es wird da und dort im Urlaub aufs Geld geschaut. Da heißt es dann zu Silvester mal „Ein paar gute Flaschen Sekt" statt „Champagner für alle!". Aber der Urlaub selbst oder die Freizeitaktivitäten wurden nicht eingespart. Die Urlaubsintensität ist weiterhin hoch.


Schenner: Wo wir aber sehr aufpassen müssen, ist, dass wir auf dem deutschen Markt und in Österreich selbst nicht an Terrain verlieren! Da braucht es neben Gastgeberqualität und Innovationen auch die richtigen Marketing- und Werbemaßnahmen. Gerade in der Ferienhotellerie sind wir auf unsere Hauptmärkte angewiesen, und der deutsche Gast ist die größte Gästeschicht überhaupt. Fast 40 Prozent unserer Urlauber kommen aus Deutschland, etwa 30 Prozent aus Österreich. Also werden wir weiterhin seitens der Österreich-Werbung und der Landestourismusverbände starke Werbung in Deutschland und in Österreich selbst brauchen, um unser Niveau zu halten - oder besser: weiter auszubauen.

 

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