Krieg, Kinder, Konföderierte: Der Guide zu Steven Spielbergs ''Lincoln''

Steven Spielbergs "Lincoln" beschäftigt sich mit den letzten Lebensmonaten des legendären US-Präsidenten. Der Handlung kann man zwar ohne genauere Kenntnis der Geschichte der USA folgen. Ein bisschen Hintergrundinformation schadet aber nicht – DiePresse.com liefert den (spoilerfreien) Leitfaden zum Oscar-nominierten Film. (Text: her)(c) EPA (DAVID JAMES / SMPSP / DREAMWORKS)

"Lincoln" spielt gegen Ende des Sezessionskriegs, auch Amerikanischer Bürgerkrieg genannt. Von 1861 bis 1865 währte der militärische Konflikt zwischen den aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen Südstaaten (der Konföderation) und den in der Union verbliebenen Nordstaaten. Die Kriegsdauer überschneidet sich fast genau mit Lincolns Amtszeit.

Im Bild: Lincoln Memorial, Washington(c) EPA (MICHAEL REYNOLDS)

Der 16. Präsident der USA, ein Republikaner, regierte vom 1861 bis zu seiner Ermordung 1865. In die Rolle des legendären Präsidenten mit dem Spitznamen "Honest Abe" schlüpfte Daniel Day-Lewis, der als Favorit auf den Oscar für den besten Hauptdarsteller gilt. Insgesamt ist "Lincoln" zwölf Mal nominiert.(c) EPA (JUANJO MARTIN)

Nach der Wahl Abraham Lincolns zum Präsidenten 1860 traten die meisten Südstaaten aus den Vereinigten Staaten aus. Sie bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika mit 13 Sternen am Banner, die für 13 Bundesstaaten standen. Die Sezession (Abspaltung) begann mit South Carolina, es folgten Mississippi, Florida, Alabama, Georgia und Louisiana sowie Texas, Virginia, Tennessee, Arkansas und North Carolina. Sie erhoben auch Anspruch auf Missouri und Kentucky (Stern zwölf und dreizehn), die jedoch auf beiden Seiten kämpften.(c) AP (JOHN BAZEMORE)

Präsident des neuen Staatenbundes der Konföderierten wurde 1861 Jefferson Davis, vormals Senator von Mississippi. Vizepräsident war Alexander Hamilton Stephens (in "Lincoln" gespielt von Jackie Earle Haley). Als Hauptstadt fungierten nacheinander Montgomery (Alabama), Richmond (Virginia) und Danville (Virginia).
Zur Union, also den Nordstaaten, gehörten 20 Staaten und fünf Staaten an der Grenze zum Süden, in denen die Sklaverei weiterhin erlaubt war.(c) Wikipedia

Einen ersten Schritt in Richtung Abschaffung der Sklaverei hatte es bereits mit der Emanzipations-Proklamation (Emancipation Proclamation) gegeben: Das Dekret sicherte Schwarzen in den Konföderierten Staaten zu, ab dem 1. Januar 1863 "fortan und für immer frei" zu sein.
Strategisch wichtig: Schwarze konnten in die Unions-Streitkräfte eintreten. Bis zum Ende des Krieges machten mehr als 180.000 Schwarze davon Gebrauch. Sie kämpften in segregierten Einheiten – für weniger Sold und unter dem Befehl weißer Offiziere.(c) REUTERS (TIM SHAFFER)

Der 13. Zusatzartikel (13th Amendment) zur Verfassung der Vereinigten Staaten schaffte die Sklaverei auf dem gesamten Gebiet der USA endgültig ab. Die Verfassung wurde seit 1787 um 27 neue Artikel erweitert. Heute heiß diskutiert: Der 2. Zusatzartikel, der es verbietet, das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen einzuschränken.

Szenenbild aus ''Lincoln''(c) AP (David James)

Damit der 13. Zusatzartikel verabschiedet werden konnte, war eine Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus notwendig. Dem 38. Kongress der USA gehörten 52 Senatoren an, 184 Abgeordnete im Repräsentantenhaus sowie 10 Mitglieder ohne Stimmrecht. Das Repräsentantenhaus bestand aus 84 Republikanern, 72 Demokraten, zwei Abgeordnete der Unabhängigen Republikanern, neun der Unionisten (eine Republikaner-Variante) sowie 16 der Unconditional Union Partei.
Im Bild: Lincolns erste Angelobung 1861(c) AP

Als entscheidender Wendepunkt des Krieges gilt die Schlacht von Gettysburg, eine der blutigsten Schlachten auf dem Kontinent: Am 1. Juli 1863 wollten die Konföderierten bei der Kleinstadt Gettysburg in Pennsylvania einmarschieren. Am 3. Juli erlebten sie eine herbe Niederlage. Militärhistoriker gehen von 7000 bis 8000 Toten, circa 10.000 Vermissten und 27.000 Verwundeten aus.(c) EPA (CHRIS GARDNER)

Bei der Einweihung des Soldatenfriedhofs Gettysburg hielt Lincoln seine berühmteste Rede, die "Gettysburg Address": In zweieinhalb Minuten proklamierte er die Aufhebung der Sklaverei zum endgültigen Kriegsziel. Sie wird heute noch gern zitiert: "This nation, under God, shall have a new birth of freedom – and that government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth." (c) EPA (MICHAEL REYNOLDS)

Die Familie Lincoln

Nach einigem Hin und Her heiratete Abraham Lincoln 1842 Mary Todd (gespielt von Sally Field, im Bild), die aus einer reichen Familie aus Kentucky stammte.
Das Paar hatte vier Söhne, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erreichten:
Robert, der Älteste (Joseph Gordon-Levitt), studierte in Harvard Jus.
Edward, der zweite Sohn, starb im Kleinkindalter.(c) Centfox

Tragisch war das Schicksal von William Wallace, genannt Willie: Mit elf Jahren erkrankte er an Typhus und starb am frühen Morgen des 20. Februar 1862. Seine Eltern waren in tiefer Trauer.
Erkrankt war auch der jüngste Lincoln-Sproß Thomas, genannt Tad (Gulliver McGrath, im Bild). Er überlebte.

