Golden Globes: Hollywood-Sieg mit Austro-Akzent

14.01.2013 | 18:21 |  CHRISTOPH HUBER (Die Presse)

Die Österreicher Michael Haneke und Christoph Waltz triumphierten bei der Verleihung der Golden Globes. Folgen nun Oscars? Eine spritzige Gala mit österreichischer Note: Arnold Schwarzenegger gab Haneke den Preis!

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Mit dem Golden Globe für Christoph Waltz als besten Nebendarsteller begann die Gala von Hollywoods zweitberühmtestem Preis in der Nacht von Sonntag auf Montag. Anderthalb Stunden später durfte sich der zweite nominierte Österreicher über den Globe freuen: Michael Haneke nahm die Trophäe für den besten ausländischen Film für sein französischsprachiges Kammerspiel „Amour“ entgegen.

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Nun steigt die Spannung, ob ein doppelter Austro-Erfolg bei den Oscars Ende Februar möglich ist: Waltz ist als bester Nebendarsteller nominiert, „Amour“ gar in fünf Kategorien (siehe Kasten).

 

Haneke mit zwei Action-Ikonen

Zum zweitberühmtesten Filmpreis Hollywoods lässt sich heuer jedenfalls in aller Bescheidenheit bilanzieren, dass er einen entschiedenen österreichischen Akzent aufwies. Es war ein Coup, den Auslands-Globe von den Action-Ikonen Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone überreichen zu lassen. Schwarzenegger, dessen unüberhörbarer steirischer Akzent längst zum Markenzeichen wurde, wechselte gleich in die deutsche Sprache: Stallone und er selbst seien ja für ihr schlechtes Englisch bekannt – daher dafür prädestiniert, diese Kategorie zu moderieren!

„Ich kann nicht so schlecht sein wie du“, witzelte Stallone mit, „du bist wirklich schlecht. Wie lang bist du schon hier?“ Unbeeindruckt verlas Schwarzenegger den Gewinner (was eher nach „Amohr“ als „Amour“ klang) – der überglückliche Haneke ließ sich bei der Dankesrede auch nicht lumpen, was den heimischen Akzent betrifft. „Ich habe nie gedacht, dass ich eine Auszeichnung in Hollywood von einem Österreicher bekomme“, sagte er lachend. Er dankte der Auslandspresse, seinem Promoter und allen am Film Beteiligten, besonders den Hauptdarstellern Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva. Mit Blick auf seinen Golden Globe erklärte er: „Der Sockel ist vielleicht für mich und mein Team – aber der goldene Globus ist für diese überaus fantastischen Schauspieler.“

 

Waltz musste „Luft schnappen“

Auch Waltz war sichtlich überrascht. „Lasst mich erst mal Luft schnappen“, sagte der Schauspieler, als er den Preis entgegennahm, zeigte sich dann vor allem seinem Regisseur Quentin Tarantino erkenntlich: „Du weißt, dass meine Schuld dir gegenüber und meine Dankbarkeit keine Worte kennen.“

Sonst verlief die 70.Golden-Globe-Gala erheiternd, dank spritziger Moderation der Komikerinnen Tina Fey („30 Rock“) und Amy Poehler („Parks and Recreation“). Eingangs scherzte Fey zur Folterkontroverse um Kathryn Bigelows Osama-Film „Zero Dark Thirty“: „Wenn es um Folter geht, vertraue ich einer Lady, die drei Jahre mit James Cameron verheiratet war.“ Bigelow lachte mit, ihr Film musste sich allerdings mit dem Dramadarstellerinnenpreis für Jessica Chastain begnügen. Auch Steven Spielbergs „Lincoln“ – hier wie bei den Oscars nach Nominierungen führend – erhielt nur den Dramadarsteller-Globe für Daniel Day-Lewis in der Titelrolle.

Heimlicher Sieger war Ben Afflecks Geiselnahmethriller „Argo“, prämiert als bester dramatischer Film und für die beste Regie (siehe unten). Die meisten Preise gingen an das Musical „Les Misérables“ – die Globes trennen in Hauptkategorien zwischen Drama und Komödie oder Musical: „Misérables“ setzte sich in letzterem Genre als bester Film und beim besten Hauptdarsteller (Hugh Jackman) durch, Anna Hathaway wurde beste Nebendarstellerin. Tarantinos Drehbuchpreis verhalf auch „Django Unchained“ zu zwei Globes, beste Komödiendarstellerin wurde Jennifer Lawrence für „Silver Linings“. Ebenfalls vergeben wurden Globes für die beste TV-Arbeit: Die Terrorserie „Homeland“ siegte als bestes Drama und bei den Hauptdarstellern (Claire Danes, Damien Lewis).

Vom Globe zum Oscar

Bei der Oscar-Gala am 24. Februar ist Christoph Waltz auch als bester Nebendarsteller nominiert, gleich fünf Mal ist es Hanekes „Amour“: bester Film, Haneke für Regie und Drehbuch, die Aktrice Emmanuelle Riva – und bester fremdsprachiger Film. 2010 gewann Waltz Globe und Oscar als Nebendarsteller, Haneke ging aber beim Auslandsoscar leer aus, obwohl er die Kategorie bei den Globes gewann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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2 Kommentare

Ich freue

mich sehr über die Globes und Nominierungen für Waltz und Haneke. Aber lassen wir die Kirche im Dorf. Beide sind in Ö geboren, aber ihr Handwerk haben sie ausserhalb Ö erlernt. Also der Jubel über möglichen Doppeloscar FÜR Ö ist m. E. etwas weit gegriffen.

Re: Ich freue

mich nicht, es ist mir vollkommen egal.

Und jetzt?

Wo jemand sein Handwerk lernt ist völlig irrelevant. Außerdem hat der Waltz sein Handwerk am Reinhardt Seminar in Wien gelernt.

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