Tarantino vergleicht Sklaverei in Amerika mit Holocaust

08.01.2013 | 14:16 |   (DiePresse.com)

Der Filmemacher sorgte am Rande der Deutschlandpremiere seines Westerns "Django Unchained" mit einem Vergleich für Aufsehen.

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Regisseure à la Lars von Trier sind für die eine oder andere verbale Irritation bei Pressekonferenzen bekannt. Am Rande der Deutschlandpremiere seines neuen Films "Django Unchained" hat Quentin Tarantino mit einer Aussage für medialen Wirbel gesorgt: "Amerika ist für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich: für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels", sagte der 49-Jährige am Dienstag in Berlin.

In seinem neuesten Streifen, der am 18. Jänner in den österreichischen Kinos anläuft, begibt sich - in bewährt-blutiger Tarantino-Manier - der befreite Sklave Django (gespielt von Jamie Foxx) gemeinsam mit einem Kopfgeldjäger (Christoph Waltz) auf die Suche nach Djangos Frau, die von einem Plantagenbesitzer (Leonardo DiCaprio) geschunden wurde.

Die butale Wahrheit

Er habe vor allem eine "aufregende Abenteuergeschichte" erzählen wollen, sagte Tarantino. "Aber sie sollte vor dem Hintergrund der Sklaverei spielen, damit man die Brutalität wirklich sieht, mit der Amerikaner ihre schwarzen Sklaven behandelt haben."

"Django Unchained" ist für fünf Golden Globes nominiert, u.a. auch Christoph Waltz in der Kategorie "bester Nebendarsteller". Ob der postmoderne Western auch eine Chance auf einen Oscar hat, entscheidet sich am 10. Jänner. Dann werden die Nominierungen für die diesjährigen Academy Awards bekannt gegeben.

(APA)

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41 Kommentare
 
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tarantino

wo er recht hat, hat er recht - wird einigen speichelleckern bei uns nicht gefallen.

ui boese boese

es ist doch strengstens verboten, das unvergleichliche zu vergleichen!

Aufarbeitung

Jedes Volk hat Dreck am Stecken. Das liegt in der Natur des Menschen. Der Holocaust ist mit der Sklaverei und der Indianervertreibung durchaus vergleichbar ist aber nicht dasselbe! Allerdings waren alle drei von den selben Motiven getrieben. Macht und Habgier. Die Amerikaner scheuen sich nicht ihre dunkle Vergangenheit in Filmen zu Thematisieren und dadurch Aufzuarbeiten. Da können wir Österreicher die den Adolf ohne Widerstand und jubelnd am Heldenplatz empfangen haben was lernen. Die Geschichten dazu hätten wir ja. Vielleicht würde es dem Gemüt des heutigen Volkes gutes tun.

Re: Aufarbeitung

ich habe ihn nicht empfangen ....

wo soll das noch hinführen?

da wurden so manche amerikaner bereits ihrer illusionen über ihre eigene wohltäterschaft und die ihres staates beraubt, indem hollywood den vietnamkrieg thematisierte (weniger mit rambo II, sondern durch filme wie 'born july 4', 'full metal jacket' und andere)
eine filmische desillusionierung über das 'wir bringen unsere werte nach irak und afghanistan' wird wohl demnächst erfolgen...

und jetzt stellt tarantino auch noch die anständigkeit von sklavenhaltern in frage!

@ tarantino & co: bitte nehmt euren landsleuten nicht auch noch volkshelden wie jim bowie (sklavenhändler, spekulant, säufer, wirtshausschläger, top-indianerkiller, terrorist) weg: ein paar vorbilder braucht auch ein amerikaner!

Englisch

Man sollte jetzt vl wissen das der Begriff im amerikanischen gleichzusetzen ist mit Völkermord...
Und genau das wurde mit den "Indianern" gemacht...
Ein Mord muss nicht mit dem direkten vernichten von Biomasse Zusammenhängen, man kann auch jemandem durch die Beraubung seiner Identität und seiner Kultur ermorden...

Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Habe ich in einem Posting einmal angedeutet....

..ausrotten der Urbevölkerung sowie Ausbeutung durch Sklavenarbeit bis zum Tod....

Und das habe ich den Bibelfesten Amerikanern unterstellt, es wurde immer röter und röter und dann war mein Beitragerl weg.


Re: Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

ja, aber DER holocaust beinhaltete die industrielle(!) Vernichtung von unliebsamen Personen (behinderte, Juden, roma, Sinti, politische Gegner, Homosexuelle...).
DAS kann man niemanden unterstellen, am ehesten noch den Japanern im 2ten Weltkrieg. Wobei für mich persönlich diese "mehr" gewütet haben und noch widerlicher vorgingen als N-Deutschland - sofern man so etwas überhaupt vergleichen kann.

Kann man den USA Völkermord vorwerfen?
Durchaus.
Holocaust?
Glaube ich nicht.

Re: Re: Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Da Blausäuregas zu dieser Zeit unbekannt war, pferchte man die armen Ureinwohner in "Reservate", liess sie verhungern und erfrieren, und die "Indianeragenten" gaben ihnen mit Pokenviren verseuchte Decken.....

