Auf dem Festivalgelände klafft eine riesige Baugrube, notdürftig bedeckt mit Plastikplanen. Kein wirklich schöner Anblick - gerade wenn am kommenden Mittwoch, dem 29. August, das 69. Internationale Filmfestival Venedig eröffnet wird und ein paar Meter weiter zahlreiche Stars über den roten Teppich schreiten werden. Doch das hat Alberto Barbera nicht abgeschreckt. Der Italiener ist in diesem Jahr als Leiter der venezianischen Filmfestspiele zurückgekehrt - und will zahlreiche Veränderungen durchsetzen. Die Baugrube ist dabei nur eine seiner Baustellen. Erste Neuerungen werden schon in diesem Festivaljahr deutlich, bei dem 18 Filme - darunter Ulrich Seidls "Paradies: Glaube" - im Wettbewerb um den Goldenen Löwen konkurrieren. Der Hauptpreis ist wie die Goldene Palme in Cannes und der Goldene Bär in Berlin an das Stadtwappen angelehnt ist.
Grundlegende Verjüngung
Die Filmfestspiele in Venedig rühmen sich, das älteste Festival der Welt zu sein. 2012 feiern sie, trotz einiger Unterbrechungen in den Anfangsjahren, ihr 80-jähriges Bestehen. Doch die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Die Gebäude sind alt und die Kinos ächzen unter den Anforderungen. "Venedig, das sich bis jetzt im Vergleich mit anderen Festivals am wenigsten entwickelt hat, stehen grundlegende Erneuerungen bevor", kündigte Barbera daher an, der das Festival von 1998 an schon einmal für gut drei Jahre geleitet hat. Neben baulichen Veränderungen rief er schon für dieses Jahr einen Filmmarkt ins Leben. Ein Novum auf dem Lido, aber wichtig für die Geschäfte der finanzstarken Branche.
| Siegerfilme | |
| 2011 | "Faust" von Aleksander Sokurow (Russland) |
| 2010 | "Somewhere" von Sofia Coppola (USA) |
| 2009 | "Libanon" von Samuel Maoz (Israel) |
| 2008 | "The Wrestler" von Darren Aronofsky (USA) |
| 2007 | "Gefahr und Begierde" von Ang Lee (Taiwan/USA) |
| 2006 | "Still Life" von Zhang Ke Jia (China) |
| 2005 | "Brokeback Mountain" von Ang Lee (USA) |
Das erste Mal am Lido
Auch der Wettbewerb, in dem das europäische Kino zahlenmäßig dominiert, lässt Barberas Reformvorhaben erahnen. Der ist nicht nur verschlankt. Die Mehrheit der Filme, die bis zum 8. September um die Gunst der Jury konkurrieren, kommt außerdem von Regisseuren, die zum ersten Mal im venezianischen Wettbewerb vertreten sind. Wie Ramin Bahrani, den der bekannte US-Kritiker Roger Ebert bereits als "den neuen großen amerikanischen Regisseur" bezeichnete.
Die Entscheider
Präsident der Jury ist der US-amerikanische Regisseur und Produzent Michael Mann. Der 69-Jährige drehte Filme wie "Der letzte Mohikaner", "Miami Vice" und "Public Enemies". Neben Mann gehören acht weitere Filmschaffende und Künstler zur Jury, darunter die 34-jährige Laetitia Casta, französisches Model und Schauspielerin. Weitere Jurymitglieder sind der italienische Regisseur Matteo Garrone ("Gomorrha, Reise in das Reich der Camorra") und die Britin Samantha Morton, bekannt als Schauspielerin aus Filmen wie "Cosmopolis" und "Sweet and Lowdown". Auch die in Frankreich geborene Regisseurin Ursula Meier ist dabei. Sie präsentierte in diesem Jahr ihr Drama "L'enfant d'en haut" im Berlinale-Wettbewerb.
Die wichtigsten Filme im Überblick
(Ag.)
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