Filmfestival Rotterdam: Tiger für Regisseur Daniel Hoesl

02.02.2013 | 11:47 |   (DiePresse.com)

Es ist der erste Tiger Award für einen Österreicher seit 15 Jahren, als Stefan Ruzowitzkys "Die Siebtelbauern" ausgezeichnet wurde.

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Der österreichische Regisseur Daniel Hoesl hat mit seiner Punk-Parabel "Soldate Jeannette" einen der drei Hauptpreise beim Filmfestival von Rotterdam gewonnen. Der österreichische Film schwimmt damit weiter auf der Erfolgswelle: Wenige Wochen nach den Europäischen Filmpreisen und dem Golden Globe für Michael Hanekes "Amour" (Liebe) und nur sechs Tage nach dem Max Ophüls Preis für "Der Glanz des Tages" vom Regieduo Tizza Covi und Rainer Frimmel gewann Hoesl den ersten österreichischen Tiger Award seit 15 Jahren. Damals war Stefan Ruzowitzkys "Die Siebtelbauern" beim Festival in Rotterdam prämiert worden.

Eine Woche nach der Uraufführung beim Sundance Festival in Park City, wo dem Film von der Kritik bereits Rosen gestreut wurden, erhielt die Independent-Produktion am Freitagabend von der Jury in Rotterdam also einen Tiger Award zugesprochen, wie das renommierte Festival am Samstag bekannt gab. Hervorgehoben wurden dabei "die starke Bildsprache und die visuelle Kraft" des Films.

Schauspieler konnten nicht bezahlt werden

Im Vorfeld der Festivals von Sundance und Rotterdam hatte sich Hoesl schon damit zufrieden gezeigt, "dass wir den Film gemacht haben". Der Regisseur, der auch für Ulrich Seidl arbeitet, und seine Mitstreiter - Kameramann Gerald Kerkletz, Produzentin Katharina Posch und Regieassistentin Eva Hausberger - konnten schließlich weder Schauspieler noch Schauplätze noch sich selbst oder die Crew adäquat bezahlen.

In kleineren Rollen sind bekannte Figuren wie der ehemalige Kunsthallenleiter Gerald Matt, der Künstler Thomas Draschan oder der Autor Josef Kleindienst zu sehen, in den Hauptrollen spielen Johanna Orsini-Rosenberg und Christina Reichsthaler. Der Film wird hierzulande erstmals im Rahmen der Diagonale, dem Festival des österreichischen Films in Graz, zu sehen sein und kurz darauf im Kino anlaufen. Als nächste Festivalstation steht bereits das internationale Filmfest in Göteborg fest.

"Film gemacht, weil wir etwas zu sagen haben"

Am Tag nach der Verleihung zeigte sich Hoesl bescheiden. Der Gewinn eines der drei Hauptpreise beim Filmfestival von Rotterdam bedeute vor allem, dass die Arbeit des Teams und der Schauspieler gewürdigt werde und der Preis dem Film Publikum verschafft. Dennoch solle man nicht die anderen Filmemacher vergessen, "die auch ganz tolle, ganz radikale Filme gemacht haben. Die verdienen ihr Publikum genauso."

"Wir haben mit gar nichts gerechnet", sagte Hoesl. "Wir haben den Film nicht gemacht, weil wir Erfolg haben wollten, sondern weil wir etwas zu sagen haben." In "Soldate Jeannette" will der junge Regisseur "den Preis des Geldes" hinterfragen. "Und wenn es gerade um Wettbewerbe geht: Wir wollen auch den Wettbewerb unter uns Menschen infrage stellen. Scheitern ist in unserer Gesellschaft nicht erlaubt." Hoesl hält jedoch fest: "Auch wenn wir diesen Erfolg nicht hätten, würde das an unserer Philosophie nichts ändern."

65.000 Euro Budget

Mit jenen 65.000 Euro Budget, das er für "Soldate Jeannette" zur Verfügung hatte, habe er zur Hälfte das Team bezahlt. "Nach einem kommunistischen Prinzip, wo die Gagen nach oben gedeckelt waren", so Hoesl. "Die Köchin hat genauso viel bekommen wie ich". Der nunmehrige Preis und das damit verbundene Preisgeld von 15.000 Euro schaffe "uns Luft, um weiterzumachen". Grundsätzlich sei er ein Freund des österreichischen Fördersystems, die Rahmenbedingungen würden es Regisseuren wie ihm, die ohne fertiges Drehbuch arbeiten, jedoch schwer machen. Seine internationalen Erfolge würden hoffentlich dazu beitragen, dass er künftig weiterhin seinen eigenen Weg gehen könne: "Ich bin sicher, dass das Filminstitut das erkennt."

Nun steht bereits das nächste Projekt an. "Ich weiß schon, welche Themen mich interessieren. Beim nächsten Film geht es ums Geld." Ging es nicht schon diesmal ums Geld? "Nein, diesmal ging es um Freiheit."

(APA)

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2 Kommentare
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wieder für das Biotop

Und wieder ein Preis fürs Biotop. Als Seidl Schüler weiß er wie das geht. Jury Preise und kein Publikum. Daran wird der Österreichische Film nur scheingesunden.
Der Schrei nach mehr Geld liegt schon in der Luft.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Vielseitiges Filmschaffenden ist schon Ok ( auch wenns am Publikum vorbeigeht), aber nur Biotop Filme, bei denen meißtens auch das Zielpublikum hinter dem Ofen bleibt und das tollpatschige Nicht Drehbuch und die Halblaien Darsteller mit dem Charisma von Streusand im Frühjahr an der Kinokasse scheuen.

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was ist eine punkparabel.

ich weiß was irrepararabel und indiskutabel ist,aber punkparabel??!!!

Meinung

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