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Betörend und gefährdet: Susanne Lothar ist tot

26.07.2012 | 16:17 |  Von Bettina Steiner (Die Presse)

Nachruf. Schauspielerin Susanne Lothar arbeitete für Regisseure wie Haneke, Zadek oder Bondy: Am Mittwoch ist die Hamburgerin 51-jährig gestorben, woran, wurde nicht bekannt.

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Meistens, meinte Susanne Lothar vor etwa zwölf Jahren in einem Interview, spiele sie das Opfer. Nein, sie formulierte es weit drastischer: Meistens spiele sie „diejenige, die aufgeschlitzt wird“. Und darum freue sie sich besonders auf die Rolle in Yasmina Rezas Stück „Drei Mal Leben“ am Wiener Akademietheater.

Aufgeschlitzt? Da hat Susanne Lothar wohl auch an Frank Wedekinds Lulu gedacht, die als Opfer Jack the Rippers endet – sie spielte diese Rolle 1988 in einer Zadek-Inszenierung für das Hamburger Schauspielhaus. Wie sie dazu kam, erzählte Susanne Lothar 2009 nach dem Tod des Regiegroßmeisters. Mit gerade einmal 16 Jahren war sie ihm zu Silvester über den Weg gelaufen, sie beide hätten getanzt, er sei ihr mehrmals auf die Füße getreten. Kurz nach Mitternacht musste sie kurz das Lokal verlassen, um zu telefonieren, da zerriss ihr ein Böller das Kleid. „Er sagte mir, dass ihm das leid täte, als er merkte, wie erschrocken ich war. Zehn Jahre später erzählte er mir, dass er mich in jener Nacht besetzt hat, und dass er sich die noch nie gespielte Urfassung sichern wollte, in der Lulu ein Kind ist und keine erfahrene Frau.“

„Eine Extremschauspielerin“

Lothar spielte, es wurde ein Triumph. Atemlos verfolgte das Publikum, wie die zarte Schauspielerin dieser Figur ihre Unschuld zurückgab. Diese Lulu war verrückt, betörend, von Beginn an gefährdet, verwirrend. „Wenn ich nicht wusste, was ich machen sollte, habe ich mich oder meine Partner ausgezogen“, erklärte sie. Als „Extremschauspielerin mit sanften Mitteln“ bezeichnete sie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Auch später engagierten Regisseure für Film und Fernsehen die 1960 in Hamburg geborene Schauspielerin gern, wenn es darum ging, gefährdete Frauen darzustellen, und kaum ein Artikel über sie kam ohne die Attribute „verletzlich“ oder „zerbrechlich“ aus, manchmal folgte darauf die Erwähnung, dass dieser Verletzlichkeit Kraft und Energie innewohnen. Für Michael Haneke spielte sie in „Das weiße Band“ eine Hebamme, die entsetzlich gedemütigt wird. In „Funny Games“ (1997) gerät eine Familie in die Gewalt von sadistischen Jugendlichen. Die Frau muss dabei zusehen, wie ihre Kinder getötet werden, sie selbst wird gefoltert, am Ende zeigt Haneke sie, wie sie gefesselt und geknebelt neben ihrem Mann auf einem Segelboot sitzt, da wird auch der ins Wasser gestoßen. Diesen Mann spielte Ulrich Mühe, Susanne Lothars Ehemann, die beiden hatten sich 1990 bei den Salzburger Festspielen kennengelernt.

Mit ihm stand sie häufig vor der Kamera und auf der Bühne: in „Oleanna“ und in „Drei Mal Leben“ im Akademietheater, in Sarah Kanes „Gesäubert“, einem extremen Stück, in dem Menschen, die vorgeben, einander zu lieben, bis zur Verstümmelung aufeinander losgehen – wiederum eine Zadek-Inszenierung. Mühe und Lothar galten fortan als Extremschauspieler.

