"Paradies: Hoffnung": US-Presse lobt Seidl-Film

11.02.2013 | 14:31 |   (DiePresse.com)

Während US-Fachmagazine von der sanften Note des letzten Teils der "Paradies"-Trilogie angetan sind, zeigt sich die deutsche Presse gespalten. Ein Überblick über die medialen Reaktionen.

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Im Rahmen der Berlinale feierte "Paradies: Hoffnung", der letzte Teil von Ulrich Seidls "Paradies"-Trilogie seine Premiere. Der Film, der auch im Wettbewerb um den Goldenen Bären ist, hat unterschiedliche mediale Reaktionen erhalten. Ein Überblick über die Kritiken der US-amerikanischen - und der deutschen Presse:

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"Hollywood Reporter":

Österreichs eigenwilliger Poet des alltäglich Grotesken, Ulrich Seidl, arbeitet in 'Paradies: Hoffnung' konstant den Erwartungen entgegen. Er bringt eine überraschende Zärtlichkeit in den letzten Teil der Trilogie über die unerfüllte Glückssuche dreier Frauen einer Familie in deren getrennt verbrachten Sommerferien. Das Zentrum des Films, Melanie, wird mit entwaffnender Offenheit und ohne einen einzigen falschen Ton von Lenz gespielt.

"Variety":

Österreichs Meister des Bizarren, Ulrich Seidl, beschließt seine manchmal aufreibende, aber stets fesselnde 'Paradies'-Trilogie mit einer überraschend sehnsüchtigen, zärtlichen Note. (...) Es ist der zugänglichste, kommerziell vielversprechendste Teil der Trilogie, obwohl er sich des Tabuthemas des Begehrens bei einem Altersunterschied von 40 Jahren annimmt, und zwar mit Diskretion, Zartgefühl und bewundernswerter Ehrlichkeit.

Reaktionen von deutschen Zeitungen:

"Die Zeit":

Weil Seidl wieder ein äußerst sorgfältiges Laien-Casting organisierte, hat er Darstellerinnen gefunden, deren naiver Charme sofort zündet. An diesen Dialogen über die Liebe ist nichts peinlich. Melanies Sehnen ist ebenso natürlich wie hoffnungsvoll. (...) Diese Kunst, geometrisch ausbalancierte Tableaus großer Symbolkraft zu schaffen, hat Seidl perfektioniert. In jedem seiner Filme tauchen sie auf. Irgendwann, kündigte Seidl an, werde er aus ihnen einen eigenen Film machen.

"FAZ":

Ulrich Seidls Filme sind Oberflächenkino, sie betrachten das Leben wie ein Wimmelbild. Aus dieser Distanz sieht man dann lauter seltsame, formlose, hässliche Wesen, die einander auf der lachhaften Suche nach Erfüllung quälen und kränken. Diesen Zirkus kann man eine Weile interessant finden, aber seine Attraktivität verbraucht sich rasch. In 'Paradies: Hoffnung' hat sie sich verflüchtigt.

"Tagesspiegel":

Wie stets in fein kadrierten Einstellungen und mit Lust an der Zentralperspektive weidet sich Seidl nun an den körperlichen Exerzitien, die den Jugendlichen auferlegt sind, mal in der Turnhalle, mal im Freien. Zu erzählen allerdings hat er nahezu nichts - wenn man von der nicht ganz unüblichen Coming-of-Age-Story um Melanie ( (Melanie Lenz) absieht, die für den Diätarzt (Joseph Lorenz) schwärmt.

"B.Z.":

Die Kamera zeigt unerbittlich jede Speckfalte. Und trotzdem ist der letzte Teil der 'Paradies'-Trilogie der sanfteste - aber trotzdem noch verstörend. Ein Silberner Bär für den Mut von Melanie Lenz wäre denkbar.

"TAZ":

'Paradies: Hoffnung' besitzt trotz der präsenten Seidl-Kennzeichen (symmetrische Bildkonstruktionen, lange Einstellungen, Improvisation) eine ätherische Qualität, die man eher dem französischen Kino unterstellen würde als der etablierten Höllenmalerei Ulrich Seidls.

"Die Welt":

Wenn er die schlaffen Körper als bloße Anhängsel von mit ihren Handys spielenden Hand-Kopf-Wesen inszeniert, sind das brillante Momente. (...) Doch den Bildern fehlt jene Schärfe, die Seidl sonst gerade aus dem Entschärften, Normalen, Alltäglichen zu schälen vermag. Das einzig Schneidende ist in 'Hoffnung' die Trillerpfeife des Trainers, der der pädagogischen Realität der Sechziger Jahre zu entstammen scheint und dem Seidlschen Realismus dadurch die aktuelle Schärfe nimmt.

"Frankfurter Rundschau":


Den bislang schönsten Festivalsong haben wir hingegen dem Dutzend dicker Kinder zu danken, das sich in 'Paradies: Hoffnung' von schmierigen Typen in einem Diätlager schurigeln lässt. "If you're happy and you know it, clap your fat!" müssen sie bei ihren Turnübungen singen - eine Melodie, die seither sogleich überall angestimmt wird, wo Filmkritiker aufeinander treffen! Nach dem letzten Wort "fat" gilt es übrigens, sich gegenseitig zweimal auf die Schwarte zu klatschen.

"Stuttgarter Nachrichten":

Das Gemeine an Seidls Film ist nicht, was er zeigt, sondern dass man es sich als Möglichkeit vorstellen kann. Allein dafür hätte er einen Bären verdient, und seine jugendlichen Darsteller sowieso.

(APA)

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1 Kommentare

Kranke Welt

Schauspieler, jung, alt, werden genötigt, sich schamlos und in Sexszenen filmen zu lassen.
Die Europäer sind hier weiter als die USA.
Wirklich nur krank und pervers.
Welch wunderbare Filme hat man bis in diem 1960er gemacht, die auch heute noch gespielt werden.
Welcher vom heutigen Fernsehdreck wird auch noch in zehn oder zwanzig Jahren gespielt werden?
Ich schaue mir diesen Dreck jedenfalls nicht an. Auch diese Zeit der Dekadenz und des Hasses auf Gott und die Christen wird vorübergehen, das ist sicher.

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