22.11.2009 23:54 | Meine Presse Merkliste0

Philosoph Claude Lévi-Strauss bereits beerdigt

04.11.2009 | 14:37 |   (DiePresse.com)

Der Anthropologe und Strukturalismus-Pionier starb bereits am Freitag und wurde am Montag beerdigt. Die Familie wollte in Stille feiern. Frankreich trauert um einen seiner größten Denker.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der französische Ethnologe, Anthropologe und Philosoph Claude Lévi-Strauss ist bereits in aller Stille beigesetzt worden. Wie das Pariser Laboratorium für Anthropologie und Soziales des Collège de France am Mittwoch bekannt gab, wurde der im Alter von 100 Jahren verstorbene Wissenschafter bereits am Montag in Lignerolles im Burgund beerdigt.

Starb am Freitag, nicht Samstag

Die Familie wollte in Stille feiern und jeden Medienrummel vermeiden, hieß es weiter. Deshalb wurde der Tod von Lévi-Strauss, der als Vater der modernen Ethnologie gilt, auch erst am Dienstag offiziell bekannt gegeben - fünf Tage nach seinem Tod. Zunächst wurde von seinem Verlag und der Académie Française als Todestag der späte Samstag angegeben. Mittlerweile hat die Familie den Freitag bestätigt.

Levi-Strauss wäre am 28. November 101 Jahre alt geworden. Er habe sich vor zwei Jahren den Schenkelhals gebrochen und sei seitdem sehr müde gewesen, ließ das Laboratorium wissen.

Einer der größten Denker Frankreichs

Mit dem Tod des 1908 in Brüssel geborenen Geisteswissenschafters hat Frankreich einen seiner größten Denker des 20. Jahrhunderts verloren. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy würdigte Lévi-Strauss als einen der größten Ethnologen seiner Zeit, einen unermüdlichen Humanisten und einen neugierigen Forscher, der immer auf der Suche nach Erkenntnissen gewesen sei.

Als einen Verlust für die ganze Menschheit bezeichnete der Generaldirektor der UNESCO, Koïchiro Matsuura, den Tod des stillen und sehr zurückgezogenen Wissenschafters. Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand nannte Lévi-Strauss einen Weisen, der für jeden von uns eine Referenz bleiben werde: "Er hat uns gelehrt zu sehen, zu beobachten und zu hören", erklärte der Neffe des ehemaligen sozialistischen Präsidenten François Mitterrand.

"Traurige Tropen"

Lévi-Strauss hat mit seinen Theorien und Methoden die Völkerkunde revolutioniert. Für ihn war die Ethnologie "das letzte humanistische Unternehmen, um den Menschen in seiner Gesamtheit an Erfahrungen zu verstehen". Er widmete sein ganzes Leben der Erforschung von Zivilisationen. Dennoch wurde Levi-Strauss als Philosoph betrachtet. Denn als er sich für Ethnologie interessierte, gab es dieses Fach in Frankreich noch gar nicht.

Sein wohl bekanntestes Werk war der im Jahr 1955 veröffentlichte Bestseller "Traurige Tropen". Ein wissenschaftlicher Reisebericht über Brasilien, der als "großes Buch der Weisheit" gepriesen wurde. Darin warnte er schon sehr früh vor dem Aussterben der durch den sogenannten zivilisatorischen Fortschritt bedrohten "primitiven" Kulturen.

Strukturalismus in der Ethnologie

In seinen Arbeiten übertrug er die strukturale Sprachwissenschaft Roman Jakobsons auf sein Fachgebiet und begründete die strukturale Anthropologie. Die These, dass der Mensch ihm unbewussten strukturalen Systemen unterworfen sei, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Die für diese philosophische Schule entscheidenden Werke wie "Das wilde Denken", "Vom Ursprung der Tischsitten" und "Das Rohe und das Gekochte" sind in den 1960er Jahren entstanden.

Durch seine rigorose, klassifizierende Logik zeigte der Forscher, dass die sozialen und familiären Systeme der Urvölker oftmals komplexer und subtiler waren als unsere - und irritierte damit konservative Ethnologen. Denn die "Primitiven" galten vor Levi- Strauss als Völker mit archaischer Denkweise, ohne Schrift und Maschinen. Für ihn gibt es keine Rasse, die der anderen intellektuell über- oder unterlegen ist.

 

(Ag.)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

3 Kommentare
Gast: Madame Pompadour
04.11.2009 20:29
0 0

Also das ist ja die Höhe!

Das größte Armutszeugnis der "Presse": einen Nachruf auf einen bedeutenden Philosophen des XX. Jahrhunderts aus der APA (Agentur) zu holen... Das schlägt dem Fass den Boden aus! Findet sich denn niemand in dieser armseligen Zeitung, der einen fundierten Artikel über Lévy-Strauss schreiben kann???? Die FAZ und die Sueddeutsche Zeitung schaffen es doch auch... Aber vermutlich gibt es dort noch richtige Journalisten, die eine gute Allgemeinbildung haben.

Antworten Gast: dis
06.11.2009 16:40
0 0

Re: Also das ist ja die Höhe!

gegen zugangsbeschränkungen für publizistik :D

Gast: lexrex
04.11.2009 18:11
0 0

fehlerteufelchen

Die Familie wollte "in Stillen feiern" ist ein tippfehler.... hoffentlich