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Schweden: Rassismus-Eklat um ''Hottentotten''-Kuchen

18.04.2012 | 15:40 |   (DiePresse.com)

Schwedens Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth nahm an einer fragwürdigen Performance gegen Genitalverstümmelung teil. Nun forden Afroschweden ihren Rücktritt.

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Eine Performance gegen Genitalverstümmelung im Museum für Moderne Kunst in Stockholm am vergangenen Sonntag sorgt für (medialen) Wirbel, insbesondere, weil Schwedens Kulturministerin Lena Adelsohn Liljeroth daran teilnahm. Die Ministerin hat eine Torte, die die Form des Oberkörpers einer schwarzen Frau hat, im Genitalbereich angeschnitten. Der Afro-Schwedische Verband fordert nun den Rücktritt der Politikerin, berichtet Deutschlandradio Kultur. Begründung: Die Torte zeigt eine rassistisch überproportional geformte Frau respektive eine rassistische Karikatur. Die Ministerin hätte beim Anschneiden der Torte "verächtlich" gelacht, kritisiert der Verband. Er spricht von einem "Rassismus-Spektakel", schreibt die Internetzeitung "The Local".

Museum: Bombendrohung am Dienstag

Am Dienstag wurde das Museum kurz nach dem Besuch von Königin Silvia und der finnischen Präsidentengattin Jenni Haukio für mehrere Stunden geräumt. Der Grund war eine Bombendrohung. Ein Anrufer hatte das Museum als rassistisch bezeichnet. Die Drohung erwies sich als falsch.

Performance auch auf YouTube zu sehen

Die Bilder der Performance machen inzwischen auf diversen Blogs die Runde, auf YouTube gib es ein Video davon: Darin sieht man, dass der Kopf des Kuchens zu einem echten Menschen gehört, nämlich zum Künstler Makode Aj Linde. Er wollte mit der Aktion auf die noch immer weit verbreitete Pracis der Genitalverstümmelung aufmerksam machen. Bevor Liljeroth ein Stück abgeschnitten hatte, habe sie ihm "Dein Leben wird bald besser sein" zugeflüstert, schreibt der Künstler auf seiner Facebook-Seite.

Als "Hottentotten-Venus" verspottet

Kritik gibt es auch daran, wer dargestellt wurde: Bei der Frau in Kuchenform handelt es sich nämlich um die gebürtige Südafrikanerin Sarah Baartman, die unfreiwillig zum Symbol für imperialistische Sexfantasien wurde. Sie war Anfang des 19. Jahrhundert als sogenannte "Hottentotten-Venus" in Europa eine Freak-Show-"Attraktion".

Als junge Frau war Baartman, auch Saartjee genannt, 1810 von weißen Siedlern zunächst nach England, später nach Frankreich gebracht worden, wo sie wegen ihres besonderen Körperbaus als sexuelles Schauobjekt durchs Land getragen wurde. 1815 starb sie in Paris an einer Lungenentzündung.

Körper wurde bis 1974 ausgestellt

Nach ihrem Tod wurde Baartmans Körper seziert, ihre Genitalien abgeschnitten und ihr Gehirn entnommen. Bis 1974 wurden ihre sterblichen Überreste in einem Pariser Museum ausgestellt.

Erst 186 Jahre nach ihrem Tod wurden Baartmans Überreste 2002, einige Jahre nach dem Ende der Apartheid, in Südafrika beigesetzt.

(Red./APA)

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32 Kommentare
 
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Danke

Für die zwerchfellerschütternde Wortkreation des 'Afroschweden'. So bekommt dieser Tag direkt einen heiteren Ausklang...

Gast: Analyst
18.04.2012 17:51
5 0

GEGEN Genitalverstümmelung?!

Ich warte immer noch darauf, dass die auch in Österreich als schwere Körperverletzung an meist Unmündigung durch Beschneidung entsprechend bestraft wird - sowohl die Ausführenden als auch die meist verantwortlichen Eltern und "Geistlichen", die solches fordern oder als religiöse Norm verlangen. Dies gilt gleichermassen für weibliche und männliche Kinder, wobei die Beschneidung medizinisch durch nichts begründbar oder vertretbar ist. Aber auf diesem Auge ist der Staat blind!

