Ist es eine kleine achtsame Geschichte vom Sterben und von der Liebe im Alter und darüber, worauf kein Mensch in Wahrheit vorbereitet ist? Ist es das letzte bürgerliche Trauerspiel, also ein Spiel zur Rückgewinnung der Fähigkeit zu trauern? Oder ist es ein moralisches Gleichnis über Hingabe, Verantwortung und freien Willen? Diese Fragen stellt der Filmwissenschaftler Georg Seeßlen in einem Werkessay über Michael Hanekes "Amour" ("Liebe"), der heute (Freitag) in den österreichischen Kinos startet. Der Text ist Teil des parallel veröffentlichten Buchs zum Film.
"Liebe. Das Buch" ist die Publikation des Hanser Verlags betitelt, die das Drehbuch enthält ebenso wie Teile des Storyboards, Filmstills mit den Schauspielern Emmanuelle Riva, Jean-Louis Trintignant und Isabelle Huppert sowie den Werkessay von Seeßlen. "Man weiß nicht mehr, als im Drehbuch steht", formuliert Seeßlen, um gleich festzustellen: "Manchmal steht freilich im Drehbuch mehr, als man erwartet." Tatsächlich gibt der österreichische Filmemacher seinem Publikum einen Schlüssel in die Hand und lädt es "in den inneren Raum seiner Arbeit". Und er erlaubt einen weiteren Zugang zu dem Werk, das in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.
(APA)
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