Krieg, Kinder, Konföderierte: Der Guide zu Steven Spielbergs ''Lincoln''

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Steven Spielbergs "Lincoln" beschäftigt sich mit den letzten Lebensmonaten des legendären US-Präsidenten. Der Handlung kann man zwar ohne genauere Kenntnis der Geschichte der USA folgen. Ein bisschen Hintergrundinformation schadet aber nicht – DiePresse.com liefert den (spoilerfreien) Leitfaden zum Oscar-nominierten Film. (Text: her)

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11 Kommentare

Die Verbrecher von 1848

Die es ja bei uns Gott sei Dank nicht geschafft haben, sassen in allen Scluesselpositionen der verbrecherischen Nordstaatenarmee.

Egal

seit den Amistad Prozessen war klar, dass die Weichen auf eine finale Auseinandersetzung gestellt waren. Da war dann Onkel Toms Hütte oder John Brown nur mehr der Schnittlauch auf der Suppe.

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Da fällt mir doch noch etwas ein

Aus einem der berühtmen Rededuelle zwischen Lincoln und Douglas: "I will say then that I am not, nor ever have been in favor of bringing about in any way the social and political equality of the white and black races, that I am not nor ever have been in favor of making voters or jurors of Negroes, nor of qualifying them to hold office, nor to intermarry with white people; and I will say in addition to this that there is a physical difference between the white and black races which I believe will for ever forbid the two races living together on terms of social and political equality. And inasmuch as they cannot so live, while they do remain together there must be the position of superior and inferior, and I as much as any other man am in favor of having the superior position assigned to the white race."
Das ist ein wörtliches Zitat aus Lincolns Rede. Würde ich es sinngemäß übersetzen, fiele das wohl unter Verhetzung.

Re: Da fällt mir doch noch etwas ein

Es ist sowieso verrückt, Lincoln als Sklavenbefreier zu feiern. Die Gettysburg Adress ist zwar ein Faktum, aber alle amerikansichen Schüler wissen, dass die Frage der Sklaverei für Lincoln nur Mittel zum Zweck war.
Es gab genügend Kompromissangebote um den Bürgerkrieg zu vermeiden, aber Lincoln sah im Waffengang die einzige Möglichkeit, das Auseinanderdriften der Union zu verhindern. Kalifornien wollte die Unabhängigkeit, Utah sowieso und die Südstaaten wollten aus ökonomischen Gründen aus der Union austreten. Weitere politische Kompromisse konnte sich Lincoln nicht leisten, im Gegenteil: er plante bewusst den Schritt zurück und provozierte mit der Entsatzungsflottille für Fort Sumter bewusst und absichtlich den Süden. Ihm war vollkommen bewusst, dass der Krieg damit unausweichlich sein musste, aber seine Berater hatten ihm vorgegaukelt, dass dieser innerhalb von 30 Tagen mit geringen Verlusten für den Norden beendet sein wird. So berief man die ersten Rekruten nur für diese veranschlagten 30 Tage ein. Die 1. Schlacht bei Bulls Run wurde noch in Washington als Theaterspektakel proklamiert wo man sich möglichst viele Zuschauer wünschte. Viele Washingtonians fuhren mit den Kutschen und Essenskorb nach Manassas um der Schlacht beizuwohnen. Der Süden (Stonwall Jackson) gewann, war aber zu schwach die vollkommen in Panik geratenen Unionstruppen nach Washington zu verfolgen.
Spätestens da ging Lincoln ein Licht auf und aus den 30 Tagen wurden genau 4 Jahre mit 600 000 Toten.

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Da fehlt doch etwas

Ein wichtiges Dokument ist die Antrittsrede Lincolns. Interessant ist die Haltung, die er darin zur Sklaverei vertreten hat. So sagt er etwa in Absatz 29 zum Entwurf eines Verfassungszusatzes, der jegliche Einmischung der Bundesregierung in die Sklavereigesetze der Einzelstaaten verboten hätte, er habe keine Einwände dagegen, diese Regelung unabänderlich zu gestalten.
Dass der angebliche Sklavereigegner Lincoln sich dafür ausspricht, die Sklaverei u. U. bis in alle Ewigkeit festzuschreiben, sieht schon etwas merkwürdig aus. Wüßte gerne, wie die Lincoln-Biographen DAS weginterpretiert haben.

Re: Da fehlt doch etwas

Lernens vom Adenauer: was interessiert mich mein Pofel von gestern!