Gast: advo
18.04.2012 15:00
2 0

Weiterlesen

Bei der dargestellten "Torte" soll es sich um die Südafrikanerin Baartman handeln deren Körperteile zur Freakshow ausgestellt worden sind ..... deshalb makaber, wenn auch nur in Form einer "Torte" erinnert worden ist und auf einen möglichen damaligen rassistischen Hintergrund verwiesen wird! Capito.

Re: Weiterlesen

Alles klar, danke. Ich hab` ehrlich gesagt beim zweiten Lesen meine eigenen Text nicht mehr verstanden.

Hilfe!!!

Was genau sind denn eigentlich "imperialistische Sexphantasien"? Und wodurch unterscheiden sich diese von den journalistischen Phantasien, die (Red.) dazu animieren, den Fall der "Hottentotten-Venus" im Kontext einer Performance gegen Genitalvertümmelung detailreich zu schildern? Ehrlich gesagt: So gerne hätt` ich endlich das richtige Bewusstsein, aber welches?

wenn sie zu faul sind um nachzulesen - bleiben sie halt dabei...


Re: wenn sie zu faul sind um nachzulesen - bleiben sie halt dabei...

Jetzt hab`ich noch einmal gelesen: Da muss ich schon ein rechter Tödel gewesen sein, wenn ich die Konnotationen meines eigenen Textes nicht kapiert habe.

Gast: MuninundHugin
18.04.2012 14:52
14 0

Afroschweden?!?

lol

Die "rassistisch überproportional geformte Frau respektive rassistische Karikatur"

sieht aus wie die Venus von Willendorf. War das wohl auch rassistisch, damals!?

Gast: CVB
18.04.2012 14:31
5 3

Gute Aktion.

Es braucht wohl solchen Wirbel um auf die Verstümmelungen aufmerksam zu machen. Hoffe, es spricht sich bis nach Afrika durch und rettet ein paar Frauen.

Wo ist der Aufschrei???

Nämlich darüber, dass es diese Praxis der Genitalverstümmelung ÜBERHAUPT NOCH GIBT.

Und es ist nunmal eine Tatsache, dass diese Praxis fast ausschließlich in afrikanischen (und dabei mehrheitlich in muslimischen Ländern) praktiziert wird.

Wahrheit ist manchmal unbequem, aber niemals rassistisch und nur selten politisch korrekt.


Gast: biersauer
18.04.2012 14:16
3 2

Sollte bald Süßes, Saures, Dekoriertes, usf. als pc verpöhnt sein!

Auch das ABC, kommt für ein Tabu in Frage.
Wie das bei der Gebährdensprache ist, weiß ich noch nicht so genau!

Nochmal zum mitschreiben

Das ich das richtig verstehe: da nimmt ein Politiker an einer Veranstaltung GEGEN Genitalverstümmelung teil und die Afroschweden (wtf?) regen sich auch?

Das ist political correctnes auf einem völlig neuen Niveau, da könnten sich unsere Verbände noch einiges abschauen.

Wirbel ist gut...

Die Zeitungen hier bei uns im Norden sind voll davon.
Das Problem an sich ist zum einen, dass ein farbiger Künstler dieses "Kunstwerk" gemacht hat um wie im Artikel berichtet auf gewisse Probleme aufmerksam zu machen. Dass Künstler dies oftmals mit etwas fragwürdigen Methoden machen, ist allgemein bekannt.

Die afrikanische Community bei uns hat sofort aufgeschrien und die Rassismuskeule geschwungen. Andererseits wurde dem Künstler keine Möglichkeit eingeräumt vor dieser Gruppe zu sprechen um sein Kunstwerk erklären zu können.

Als offener Mensch frage ich mich in solchen Situationen aber auch immer wieder ob solche Vorwürfe nur in eine Richtung gehen dürfen. Soll heissen ob wir uns jetzt vom "Mohr im Hemd" auf der Dessertkarte verabschieden dürfen jedoch es legitim ist, wenn "Weissbrot" als Bezeichung für "weisse" in den Sprachgebrauch Einzug finden darf.

Ändert nichts daran, dass ich dieses "Kunstwerk" obgleich es nun sehr schmackhaft sein mag für geschmacklos, aber nicht rassistisch halte.

