Golden Globes für Christoph Waltz und Michael Haneke

Waltz erhielt den Preis für den besten Nebendarsteller. Michael Hanekes "Amour" wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Ben Afflecks "Argo" wurde zum besten Drama gekürt. "Lincoln" war der große Verlierer.

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Golden Globes für Christoph Waltz und Michael Haneke
Golden Globes für Christoph Waltz und Michael Haneke – (c) AP (Paul Drinkwater / Jordan Strauss)

In der Nacht auf Montag wurden in Los Angeles die Golden Globes vergeben. Sowohl Christoph Waltz als auch Michael Haneke gewannen den begehrten Film- und Fernsehpreis. Spannung kam bereits bei der ersten Kategorie auf: Für seine Darstellung des deutschen Kopfgeldjägers Dr. Schultz in Quentin Tarantinos Western "Django Unchained" erhielt Christoph Waltz den Preis für den besten Nebendarsteller. In dieser Kategorie stach Waltz seine Konkurrenten Alan Arkin, Philip Seymour Hoffman, Tommy Lee Jones sowie Leonardo DiCaprio, der in "Django Unchained" einen sadistischen Plantagenbesitzer verkörperte, aus.

Nur ein Globe für "Lincoln"

Die zum 70. Mal verliehenen Trophäen des Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA), brachten einige Überraschungen und einen klaren Verlierer: Steven Spielbergs Historiendrama "Lincoln" hatte sieben Gewinnchancen, holte aber nur eine einzige Trophäe für Drama-Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis in der Rolle des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln.

Der große Gewinner der 70. Golden Globes-Verleihung heißt wohl Ben Affleck: Der Schauspieler und Filmemacher hat mit seinem Politthriller "Argo" etwas überraschend den Golden Globe für das beste Drama gewonnen. Im Vorfeld galten Steven Spielbergs Historiendrama "Lincoln" sowie Kathryn Bigelows Thriller "Zero Dark Thirty" als Favoriten. Affleck wurde darüber hinaus für die beste Regie ausgezeichnet, eine Kategorie, in der er beim Oscar überraschenderweise nicht nominiert wurde. Insgesamt konnte das Musical "Les Misérables" mit drei Globes die meisten Trophäen einheimsen, "Argo" und "Django Unchained" kamen auf jeweils zwei.

Neben Christoph Waltz konnte auch der österreichische Regisseur Michael Haneke seinen Triumph von 2010 wiederholen. Beide können nun optimistisch auf die am 24. Februar anstehenden Oscars blicken, wo sie (Hanekes "Amour" gleich fünffach) ebenfalls nominiert sind.

Waltz: "Ich habe das nicht erwartet"

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Waltz musste nicht lange warten: Der Globe für die beste Nebenrolle war der erste Preis, der in der Nacht zum Montag bei der von den Komikerinnen Tina Fey und Amy Poehler pointiert moderierten Filmgala im Beverly Hilton Hotel vergeben wurde. "Ich habe das nicht erwartet. Als mein Name aufgerufen wurde, haben meine Knie nachgegeben. Es ist unglaublich", meinte der 56-jährige Wiener, dessen steile internationale Karriere mit Tarantinos "Inglorious Basterds" begonnen hatte, bei den Backstage-Interviews.

Golden Globes 2013: Stars, Sieger und böse Witze

Waltz wirkte bei seiner Rede sichtlich gerührt über den Preis und bedankte sich bei seinen "Django"-Weggefährten wie Leonardo DiCaprio und Jamie Foxx sowie vor allem bei Regisseur Quentin Tarantino, der zu einem späteren Zeitpunkt den Preis für das beste Drehbuch bekam. "Es ist außergewöhnlich. Und, Quentin, Du weißt, dass meine Schuld Dir gegenüber und meine Dankbarkeit keine Worte kennen. Ich meine, Du hast mir diese Rolle anvertraut und mich auf diese Reise mitgenommen... Tatsächlich ist das (der Golden Globe, Anm.) ein gutes Symbol für eine Reise".

Bereits vor drei Jahren hatte der gebürtige Wiener den renommierten US-Preis gewonnen und zwar für seine Rolle des SS-Standartenführers Hans Landa im Tarantino-Streifen "Inglourious Basterds".