Die Lincolns galten als wenig streng – und die jüngeren Söhne waren bekannt dafür, das Weiße Haus als Spielplatz zu nutzen und auch in Besprechungen zu platzen.(c) Centfox

Who is Who?

Der Abgeordnete Thaddeus Stevens war einer der vehementesten Gegner der Sklaverei. Als Rechtsanwalt verteidigte Stevens geflohene Sklaven und half weggelaufenen Sklaven, nach Kanada zu gelangen. Zunächst gehörte er der Föderalistischen Partei an, wechselte dann zur Anti-Freimaurer-Partei, danach zu den Whigs (denen auch Lincoln angehört hatte). Als Whigs-Mitglied wurde er 1848 auch ins Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt. Zuletzt war er Republikaner.
Er wird gespielt von Tommy Lee Jones (im Bild)(c) Centfox

Ulysses S. Grant

Ulysses Simpson Grant, der 18. Präsident der Vereinigten Staaten (von 1869-1877) und somit einer von Lincolns Nachfolgern, war im Sezessionskrieg General der Nordstaaten und Oberbefehlshaber der United States Army. Lincoln verteidigte seinen Parteifreund gegen Kritiker.
Wird gespielt von Jared Harris, den Serienfans aus "Mad Men" kennen dürften. (c) AP

William H. Seward

Ab 1861 Außenminister Lincolns. Auch ihn plante die Verschwörergruppe um Lincoln-Mörder John Wilkes Booth zu ermorden. Lewis Powell stach ihn in seinem Schlafzimmer nieder. Seward überlebte schwer verletzt.
1867, also nach Lincolns Tod, war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass die USA Alaska kauften – der russische Zar Alexander II. gab das Gebiet um 7,2 Millionen US-Dollar her. Der Kauf wurde als "Seward’s folly" (Sewards Dummheit) verspottet. Später war man froh darüber, dass Russland nicht von der Haustür begann.
Gespielt von David Strathairn (c) Wikipedia

George Helm Yeaman

Der Kongressabgeordnete aus Kentucky war bei der Wahl 1864 dem demokratischen Gegenkandidaten unterlegen und schied folglich im März 1865 aus dem Kongress aus. Er konnte also noch über den 13. Verfassungszusatz abstimmen – und ist in Spielbergs "Lincoln" das Zünglein an der Waage.
Gespielt von Michael Stuhlbarg, im Bild(c) REUTERS (© Finbarr O'Reilly / Reuters)

Fernando Wood

Der ehemalige Bürgermeister von New York war Demokrat und zählte zu den sogenannten "Copperheads", den vehementen Kriegsgegnern. Ihr Name leitet sich von einer Giftschlage, dem nordamerikanischen Kupferkopf, her.
Gespielt von Lee Pace(c) Wikipedia

Andrew Johnson

Bis zur Ermordung Lincolns war Andrew Johnson Vizepräsient, dann rückte der Demokrat ins Präsidentenamt auf und regierte bis 1869 – also dem regulären Ende von Lincolns zweiter Amtszeit. Er ist heute weit weniger bekannt als sein Vorgänger. Erstens kam ihm die undankbare Aufgabe des Wiederaufbaus nach dem Krieg zu. Zweitens gab es gegen ihn das erste Impeachment (Amtsenthebungsverfahren) vor dem Senat gegen einen US-Präsidenten. Ihm wurde die Missachtung der Rechte des Kongresses vorgeworfen, aber er wurde nicht des Amtes enthoben.
Im Film kommt Johnson nicht vor. (c) Wikipedia

Preston Blair

Francis Preston Blair, ein einflussreicher Journalist und später Politiker, vermittelte zwischen Lincoln und den konföderierten Führern, zu denen er enge persönliche Beziehungen hatte.
Sein Sohn Francis Preston Blair, Jr. War Generalmajor der Unionsarmee während des Sezessionskrieges.
Gespielt wird Francis Preston Blair von Hal Holbrook (zweiter von links)(c) AP (David James)

Abraham Lincoln war bekannt (und gefürchtet) für seine Anekdoten, darum schließen wir auch mit einer merkwürdigen kleinen Geschichte: Der Bruder von Lincoln-Mörder John Wilkes Booth, Edwin Booth war nicht nur als Schauspieler in der Rolle des Königsmörder bekannt, er hatte der Familie Lincoln auch einen Dienst erwiesen. Edwin Booth rettete Lincolns Sohn Robert das Leben, als dieser 1863 auf einem Bahnsteig in Jersey City zwischen zwei Züge geraten war. Das nennt man dann wohl Ironie der Geschichte.(c) AP (Anonymous)
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