Gleich vorweg, nicht zuletzt da das Magazin der „Zeit“ unlängst eine Debatte über die (Un-)Sichtbarkeit des männlichen Geschlechtsteils in der Popkultur losgetreten hat: Auch in „Magic Mike“ sind keine Penisse zu sehen. Den Regie-Tausendsassa Steven Soderbergh zieht es aber auch aus ganz anderen Gründen ins tiefe Tal der Knackärsche. Die durchwegs gut gebauten – und wohl ebenso gut bestückten – männlichen Stripper, die ihr weibliches Publikum allnächtlich mit nackten Körpern und rhythmischen Stoßbewegungen in Ekstase versetzen, sind für ihn Glückssucher, klassische amerikanische Träumer.
Verwurzelt ist die Story in den Erfahrungen von Hauptdarsteller Channing Tatum: Er verdiente sich mit 19 als Stripper sein Geld. In Soderberghs Drama ist er jetzt „Magic Mike“, ein optimistischer Entrepreneur, dessen straffer Hintern seine anderen Unternehmungen mitfinanziert und ihn letztlich in monetäre Unabhängigkeit geleiten soll. Ihm zur Seite steht der 19-jährige Tagelöhner Adam (Alex Pettyfer): Er driftet orientierungslos durchs Leben, bis er von Mike auf die Bühne gelockt wird und mit seinem bübischen Schmäh die Zuschauerinnen verzückt. Schnell erliegt er den Verlockungen der Branche: schnelles Geld, willige Frauen, billige Drogen. In nur wenigen Monaten wird er zum berechnenden, gefühlskalten Managertypen.
Weder Schmäh noch Furor
Man kann sich kaum entscheiden, was einen an Soderberghs einfältiger Geschichte mehr ärgert – dass er das Stripper-Milieu, wie Dutzende vor ihm, als verroht und tendenziell ekelhaft beschreibt, dass er darin eine konventionelle, langweile Abstürzler-Biografie zeichnet oder dass er die männlichen Körper mit ebenso viel Leidenschaft einfängt und ästhetisiert, als würde er Bäumen beim Umfallen zusehen. Das ist also der Präzedenzfall für Hollywoods Mainstream – die letzten männlichen Stripper auf der Leinwand waren die grundsympathischen, aber wenig anregenden britischen Arbeiterklassehelden aus „The Full Monty“.
Dass Frauenkörper als verkaufsfördernde Argumente auf Plakate gepflanzt werden, daran hat man sich schon längst gewöhnt. Aber dass ein junger Mann sexualisiert wird, ist nach wie vor eine Tabuzone innerhalb der Traumfabrik. „Magic Mike“ fehlt aber nicht nur die Geilheit, sondern leider auch die Intelligenz. Im Vergleich zum leidenschaftlich verfluchten Stripperinnen-Zentralfilm „Showgirls“ von Paul Verhoeven findet man in Soderberghs lahmer Klischeeparade weder Schmäh in den Dialogen noch Furor in der Inszenierung und schon gar keinen metatextuellen Kommentar. Alles ist ganz einfach: einfach langweilig. Das Beruhigende ist nur, dass daran auch kein Penis im Bild etwas geändert hätte. Ein anderer Regisseur aber schon.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)
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