Also

Wenn man schon mit historischen Daten herumschmeißt, dann bitte richtig.
1) Gen. Lee wollte nie Gettysburg erobern oder besetzen. Er wollte den Bahnknotenpunkt Harrisburg (Pen.) erobern, aber viele seiner Soldaten brauchten Schuhe und in Gettysburg gab es eine Schuhfabrik.
2) Die beiden Armeen kollidierten daher eher zufällig. Davon zeugen auch die Anfangserfolge des Südens am 1. Juli 1863. Die Unionsarmee war noch vollkommen unorganisiert und verzeichnete an diesem Tag herbe Verluste. Unter anderem verloren sie Gen. Reynolds gleich am ersten Tag.
3) Über Nacht verstärkte sich der Norden und Gen. Meade formte den berühmten Hufeisen - Verteidigungswall, der von den Armeen unter Gen. Steward (Konföderierte Kavallerie) oder Gen. Longstreet nicht geknackt werden konnte. Gerade Longstreet, der nie diese Schlacht mochte agierte sehr passiv, als er von Lee den Befehl bekam, Little Round Top - einen kleinen Hügel im Süden des Battlefields zu erobern. 5 Mal rannte Longstreet mit seiner Armee an, aber viel zu zaghaft, wie viele Historiker meinen. Hätte er diesen Hügel erobert, hätte man von dort aus mit der Artillerie das gesamte Lager Meads bestreichen können und die Schlacht wäre zu Gunsten des Südens entschieden gewesen.
4) Am letzten Tag gab es noch einen Verzweiflungsangriff (Pickett's Charge)des Südens. Lee wollte den Sieg, um England auf die Seite des Südens in den Krieg zu bewegen. Dieser Angriff verlief desaströs.

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Re: Also

In Wirklichkeit hat Meade die Schlacht von Gettysburg nur deshalb gewonnen, weil er so lange abwesend war. Seine Untergebenen hatten dadurch mehr Handlungsfreiheit und haben sie auch genutzt.
So unorganisiert waren die Unionstruppen am ersten Tag gar nicht. Buford hatte eine gute Verteidigungsstellung, die er halten konnte, bis Reynolds mit dem 1. Korps herbeigeeilt war. Gemeinsam mit dem 11. Korps konnten die Unionstruppen die Stellung lange genug halten um die Konföderierten von den Anhöhen fernzuhalten. Das war die Verluste, die v.a. das 11. Korps erlitt, wert.
Ewells und Hills Korps hatten im übrigen auch recht unangenehme Verluste.
Dass Longstreets Truppen "zaghaft" vorgingen, hing damit zusammen, dass sie zuerst einen ganzen Tag lang in der Julisonne hatten marschieren und dann - bergauf - angreifen müssen. Im Vorübergehen haben sie aber immer noch das III. Korps der Union in die Flucht geschlagen.

Re: Re: Also

Gettysburg war eine Zufallsschlacht, wie ich schon ausführte. Es fing schon damit an, dass weder Lee noch Meade vom Beginn an dabei waren. Als Lee sein Hauptqurtier (heute eine kleine Pension in Gettysburg) bezog, verlangte er nach Steward. Die Kavallerie war das Auge der Armee und sollte geographische Besonderheiten und die Stärke des Gegners erkunden. Aber Steward war nicht da. Er ritt irgendwo unkoordiniert in der Geegend herum. Lee wusste also nicht über das Gelände Bescheid, was dem Taktiker und Strategen - wahrscheinlich der beste, den die US Army jemals hervorgebracht hatte und hervorbringen wird - vollkommen gegen den Strich ging. Wie gesagt, er wollte Harrisburg und in weiterer Folge Philadelphia. Darüber wusste er genau Bescheid, aber er wusste nichts von Gettysburg." Where is Steward, bring him to me" schrie er. Das einzige Mal, dass laute Worte von Lee verbrieft sind.
Das war auch ein Grund, warum Chamberlain mit seinen 350 Mann aus Main vor den Konföderierten Little round Top besetzen konnten.
Als nun der Befehl erging, diesen Hügel zu erobern, griff Longstreet zuerst nicht mit voller Truppenstärke an, dann kam ihm das III Unions Korps dazwischen, dann waren seine Leute schon extrem ausgepowert und Chaimberlain wagte den Ausbruch. Mit 350 Mann griff er bergab Longstreets Armee an und konnte den Hügel halten und schliesslich kam ihm die Dunkelheit zu Hilfe. Den Auftrag, doch einen Waldbrand am Fusse des Hügels zu legen, lehnte Longstreet ab. (unmilitärisch!)

Re: Re: Re: Also

Ausserdem hatte zwar Meade die Schlacht um Gettysburg insofern entschieden, dass Lee seinen Plan aufgeben musste, Harrisburg zu erobern, aber Meade - den man auch den Zauderer (oder auch Turtle = Schildkröte, wenn man sein Gesichtsprofil ansah) nannte) Verabsäumte es, Lees Armee effektiv zu verfolgen und ihr tatsächlich den Todesstoss zu versetzen (unbedeutende und vollkommen zögerlich vorgetragene Angriffe gegen Lees Invasionsarmee bei Bristoe und Mine Run waren das einzige, was er wagte), was wieder Lincoln derart erboste, dass er Meade absetzte und im März 1864 durch General Grant ersetzte.

wer sich

ein wenig mit dem amerikanischen bürgerkrieg und den folgen beschäftigt hat, weiss bescheid.

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