Und extrem sollte auch ihr letzter gemeinsamer Film werden, „Nemesis“, eine Low-Budget-Produktion, in 13 Tagen abgedreht, ein Kammerspiel über die Brutalität einer Ehe, ein Psychodrama auf engstem Raum. Während der Aufnahmen wussten die beiden noch nicht, dass Ulrich Mühe an einem Magenkarzinom erkrankt war; er starb 2007, 54 Jahre alt. Susanne Lothar kämpfte darum, den Film unter Verschluss zu halten, sie wollte nicht, dass er ein falsches Licht auf ihre Ehe warf. Vielleicht trieb sie auch die Sorge um ihre gemeinsamen Kinder, die 1995 geborene Sophie Marie und den 1998 geborenen Jakob.

Schatten der Stasi-Vergangenheit

Susanne Lothar war es gewohnt zu kämpfen, sie hat gemeinsam mit ihrem Mann die Schmähungen ertragen, als er sich öffentlich mit seiner Exfrau Jenny Gröllmann über deren Stasi-Vergangenheit gestritten hat, sie hat sich um die Stieftochter gekümmert, die heute als Schauspielerin erfolgreiche Anna Maria Mühe, als Gröllmann überraschend gestorben ist. Ab 2007 stand sie allein da – mit drei Kindern und der Erinnerung an ihren Mann. „Ich habe ihn immer bei mir, ihn und die schöne gemeinsame Zeit“, sagte sie.

Man erwartet gern, dass das Zerbrechliche nur wirkt, als sei es zerbrechlich, dass es sich als zäh und stark erweist, und man ist schockiert, wenn es dann doch zerbricht: Am Mittwoch ist Susanne Lothar gestorben, woran, wurde nicht bekannt.

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16 Kommentare

besser nicht

derstandard.at sperrt Todesmeldungen für Kommentare, diepresse.at sollte das auch tun.

Falschinfo!- bitte genauer recherchieren !

In "Funny Games" wird nur ein Sohn von den Sadisten getötet, der Ehemann wird noch an Land getötet und sie selbst wird bei einer Segeltour gefesselt über Bord geworfen und ertrinkt.....ein aufwühlender Film mit einer exzellenten Lothar !

Eine große Filmschauspielerin

Da ich Filmliebhaber bin, ist, nein leider war,
sie für mich primär eine große Film=
schauspielerin. Die in diesem guten Nachruf
geschilderte Szene aus das "Weiße Band" ge=
hört für mich zu den grausamsten der ganzen
Filmgeschichte. Und dies, obwohl kein Blut fließt,
und die Grausamkeit eine rein verbale ist.

Ich möchte noch anmerken, dass die Schluss=
szene aus Funny Games ein wenig anders ist, als sie hier beschrieben wird. Die beiden Täter
segeln mit dem verschnürten Opfer Lothar, die
nur mehr ein geschundenes Bündel Elend ist,
nachdem sie den Tod ihres Kindes und ihres Mannes(Ullrich Mühe) miterleben musste, über
den See. Die beiden jugendlichen Täter unter=
halten sich über Belanglosigkeiten, und werfen so nebenbei, die gefesselte Lothar ins Wasser.

Dieser frühe Tod lässt auf ein tragisches Leben vermuten. (Selbstmord?)
Möge ihre Seele Frieden finden, und ihr An=
gehörigen Trost.


Gast: aufgrund willkürlicher dauerzensur nur mehr ohne nick
26.07.2012 19:12
6 12

Theatralik pur

Ich kann mich wirklich nicht den Lobeshymnen anschließen. Diese Frau erweckete in mir immer den Eindruck einer bevorstehenden Polypenoperation. Diese Frau konnte ich genauso wenig abgewinnen wie der ebenfalls mM nach überschätzten Sunniy Melles (eigentlich eh dieselebe Type). Im Grunde hat sie uchh immer dieseleben Typen gespielt. Naja.und dass ihr Tod ohne die Bekanntgabe des Grundes mitgeteilt wurde, lässt eh nur eines vermiuten.

