Stirb schneller: Eine desaströse Rückkehr für Bruce Willis

Der fünfte Teil der „Stirb langsam“-Reihe „A Good Day to Die Hard“ ist beleidigend schlecht: Der Zuseher leidet mehr als Bruce Willis. Ab Donnerstag im Kino.

Stirb schneller Eine desastroese
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Stirb schneller Eine desastroese
(c) Centfox

Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Bruce Willis mit „Stirb langsam“ ein Weltstar wurde. Als Cop John McClane, der am Heiligen Abend am falschen Ort landet und es im Wolkenkratzer mit Terroristen zu tun bekommt, hatte er seine verletzlich-coole Paraderolle gefunden: Während McClane enorme körperliche Strapazen ertrug, servierte er lockere Sprüche in Serie. Unter John McTiernans superber Regie wurde der Film ein letzter Meilenstein der Underdog-Actionfilme der Reagan-Ära. 1990 schickte eine äußerst unterhaltsame, hemmungslos übertriebene Fortsetzung McClane zu Weihnachten auf einen Flughafen.

1995 verzichtete der dritte Teil auf den ironischen Festtagskontrast und die (der Dichte der Filme förderlichen) Beschränkung auf einen Schauplatz – mit klar schwächerem Ergebnis, das man retrospektiv jedoch verteidigen will. Denn 20 Jahre nach dem Original kam ein vierter Teil, der den gealterten Willis in die digitale Ära katapultierte: Mit seinen zum Mitleiden einladenden Blessuren war McClane aber eine Kreatur der analogen Ära. So versank er im Computereffektmatsch zwischen viel Handlungsleerlauf und Recyclingwitz.

Urandiebstahl war an Tschernobyl schuld!

Der fünfte Teil unterbietet auch das noch locker: „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ (im Original: „A Good Day to Die Hard“) ist vom unbegabten Regisseur John Moore („Max Payne“) wie ein Videospiel inszeniert worden, in dem der Zuseher zwischen unübersichtlichen Explosionen und unfassbar langweiligen Dialogszenen entschieden mehr leiden muss als McClane.
Der ist im fünften Teil in Moskau angekommen, wo sein Sohn (der Australier Jai Courtney) in eine Intrige verwickelt ist. Die Ankunft macht bereits klar, dass es diesmal nichts zu lachen gibt: McClanes Gespräch mit einem Taxler, der von Frank Sinatra begeistert ist, soll lustig sein, schmerzt dabei nur. Der einzig heitere Moment ist unfreiwillig: Urandiebstahl soll damals an der Tschernobyl-Katastrophe schuld gewesen sein! An den Drahtzieher geraten McClane und sein Sohn, als Letzterer einen Oppositionellen (Sebastian Koch als Russe) aus der Haft freisprengt. Der Showdown führt sogar ins alte Atomkraftwerk – und ist beileibe nicht das Absurdeste im Film.

„Wir haben nicht mehr 1986“, sagt ein Gangster – leider. Mit Chauvinismus, Kalten-Kriegs-Klischees und einfallslosen Sagern (viel „Schweinebacke“) wird zwar das Actionkino der Ära zitiert, ihm jedoch alles Leben ausgetrieben: selbst in der zentralen Vater-Sohn-Beziehung, die Fortsetzungen rund um den Junior befürchten lässt. Willis und Courtney spielen schuldlos auf verlorenem Posten, im Sinne dieser beleidigend schlechten Produktion kann man den Figuren und sich nur wünschen: Stirb schneller!

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