Schwarzenegger überreicht Haneke den Preis

Eineinhalb Stunden später war Michael Haneke dran, der sich mit seinem fünffach Oscar-nominierten französischsprachigen Altersdrama "Amour" (Liebe) gegen den französischen Hit "Ziemlich beste Freunde", den norwegischen Historienfilm "Kon-Tiki", dem Cannes-Konkurrenten "Der Geschmack von Rost und Knochen" von Jacques Audiard sowie dem dänischen Film "Die Königin und der Leibarzt" durchsetzen konnte.

Haneke mit Stallone und Schwarzenegger
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Haneke mit Stallone und Schwarzenegger
Haneke mit Stallone und Schwarzenegger – (c) EPA/PAUL DRINKWATER / NBC / HO

Den Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film überreichten Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, die beide Scherze über ihr schlechtes Englisch machten, das sie für diese Kategorie prädestiniere. "Ich habe nie gedacht, dass ich in Hollywood eine Auszeichnung von einem Österreicher bekomme", bemerkte Haneke mit trockenem Humor und bedankte sich bei seiner Crew und seinen Hauptdarstellern Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva: "Ich denke, ohne sie würde ich nicht hier sein. Und wenn dieser Preis in meiner Hand ist, glaube ich: Der Sockel ist vielleicht für mich und mein Team - aber der goldene Globus ist für diese überaus fantastischen Schauspieler."

Auch für Haneke ist es bereits der zweite Golden Globe. Bereits 2010 hatte der österreichische Regisseur für "Das weiße Band" den Preis für den besten fremdsprachigen Film gewonnen, damals war er allerdings für Deutschland ins Rennen gegangen.

Globes für "Les Misérables" und "Silver Linings"

Beste Komödien/Musical-Darstellerin: Anne Hathaway
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Beste Komödien/Musical-Darstellerin: Anne Hathaway
Beste Komödien/Musical-Darstellerin: Anne Hathaway – (c) EPA/PAUL DRINKWATER

Als bester Film in der Sparte Komödie/Musical wurde "Les Misérables" gekürt. Es gewann in der Sparte "Musical/Komödie" ebenso wie die Darsteller Hugh Jackman und Anne Hathaway.

Beste Schauspielerin in einem Filmdrama wurde Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"). Jennifer Lawrence ("Silver Linings Playbook") erhielt den Golden Globe als beste Darstellerin in der Kategorie Komödie/Musical. Die britische Sängerin Adele (24) holte mit dem Bond-Titelsong "Skyfall" den Golden Globe für den besten Filmsong. Und schließlich gingen je zwei der insgesamt 25 Kategorien auch an die TV-Serien "Homeland" und "Girls".

Jodie Fosters lange Rede

Der meiste Applaus des Galaabends galten dem Ex-Präsidenten Bill Clinton und der Gewinnerin des Cecil B. DeMille Ehrenpreises für ihr Lebenswerk, Hollywoodstar Jodie Foster. Etwas eigen fiel der Auftritt der 50-jährigen Schauspielerin aus. In einer siebenminütigen Rede zog ein Resümee über ihre Hollywood-Karriere und sprach auch über Privates - über ihre Homosexualität und ihre langjährige Ex-Partnerin.

"Das hier ist keine Coming-out-Rede, denn mein Coming-out hatte ich schon vor etwa 1000 Jahren, damals im Steinzeitalter", sagte Foster. Sie habe gelernt, ihr Privatleben geheim zu halten, so die Schauspielerin. "Wenn ihr für ein Leben hättet kämpfen müssen, das sich real und ehrlich und trotz aller Hindernisse normal anfühlt, dann würdet ihr die Privatsphäre vielleicht ebenfalls als das Wichtigste bewerten." (Mehr zur Rede hier: Jodie Fosters launiges Outing bei den Golden Globes)

 

Die wichtigsten Gewinner im Überblick: (Link: Die Liste aller Sieger)


- Bestes Filmdrama: "Argo"

- Beste Komödie/Musical: "Les Miserables"

- Bester ausländischer Film: "Amour" (Liebe) (Frankreich, Deutschland, Österreich)

- Beste Regie: Ben Affleck ("Argo")

- Bestes Drehbuch: Quentin Tarantino ("Django Unchained")

- Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Daniel Day-Lewis ("Lincoln")

- Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty")

- Bester Schauspieler Komödie/Musical: Hugh Jackman ("Les Miserables")

- Beste Schauspielerin Komödie/Musical: Jennifer Lawrence ("Silver Linings Playbook")

- Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz (“Django Unchained”)

- Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway ("Les Miserables")

- Beste TV-Serie: "Homeland"

- Beste TV-Serie (Komödie/Musical): "Girls"

(mtp/apa)

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