Also, wenn das kein Holocaust ist, was ist das dann?


Haben Sie bewußt auf Joseph vergessen?


Re: Re: Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Für mich bleibt Massenmord gleich Massenmord was für kranke Hintergedanken man hat bzw hatte ist dann wohl egal ! Was aber das Erschreckende ist, ist dass es Sklaverei und versuchte Ausrottungen noch immer in großen Teilen der Welt gibt !!

Re: Re: Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

" industrielle vernichtung "

genau das hat in zusammenhang mit urbevölkerung und sklaven stattgefinden.
die industrie war zu dieser zeit allerdings kleiner strukturiert als 100 jahre später. die vernichtung hat daher der zeit entsprechend eher im kleingewerblichen maßstab, dafür mit umso mehr dazu 'berechtigten', stattgefunden.

Re: Re: Re: Der Aussage ist nichts hinzuzufügen.

Bei den afrikanischen Sklaven war die Vernichtung (Tod) aber nicht geplant. Sie wurden einfach nur als billige Arbeitskräfte missbraucht. Der Tod wurde zwar u.a. auch billigend in Kauf genommen, geplant war er aber nie. Denn schließlich brachten nur lebende Sklaven dem Händler und dem Plantagenbesitzer etwas.

Re: <Der Tod wurde zwar u.a. auch billigend in Kauf genommen, geplant war er aber nie>


Außer, der Sklave wurde schwer krank:

[...] Die schwer Kranken wurden lebendig über Bord geworfen. [...]

http://denktag2006.denktag-archiv.de/Ein-unmenschlich-lukratives-Ge.1342.0.html

na das sagen Sie mal einem Afroamerikaner so ins Gesicht


Re: na das sagen Sie mal einem Afroamerikaner so ins Gesicht

Das sind historische Tatsachen und kein political correctness Beliebtheitsbewerb.

Hallo, Aufwachen, Genossen!

Die Zeit des Kalten Krieges ist vorüber und man kann - je nach Gusto - wieder über die Verbrechen der Kapitalisten oder Stalinisten berichten ...

Übrigens: schon in der Antike wurden die Bewohner einer eroberten Stadt von den edlen Römern niedergemacht (Männer) oder in die Sklaverei verkauft (Frauen)!

Im Westen also nichts Neues!

Du meine Güte!

Was soll es dennsonst gewesen sein?
Menschen wurden entrechtet und schlimmer wie Tiere behandelt.
Was soll das bitte denn sein?

Re: Du meine Güte!

holocaust: industrielle Vernichtung mit dem Ziel eine "Rasse" auszulöschen.

Re: Du meine Güte!


So ist das vermutlich von Ihnen und vom Filmemacher gemeint, trotzdem:

Holokaust: vollständige Vernichtung (durch Feuer)
Sklaverei: Wirtschaftliche Ausbeutung

Holokaust und Sklaverei verfolgten unterschiedliche Ziele.
Dass wir heute kaum noch Sklaverei haben, liegt daran, dass es nun andere, noch effizientere Formen der Ausbeutung gibt.

Re: Re: Du meine Güte!

Die Todesraten bei den Sklaven waren sehr hoch, durchaus vergleichbar mit jenen in den KZs. Allein bei der Verschiffung der Sklaven von Afrika nach Nordamerika ist ein Großteil umgekommen und tw. einfach über Bord geworfen worden! Das muß man leider auch dazu sagen!

Re: Re: Re: Du meine Güte!

Je mehr Sklaven lebend ankamen, desto höher war der Profit des Sklavenhändlers. Deswegen waren diese durchaus daran interessiert, dass so viele wie möglich lebend ankamen. Bei den KZs war das hingegen nie so. Dort war die Vernichtung von vornherein vorgesehen.

naja, der Abbau von Sklaven im Afrika war aber nicht so "kapitalintensiv"

ganz egal wieviele umgekommen sind bei der Überfahrt: am Ende stand immer ein wirtschaftliches Plus, weil der Erwerb der Resource als solches nix gekostet hat.

Re: naja, der Abbau von Sklaven im Afrika war aber nicht so "kapitalintensiv"

Es war sicher nicht egal. Der ganze Aufwand rentierte sich sicher erst, wenn wenigstens ein paar Sklaven lebend ankamen. Und je mehr gesund ankamen, desto hoeher die Einnahmen.

Re: naja, der Abbau von Sklaven im Afrika war aber nicht so "kapitalintensiv"

Natürlich hat der Erwerb der "Ressource" was gekostet. Man musste Sklavenjäger bezahlen, bewaffnete Stützpunkte unterhalten (Forts), Schiffe finanzieren und die Sklaven bis zum Verkauf verköstigen.
Geld sah man erst, wenn der lebende Sklave verkauft war.
Nur wenn genügend Sklaven lebendig ankamen gab es ein wirtschaftliches Plus.

Re: Re: Re: Du meine Güte!

"Die Todesraten bei den Sklaven waren sehr hoch, durchaus vergleichbar mit jenen in den KZs."

Nein, waren sie nicht.

 
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