MFG vom Elch

Re: Wirbel ist gut...

"Geschmacklos" trifft es meines Erachtens nicht, denn es impliziert Bedeutungslosigkeit.

Mich hat es schockiert, und das in mehr als einer Weise. Zum Ersten die geschichtliche Tatsache der Hottentotten-Venus und zum Zweiten die Reaktion der Komunity, die daraus eine rassistische Tendenz ableitet.

Kunst muss die Gesellschaft reflektieren und das ist dem Künstler mit Hilfe der Ministerin gelungen ...

Gast: und was bringts
18.04.2012 14:11
5 0

So etwas

hat und wird es immer geben und über so etwas werden sich auch nur linke politisch korrekte Gutmenschen alterieren. Denn das ist wie sie immer wieder beweisen, ihr einziger Lebensinhalt und Lebenszweck. Bewirkt aber gar nichts.

Antworten Gast: Linksgrüne GutmenschIn
18.04.2012 15:26
1 0

Was hat es immer gegeben und wird es immer geben?

Genitalverstümmelung?
Rassismus?
"Hottentotten"-Kuchen?

Gast: AFROSCHWEDE
18.04.2012 13:36
2 0

Bin ...


... ein Stück weit empört!

Falsche Reaktion

Die "Kunstaktion" gegen die in Afrika leider noch immer verbreitete Genitalverstümmelung mag geschmacklich zweifelhaft gewesen sein.

Darauf aber mit Rassismusvorwürfen zu reagieren ist absolut unangebracht.

Besser wäre es gewesen, die Afroschweden hätten selbst gegen die menschenverachtenden Verstümmelungen an Frauen in ihren Ländern protestieren, anstatt diejenigen mit Rassismusschmutz zu bewerfen, die sich - zugegebenermaßen mit fragwürdigem Geschmack - für das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Afrikanerinnen einsetzen.

da wird auf eine furchtbare,

leidvolle, immer noch weit verbreitete praxis der menschenverstümmelung aufmerksamgemacht, und das mit einer torte... ich finde das nicht nur gut sondern sogar notwendig!

der lustige afro-schwedische verband sollte ihnen für die aufmerksamkeit auf knien danken und den kampf gegen diese verstümmelungen unterstützen, welche ja allgemein nicht in schweden stattfinden....


Gast: Robespierre_Danton
18.04.2012 12:24
5 0

Die Revolution...

...frisset ihre Kinder.

Gast: politisch korrekt
18.04.2012 10:44
26 4

Hallo: "Freiheit der Kunst" nennt man das hierzulande.

Seit Jahr und Tag dürfen Christentum und Kirche in Form von "Kunst-Aktionen" (z.B. Nitsch) in den Augen der Gläubigen herabgewürdigt und verspottet werden. Also gilt diese "Toleranz" dann wohl auch für alles andere.

Re: Hallo: "Freiheit der Kunst" nennt man das hierzulande.

Wenn ein Politiker aktiv teilnimmt, wird aus Kunst auch ein direktes politisches Statement.

Ich finde auch Nitschs Performances fragwürdig. Würde der Landwirtschaftsminister persönlich das Blut verspritzen, gäbe es auch bei uns einen Aufschrei.

Re: Re: Hallo: "Freiheit der Kunst" nennt man das hierzulande.

Wohl nur wenn das Blut nicht von Österreichischen Biorindern stammt.

Gast: Johan C.
18.04.2012 10:42
2 18

Typisch: Unsensible Handhabe von Geschichte

Der Künstler gehört genauso verklagt, wie die Ministerin, die sich da selbst ins Out geschleudert hat.

MAn kann so einen Sachverhalt einfach nicht clownhaft darstellen - die Performance wirkte so, als wäre sie lustig gemeint.

Und dann noch die Gschichtln, die der "Künstler" auf Gesichtsbuch plappert...

Fürchterlich - parallel dazu in Norwegen der Prozess gegen Breivik - das zeichnet ein sehr krankes Bild dieser Zeit.

4 0

Re: Typisch: Unsensible Handhabe von Geschichte

Sie schleudern diese ins Out. Die Mehrheit findet das einfach nur mehr lächerlich.

 
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