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Rückkehr nach Wien: Preminger in Hitlers Suite

04.08.2012 | 17:52 |  von Christoph Huber (Die Presse)

Premingers Familie gelang nur knapp die Flucht aus Wien vor dem NS-Regime. Mit dem Film »The Cardinal« erinnert er sich.

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Otto Premingers Rückkehr nach Wien stand unter keinen guten Vorzeichen. 1935 hatte er die Stadt auf Einladung des Fox-Filmstudios und eines Broadway-Theaterproduzenten verlassen, als sein Schiff am 1. Oktober in New York landete, sprach Preminger von seinem „zweiten Geburtstag“. Seine Frau folgte bald, der Rest der Familie entkam dem NS-Regime nur knapp. Wiewohl Jude, wähnte sich Vater Markus nach seiner Justizkarriere sicher. Erst am Tag von Österreichs Anschluss floh Ottos jüngerer Bruder Ingo mit seiner Frau nach Zürich, von wo sie mit Eltern und Kind in die USA weiter fuhren. Otto Premingers Beziehungen halfen beim Erhalt von US-Aufenthaltsgenehmigungen, auch andere NS-Flüchtlinge unterstützte der Regisseur. Ein Vierteljahrhundert später dachte Preminger zweifellos an die Zeit zurück, als er „The Cardinal“ (1963) annoncierte: ein Meisterwerk seiner Monumentalphase, die Geschichte eines Priesters, der während seines Aufstiegs bis in den Vatikan eine Serie von Krisen durchläuft.


Interventionen beim Dreh. Bei der Adaption von Robert Doziers dickem Erfolgsroman fügte Preminger bezeichnenderweise eine Episode über den Wiener Erzbischof Kardinal Innitzer und dessen Zustimmung zum Anschluss ein. Innitzer war am 8. Oktober 1935 unter den Premierengästen von Premingers letzter Josefstadt-Inszenierung, dem Jesuitenstück „Die erste Legion“. Bei „The Cardinal“ hatte Preminger schon mit Interventionen des New Yorker Erzbischofs Kardinal Spellman zu kämpfen, der sich im Roman wiederzuerkennen meinte. Aber die wirklichen Probleme begannen mit der Ankunft in Wien im März 1963.

Preminger kicherte nur einmal: als er sich Hitlers bevorzugte Suite im Hotel Imperial buchen ließ. Dann wurden vorab zugesagte Drehorte verweigert. Die Hakenkreuzflagge am Stephansdom hissen? Unmöglich! Erst sollte der Zugang ganz verwehrt werden, weil der geschiedene Curd Jürgens Innitzer spielte. Josef Meinrad übernahm dann die Rolle – und war brillant, obwohl er die englischen Dialoge nur phonetisch antrainiert bekam.

Indessen sperrte Unterrichtsminister Heinrich Drimmler den Zugang zur Nationalbibliothek: „Endlich ist Gras über das Böse von 1938 gewachsen, und jetzt kommt dieses Kamel und verschlingt es.“ Preminger bilanzierte später: „Er wollte, dass diese Zeit vergessen bleibt, aber wenn man sie vergisst, könnte sie sich wiederholen. Ich liebe Berlin und Norddeutschland, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Süden, Bayern und Österreich völlig geheilt sind.“ Später würde er selbst die erste Hälfte des Satzes revidieren: Als Preminger für „Rosebud“ (1975) in Berlin drehte, erinnert sich Darsteller Klaus Löwitsch, sei er mit der Erwartung nach Deutschland gekommen, „den Nationalsozialismus vorzufinden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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