Arme Kinder, an die diese ach so tolle Schauspielerin definitiv nicht gedacht hat. Aber so sind sie halt, diese "Künstler".

1 4

Re: Theatralik pur

Sie sind ziemlich geschmacklos. Schämen Sie sich.

Re: Theatralik pur

hören sie, das ist ein nachruf, keine kritische auseinandersetzung mit ihrem werk.

möchten sie, wenn es bei ihnen einmal soweit ist, dass man an ihrem grab ihre verdienste würdigt, oder ihnen zu diesem anlass diverse schwachsinnigkeiten wie etwa diesen kommentar anlastet?

Re: Theatralik pur

für den Titel:" Blödestes Posting der Woche" haben Sie meine Stimme! Gratulation

Antworten Gast: nike1245
26.07.2012 21:55
5 6

Re: Theatralik pur

das ist aber nur Ihre Meinung. Behalten Sie diese bitte für sich!!!!!!! Das interessiert niemand. Außerdem ist das pietätlos!

2 3

Traurig, sie ist VIEL zu früh von uns gegangen

R.I.P


Gast: Satyrspiel
26.07.2012 10:43
5 3

Unvergessen

Mein Beileid den Familien!

Nie werde ich eine Szene zwischen Susanne Lothar und Ulrich Mühe vergessen: Im Herbst 1993 spielten die beiden unter der Regie von Dieter Giesing im Akademietheater David Mammets Zweipersonenstück "Oleanna", in dem sie sich auf der Bühne eine regelrechte Schlammschalcht lieferten.
Das Schöne daran war aber, daß die beiden vor und auch nach der Vorstellung dann händchenhaltend am Tisch in der Kantine des Akademietheater saßen und sich gegenseitig liebevoll anlächelten. Dieses Bild werde ich mein Lebtag mit beiden großen Schauspielern verbinden.

Mögen sie in Frieden ruhen und sich wieder so anlächeln wie damals.

Gast: Peter Hofmueller
26.07.2012 10:42
2 5

Schauspielerin Susanne Lothar ,51 jährig,verstorben...

Der auch so frühzeitig verstorbene Ehemann & Ausnahmeschauspieler Ulrich Mühe von Susanne Lothar,war für Frau Susanne Lothar ein besonders tragischer,schmerzlicher Verlust,welcher niemals überwunden werden konnte....
Danke Susanne Lothar& Ulrich Mühe!
Den Kindern, in diesen neuerdings schweren Stunden,soll(te) unser Mitgefühl gelten,auch wenn dies nur ein schwacher Trost ist!

Sie war eine wunderbare Frau und Schauspielerin !

Es tut mir von Herzen leid,dass sie gegangen ist.........

Gast: mozi
26.07.2012 07:39
5 4

Großer Verlust

Sie war eine der besten deutschen Schauspielerinnen, ihre Performance in "Funny Games" sucht ihresgleichen.

Welch großer Verlust

Gast: Nepomuk
26.07.2012 07:24
2 6

Großartige Charakterdarstellerin


Susanne Lothar hat im Film "Das weisse Band" bereits sehr krank ausgesehen.

Ich wußte nicht, daß sie mit Ulrich Mühe verheiratet war.


Antworten Gast: Elisabetha
04.10.2012 17:20
0 0

Re: Großartige Charakterdarstellerin

Wer diese Schauspielerin kannte und schätzte, weiß einigermaßen über ihr Leben bescheid. So weiß man auch, dass sie mit Ulrich Mühe verheiratet war.
Was wird jetzt aus den Kindern. Wo leben sie heute. Sie hätte diese Kinder nicht alleine lassen dürfen. Das verurteile ich.

Man erfährt auch nicht, wo wurde sie begraben? Meine Vermutung ist - bei ihrem
Ulrich.