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Die Legende vom Profi: Ernest Borgnine ist tot

09.07.2012 | 06:13 |  von Christoph Huber (Die Presse)

Der stämmige Schauspieler und Oscar-Gewinner Borgnine war einer von Hollywoods großen Charakterköpfen. Mit rund 200 Rollen in Filmen und im TV prägte er Hollywood. Seinen größten Erfolg feierte er 1955 mit "Marty".

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Der Mann sei zwar hässlich, aber er habe etwas merkwürdig Zartes, das mütterliche Gefühle in ihr weckte: Die desinteressierte Bemerkung eines weiblichen Hollywood-Partygasts über Ernest Borgnine bewog Produzent Harold Hecht 1955, dem stämmigen Darsteller die Hauptrolle im Film „Marty“ zu geben. Die Titelrolle als schüchterner, einsamer Metzger aus der Bronx, der in einer verlassenen Lehrerin eine Seelenverwandte findet, machte Borgnine berühmt: Das kleine Drama „Marty“, die Kinoversion eines Fernsehspiels, wurde zum Überraschungshit und räumte bei den Oscars ab: bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch – und bester Hauptdarsteller für Borgnine als mustergültige Kinovariante des damals populären US-Durchschnittsmannes (wie Willy Loman in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ im Theater).

Es blieb Borgnines einziger Oscar-Moment, aber damit war er ansatzweise dem Rollenfach entkommen, für das er mit seiner untersetzten Statur, den Glubschaugen und der Zahnlücke prädestiniert schien: ein heavy, ein Schauspieler für Schurken- und Charakterrollen. Die unverwechselbaren Gesichtszüge, die sich später so markant furchten, waren da schon geprägt: Als Ermes Effron Borgnino, Sohn italienischer Einwanderer 1917 in Hamden, Connecticut, zur Welt gekommen, ging Borgnine nach dem Highschool-Abschluss 1935 zur Navy. 1941 wurde er entlassen, doch meldete er sich mit US-Kriegseintritt sofort wieder und diente (mehrfach ausgezeichnet) bis 1945 auf einem Zerstörer. Schauspieler wurde er dann, weil seine Mutter meinte: „Du stellst dich doch gern vor die Leute und machst dich zum Narren!“ Die Navy-Erfahrung floss in zwei Schlüsselrollen ein: Als sadistischer Sergeant erregte Borgnine in „Verdammt in alle Ewigkeit“ („From Here to Eternity“, 1953) erstmals großes Aufsehen, in den USA war er als Titelheld der Weltkriegs-Sitcom „McHale's Navy“ in den 1960ern erfolgreich.

Vom Otello-Western zu SpongeBob

Sechs Dekaden Hollywoodkarriere (und gut 200 Filme sowie Serien, darunter „Airwolf“) machten den bis zuletzt unermüdlich arbeitenden Spätzünder Borgnine zu einem der klassischen Charakterköpfe Hollywoods: Unvergessen als Ensemblemitglied in Klassikern wie Sam Peckinpahs Western „The Wild Bunch“ (1969) oder dem Kriegsfilm „Das Dreckige Dutzend“ („The Dirty Dozen“, 1967) von Meisterregisseur Robert Aldrich, der Borgnine einige seiner besten Rollen gab, vom skrupellosen Cowboy in „Vera Cruz“ (1954) bis zum atemberaubenden Part als mörderischer Zugführer in „Emperor of the North Pole“ („Ein Zug für zwei Halunken“, 1973). Dass der stets humorvolle Profi Borgnine aber alle Register ziehen konnte, belegen so unterschiedliche Figuren wie der grobschlächtige, tragische Rancher im Otello-Western „Jubal“ („Der Mann ohne Furcht“, 1956) und der senile Superheld „Mermaid Man“, den Borgnine für die „SpongeBob“-Serie sprach. Am Sonntag ist Borgnine im Alter von 95 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben: eine der letzten Legenden aus der Hochblüte Hollywoods.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2012)

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4 Kommentare

war in fast allen meiner lieblingsfilmen

escape from ny.- convoy -wild bunch
ein grosser der nie ganz gross wurde RIP

Gast: HerrvonderInnerenStadt
09.07.2012 12:43
2 0

Ernest Borgnine 95-jährig gestorben

Er war ein großartiger Schauspieler! Seine strahlenden Augen und sein Lächeln vergisst man nicht.

Ein großer Charakterdarsteller

und ein sehr sympathischer Mensch. Machs gut da drüben.

gegangen

wieder ein großer Schauspieler gegangen RIP.